Auflösung + Verkauf

Die Vorbereitungen zur Auswanderung waren bis ca. April 1854 soweit abgeschlossen. Es galt Käufer zu finden und wurden auch gefunden. Das Denkershäuser sich selbstverständlich umfangreich daran beteiligten war eine klare Sache. Gab es doch vielleicht das eine oder andere Schnäppchen zu machen.
Der Slogan "Alles muss raus!" hatte also auch damals schon Bedeutung.

 

PrägesiegelGeschehen von Seiten des
Königlichen Amtsgerichts Northeim,
Landbezirk, im Hause des vormaligen
Bauermeisters und des Ackermanns Fried-
rich Wallhausen zu Denkershausen,
am 7. Juli 1854 Nachmittags 6 Uhr
 
 Praes:
Gerichts-Assessor Merkel
 
  Der
Bauermeister Bode aus Denkershausen,
hatte am ehegestrigen Tage die neben-
genannte Gerichtsperson, als den Vertre-
ter des abwesenden Amtsrichters, er-
sucht, sich heute nach Denkershausen
zu begeben , um dort einen, ihn und
mehrere andere Einwohner von Den-
kershausen betreffenden, Act der frei-
willigen Gerichtsbarkeit aufzunehmen.
Dem zufolge hatte sich der Neben-
genannte hierher in das Haus des
                                                         Acker-
 

Prägesiegel Prägesiegel
Ackermanns Friedrich Wall-
hausen verfügt, wo er die-
sen Letztgedachten im Bette liegend und
angeblich am kalten Fieber leidend, wie
eine angestellte Unterredung ergab,
aber vollständig im Besitze seines Ver-
standes vorfand
 
Es erschienen nun ferner:
1.der Bauermeister Friedrich Bode,
2.der Vorsteher Philipp Wehrmann,
3.der Vorsteher August Kulp,
4.der Eisenhändler Heinrich Wedekind,
5.der Köther Wilhelm Kulp,
6.der Tischler August Jürges,
7.der Köther Friedrich Armbrecht,
8.der Schneider August Wahshausen,
9.der Köther Heinrich Rieke,
10.der Schneider August Lüdecke,
11.der Köther Justus Sander,
12.die Witwe des Köthers Heinrich Macke
       Justine geb. Steimel,
13.der Mauermeister Christoph Angerstein
14.der Köther Friedrich Klaproth,
                                                           15
 
Prägesiegel


15.der Musikus August Otte,
16.der Köther Friedrich Wahshausen,
17.der Köther August Meinecke, und
18.der Köther Wilhelm Armbrecht
sämmtlich aus Denkershausen.
                           Die
Comparenten sind größtentheils dem Ge-
richte persönlich bekannt und veragnos-
cirten sich außerdem gegenseitig als
die oben bezeichneten Personen.
                         Hiernach
trug nun der Ackermann Friedrich Wall-
hausen in Uebereinstimmung mit den
übrigen, oben sub No 1 bis 18 genann-
ten Comparenten, vor, wie folgt:
     Er habe im April d. J. an die Ge-
meinde Denkershausen seine unten nä-
her bezeichnete Kötherei sammt allen
Zubehörungen verkauft. Zu diesem
Verkaufe sei von Seiten der Land-
drostei die erforderliche Genehmigung
nicht ertheilt und auf ein gegen den
abschläglichen Bescheid der Landdrostei
            zu


Anmerkung:  veragnosciren: anerkennen

 
Prägesiegel


zu Hildesheim erfolgtes
Gesuch um Genehmigung des
fraglichen Kaufs sei von Seiten des
Ministeriums des Innren, an welches
dasselbe gerichtet worden, bis jetzt noch
keine Antwort erfolgt. Da er indeß
nach America auszuwandern beabsich-
tige und bereits am 15. d. M. dahin
abfahren werde, auch keinenfalls so
lange warten könne, bis die fragliche
Genehmigung eingehe, so sei er mit der
Gemeinde Denkershausen dahin überein-
gekommen, daß der obgedachte Verkauf
nicht weiter gelten solle unbeschadet
des Rechts derselben, von den jetzigen
Käufern seiner erwähnten Kötherei
dieselbe von Neuem zu kaufen. Er
habe nämlich seine Kötherei nebst allen
Zubehörungen nunmehr an die oben
genannten, und sub 1 – 18 aufgeführ-
ten, reiheberechtigten Personen der
Gemeinde Denkershausen als einzelne
                                                  und

Prägesiegel
Prägesiegel

und für sich stehende Pri-
vatpersonen verkauft und
bitte er, diesen Kaufcontract nunmehr
zu Protocoll zu nehmen. Diesem Ver-
trage und dieser Bitte des Ackermanns
Friedrich Wallhausen traten die oben
näher bezeichneten 18 Personen in allen
Stücken bei und gaben und gaben dieselben hier-
auf folgenden, unter ihnen verabre-
deten Kaufcontract zu Protocoll:
                       §1
Der Ackermann Friedrich Wallhausen
verkauft den oben aufgeführten und
unter den No 1 bis 18 näher bezeich-
neten reiheberechtigten Einwohnern
von Denkershausen, von welcher der
No 6 benannte Tischler August Jürges
als Interimswirth der den minderjäh-
rigen Kindern des weil. Tischlers Wil-
helm Wahshausen zugehörigen Köthe-
rei unter Beitritt und Zustimmung
des oben sub No 5 genannten Vor-
mundes der Wilhelm Wahshausenschen
 

                                                              Kin-
Anmerkung: Reiheberechtigung:  Ein
Gemeinderecht (auch „Gemeinheitsrecht“),
damit durften gemeinschaftliche Anlagen
genutzt werden (z.B. Wald, Heide,
Moor, gemeindeeigene Flächen).
Es verbleibt immer bei der „Reihestelle“,
meistens das Grundstück auf dem
das Wohnhaus steht.

 

Prägesiegel
Prägesiegel

Kinder, Köthers Wilhelm
Kulp, der sub No 11 oben
benannte Köther Justus Sander für sich
und als Vormund über die minderjähri-
gen Kinder des weil. Köthers Heinrich
Macke unter Mitwirkung der Mitvor-
münderin, Wittwe Macke, oben sub
No 12 genannt, ferner der Köther Fried-
rich Wahshausen, welcher oben sub No 16
genannt ist, für sich und als Vormund
der minderjährigen Kinder des Schmidts
Heinrich Gehrig auftritt und welche
Vormünder zugleich um obervormund-
schaftliche Genehmigung dieses Kaufcon-
tracts bitten, folgende ihm bisher zu-
gehörige in und vor Denkershausen
belegenen Grundstücke, als:

    1.die zu Denkershausen, zwischen den
       Häusern des Christoph Albrecht und des
       Christoph Henniger belegene, sub No 1
       catastrirte, Kötherei nebst allen Zu-
       behörungen, namentlich die sämmtlichen
       Gebäude, die Gemeindeberechtigung und
                                                              den
                                                                              
Anmerkung: catastrirt:  vom Katasteramt aufgenommen

 

Prägesiegel
Prägesiegel

den dabei belegenen, et-
wa einen Morgen großen
Baum- und Grabegarten,
2. 1 ½ Morgen Rottland in der Losie,
zwischen Friedrich Armbrechts und Fried-
rich Klaproths Lande belegen,
3. 2 Morgen desgleichen, den s. g. Wall-
hausenschen Drempel, zwischen dem
Gemeinde Holze und dem Osterbrunnen
belegen,
4. 1 Morgen desgleichen, die s. g. Sack-
pfeife, zwischen Wilhelm Wahshausens
und Gemeinde-Lande belegen,
5. 1 ½ Morgen desgleichen auf dem Win-
loche zwischen dem Lande des Wil-
helm Hasper und der Gemeinheit
belegen,
6. 1 Morgen desgleichen in der Losie,
zwischen dem Lande des August Lü-
decke und des August Müller,
7. 1 Morgen desgleichen auf der Losie
zwischen dem Lande des Christoph Al-
brecht und des Heinrich Rieke,
                                                                       8.

Anmerkung:  Rottland:  kürzlich urbar
gemachtes (gerodetes) Land

 

Prägesiegel
Prägesiegel

8. 1 Morgen desgleichen,
die s. g. kurzen Köpfe, zwi-
schen dem Lande des Friedrich Klapp-
roth und dem Gemeindeholze belegen,
und
9. ½ Morgen desgleichen auf dem Win-
terloche zwischen dem Lande der Er-
ben des Friedrich Macke und Doma-
nial-Lande belegen,
außerdem aber sämmtliche in diesen
genannten Grundstücken steckenden Me-
lioramente, Gail und Gahre, Pfluglohn,
Einsaat u.s.w. und die darauf in
diesem Jahre stehenden Früchte, nicht
weniger auch die in seinem sämmt-
lichen, von ihm gepachteten Lande stek-
kenden Melioramente, sie mögen Na-
men haben, welchen sie wollen, und
die darauf in diesem Jahre stehenden
Früchte, Letzteres aber unter der
Bedingung, daß die Käufer die Zah-
lung der Pachtgelder für dies Pacht-
jahr übernehmen, und zwar um und
                   für


Anmerkungen:
Melioramente:  siehe auch Melioration;
Bodenverbesserungsmaßnahmen
Quelle:  http://de.wikipedia.org/wiki/Melioration

Gail und Gahre:  Konnte noch nicht ab-
schließend geklärt werden, vermutlich sind es
Begriffe welche die Bodenfruchtbarkeit betreffen
(Bodengare)

 

Prägesiegel
Prägesiegel

für die Summe von
zweitausend dreihundert und
fünfzig Thaler in Golde
die Pistole zu 5 rth gerechnet
                 §2

Die obengenannten Käufer haben
die ausgelobte Kaufsumme so eben
im Beisein des Gerichts baar auf
den Tisch gezählt und quittirt Ver-
käufer über deren richtigen Empfang
unter Entsagung der Einrede des
nicht gezahlten Geldes

              §3

Verkäufer setzt die Käufer hier-
durch in den Besitz der sämmtlichen
Grundstücke und des gesammten Kauf-
objects überhaupt, um darüber als
ihr wahres Eigenthum nach Gefallen
zu verfügen und tritt den Käufern
alle ihm hinsichtlich der von ihm ge-
pachteten Länderei zustehenden Rech-
te zu vollem Eigenthum ab.

              §4

Die Käufer übernehmen von dem
                                                               1.



Anmerkung:
Pistole:  von spanisch pistola, Metallplättchen,
 ursprünglich Bezeichnung des unter Philipp II.
 von Spanien (1556 – 1598) ausgegebenen
doppelten spanischen Escudo (Goldmünze).
 Als Frankreich ab 1641 unter Ludwig XIII.
(1610 – 1643) den Louis d’or nach dem Vor-
bild des Doppelescudo prägte, wurde die Pis-
tole zur Weltmünze, die in vielen Ländern Nach-
ahmung fand. In deutschen Staaten des 18. Jhs.
 stellte die Pistole das 5-Taler-Stück in Gold dar
 mit Unterschieden in Feingehalt und Wert. Der
offizielle Name der deutschen Pistolen richtete
sich nach dem jeweiligen Münzherrn mit dem Zu-
satz „d’or“ (August d’or, Friedrich d’or, Max
d’or etc.). 1873 wurden die Pistolen im Deutsch-
en Reich außer Kurs gesetzt.
Quelle: http://www.staatliche-
muenzsammlung.de/glossar_03.html

 

Prägesiegel
   
Prägesiegel1. Mai d. J. angerechnet alle auf den
verkauften Grundstücken ruhenden öffent-
lichen Abgaben und Lasten.

                 §5

Die verkaufte Länderei wird ver-
kauft, wie sie liegt, und es der Au-
genschein ergiebt und wird für die
Größe und Beschaffenheit derselben
nicht weiter eingestanden. Jedoch haf-
tet der Verkäufer für die Hypothe-
kenfreiheit der verkauften Länderei
und etwaige Ansprüche Dritter an
dieselbe und leistet dafür ausdrückli-
che Gewähr.

                 §6

     Die miterschienenen
     aus Denkershausen
1. Köther Christoph Albrecht
2. Köther August Müller
3. Köther Karl Schlote und
4. Rademacher Ernst Rust

haben keinen Theil an diesem Kauf-Con-
tracte und erklären dies persönlich; da-
gegen soll dem Eigenthümer der Has-
perschen Kötherei, dem Wilhelm Hasper
  in
Prägesiegel
Prägesiegel

in Rehburg, oder dessen Mandatare
Nachricht von diesem Kauf-Contracte
gegeben werden und geben beide
Theile demselben das Recht, noch inner-
halb der nächsten 2 Monate auf eine
glaubhafte Weise ohne weitere Mit-
wirkung der übrigen Interessenten die-
sem Kaufcontracte als Käufer mit
beizutreten.

              §7

Die sämmtlichen Käufer bringen
die obengenannte Kaufsumme in der
Art gemeinschaftlich und gleichmäßig
zusammen, und verteilen die Ver-
pflichtung, dieselbe zu verzinsen auf
die Art unter sich, daß auf jeden Be-
sitzer einer Kötherei bezw. deren Ver-
treter die Verpflichtung zur Zahlung
eines gleichen Antheils des Capitals und
der Zinsen fällt.

              §8

Sämmtliche Käufer genehmigen hier-
mit die von den oben sub 1 – 4 auf-
                                                                   ge-


Anmerkung:
Mandatare:  Bevollmächtigter
Quelle:  http://de.wikipedia.org/wiki/Mandatar

 

Prägesiegel

Prägesiegelgeführten Käufern für sich und in
ihrem Auftrage für eine Anleihe
von 1800 rth Courant, welche die Käufer
zum Ankaufe des oben erwähnten Kauf-
gegenstandes von der Wittwe des Gast-
wirths Friedrich Wilhelm Marten, Frie-
derike geb. Rohde zu Angerstein ge-
macht haben, bestellte Hypothek, wie
dieselbe sich in der derfallsigen Obliga-
tion vom 5. d. M., aufgenommen
vor dem Königlichen Amtsgerichte Nort-
heim, Landbezirk, bezeichnet findet.

              §9

Beide Theile entsagen allen ihnen
gegen diesen Kaufcontract etwa zu-
stehenden Einreden und Rechtswohltha-
ten überhaupt, insbesondere der Ein-
rede der Verletzung unter oder über
die Hälfte des wahren Werths, daß
der Contract anders verabredet, als
niedergeschrieben sei und der Rechtsre-
gel, daß ein allgemeiner Verzicht
nicht gelte, wenn der besondere nicht
                                                         vor-
 

Prägesiegelvorher gegangen.

          §10

Die Kosten der Aufnahme und der
einmaligen, dem Bauermeister Bode
zuzustellenden, Ausfertigung dieses Con-
tracts für die Käufer tragen die Letz-
teren.
              Dieses

Protocoll ist in Gegenwart des Verkäu-
fers, sämmtlicher sub No 1 – 18
aufgeführten Käufer und endlich auch
der im §6 als Comparenten aufge-
führten 4 Personen wörtlich und lang-
sam vorgelesen und dessen Inhalt von
Allen als richtig anerkannt.

                Auch

ist die obervormundschaftliche Genehmigung
zu dem obigen Kaufcontracte nach ge-
nauer Prüfung der einschlagenden Ver-
hältnisse hinsichtlich der minderjährigen
Wilhelm Wahshausenschen, Heinrich Macke-
schen und Heinrich Gehrigschen Kinder
ertheilt,
                                                                     und
 
Prägesiegel
Prägesiegelund erkannten
schließlich sämmtliche Anwesende es noch
als richtig an, daß dem Verkäufer nach
der mündlich getroffenen Verabredung
das Recht zustehe, bis zu dem 1. August
d. J. sämmtliche, zu der verkauften Kö-
therei gehörige Gebäude zu bewohnen
und sonst ordnungsmäßig zu benutzen,
ferner die erste Schur des am Teiche
liegenden Kleelandes und dem beim
Hause liegenden Baum- und Grabe-
garten bis zum 1. August d. J. zu be-
nutzen, auch die auf dem Piepenbrin-
ke auf dem dortigen betreffenden
Gemeindantheile stehenden Kartoffeln
einzuernten.
Vorgelesen und von
          allen Comparenten in allen Punkten genehmigt
                     zur Beglaubigung

                                      W Merkel

                                        (Siegel)

Randnotiz:  Eingetragen im Gerichtshandels-
buche
                      de 1854  pag: 863
Prägesiegel
Prägesiegel                       Dem
                  Bauermeister Bode in
                   Denkershausen
                              zzstellen
                        -------------------------
                                  No  16

Taxe  ------------------      3 rth  12gg
Reisekosten  ----------      2 “     -  “
Diäten  ----------------      2 “    12 “
Stemp.  ---------------      4 “      8 “
Copia  -----------------      - “      8 “
                                -----------------------
                                 =   10 rth   4 gg
                                      12 rth  16 gg
                           Ins. ---              4 “
                                 -----------------------
                                       12 rth   20 gg
                                  (Namenszeichen)

Quergeschriebene Randnotiz:
   Insinuirt d. 16. Juli 1854
        (Namenszeichen)
Prägesiegel