Tausch von Ländereien im Jahr 1802

Auf wessen Initiative dieser Contract zu stand kam, ist nicht bekannt. Aber das Amt Brunstein hatte wohl das größere Interesse und es kam zu einem Tausch der landwirtschaftlichen Flächen. Das Amt Brunstein erreichte damit eine Zusammenlegung seiner Flächen, die Denkershäuser hatten nicht mehr ganz so weite Anmarschwege zu ihrem Acker.

Jeder war zufrieden, zumal auf die Aussage der Bodenqualität großen Wert gelegt wurde.

 


Abschrift

Kund und zu wissen sey hirmit, daß bereits
im Monath Apr: v. J. auf vorgängige Geneh-
migung Königl. Cammer zu Hannover, zwischen (dem)
(Ja) Chf: Amte Brunstein an einem – und eini-
gen Einwohnern zu Denkershausen Nahmens Johann
Wilhelm Wallhausen, Conrad Meyer, Justus
Schatte und Crstph Foerstermann am andern
theile folgender unwiderruflicher Tausch
Contract verabredet und geschlossen worden:
Weil nämlich wir, die vorbenannten Einwohner
zu Denkershausen in der sogenannten Ohlenroder
Feldflur mitten zwischen der daselbst liegenden
zum Brunsteinschen Amts Haushalte gehören
den herrschaftl. Ackerbreite vier Morgen sechs
und fünfzig und ½ Quadr. Ruthe uns eigen
thümlich zustehendes Privat-Land liegen haben
der beiderseitigen Convenienz (1) jedoch ange
messener befunden worden, dieses eben be-
nannte Land gegen Abtretung einer völlig
gleichen Quantität der bislang zum soge-
nannten Herrschaftlichen wüsten Meyerhofe gehö-
renden – resp. am Pfingstanger bey Denkers-
hausen und im Lagershäusischen nach Denkers-
hausen gehörenden Felde belegenen Länderey

                                                              dem






(1)Convenienz = Bequemlichkeit
Quelle: www.duden.de/suchen/dudenonline/Konvenienz
 


dem Amts Haushalte zu Brunstein zu incorporiren.
So ist solches nach der von Lieutenant Heider
des löbl. Grubenhagensch Landregiments am 8. Apr.
v. J. an Ort und Stelle in aller Interessenten
Gegenwart bewerkstelligten Vermessung sol-
chergestalt acte corporali beschaffet, daß
3., ich Christoph Foerstermann die andere
Hälfte des mir und Conrad Meyer bislang gemeinschaft-
lich zugestandenen, an der herrschaftl. Sand-
kopfenbreite belegenen Ackers von 117 ½
Quadr. Ruthen gegen andere mir aus
dem wüsten Meyerhofe im Lagershäuser Felde
über der Weg Länge und zwar neben des
Justus Schatten Stücke abgetretener 119
Ruthen, als woran deren 1 ½ Ruthen für
den dadurch laufenden Fußsteig be-
rechnet werden,
resp. an das Amt Brunstein abgetreten
und von daher eingetauscht habe.
    So wir nun beide Paciscenten (1) diese eben
bemeldete Vertauschung des bisherigen gegen-
seitigen eigenthümlichen Landes für sich und
ihre sämmtlichen Erben und Nachkommen in
alle Wege genehmigen, sich desfalls einer

                                                              den




(1) Paciscenten, auch Contrahenten heißen die Person-
en, welche miteinander einen Contract,  Pact oder Vertrag
schließen; paciscirt oder pactirt heißt demnach, was durch
Vertrag bestimmt worden ist.
Quelle: www.zeno.org/Brockhaus-1837/A/Paciscenten

 


den andern in den wirklichen Besitz der vorbe-
schriebenen umgetauschten Länderey setzen
auch jederzeit so weit Rechtens die Gewähr
darüber zu leisten versprechen und sich die
zeitherigen Eigenthums Ansprüche an den (???)
(???) cedirten(1) Grundstücken solchergestalt
gegenseitig abtreten, daß jeder Theil mit
dem dadurch acquirirten Antheil von nun
an als mit seinem übrigen wohl erwor-
benen Eigenthum nach seiner Willkühr zu
schalten und zu walten befugt ist; so erklä-
ren auch wir die vorhin benahmten Denkers-
häuser Einwohner ausdrücklich, daß wir nicht
nur den von unserer bisherigen vorhin be-
schriebenen Privat – Länderey an das Kloster
Wiebrechtshausen abgegebenen Natural –
Fruchtzehnten, sondern auch alle und jede sonst
darauf gehafteten Kosten, Abgaben Ver-
bindlichkeiten und etwaniger Hypotheken jeg-
licher Art ohne irgend einige Ausnahme auf
die uns abgetretene bisherige herrschaftliche
wüste Meyerhofsländerey übertragen und
übernommen, dahingegen aber die dem Amte
Brunstein cedirten bisherigen Privat – Grund

                                                          stücke



(1) cedirt = zediert = eine Forderung an einen dritten
abtreten.
Quelle:  www.duden.de/rechtschreibung/zedieren
 


stücke von aller und jeder solcher (??onereu-??)
(??hen??) Verbindlichkeit gänzlich freysprechen
und dem Amte Brunstein wegen aller
deren wider Erwarten darauf haftenden
Hypotheken aller Art unsere allerseitigen
gesammten Haab und Güther solchergestalt
zum allgemeinen und besonderen gericht-
lichen Unterpfand constituiren, daß
das Amt sich wegen aller solcher etwaiger
Forderungen aus dem übrigen Vermögen
eines jeden einzelnen unter uns schadlos
zu halten freye Macht und Befugniß
haben solle.
   Außerdem aber sind wir auch aller-
seits wegen der in dem gegenseitig abge-
tretenen Lande befindlich gewesenem Gail
und Gaare(1) völlig hinreichend befriedigt
und versteht es sich zugleich von selbst, daß
wir, die Denkershäuser Paciscenten die
an dem uns abgetretenen herrschaftlichen
Lande befindlichen, den abgetretenen bis-
herigen Pächtern für diesmal aus der
Amtscaße bezahlten Befriedigungen
künftighin ohne Zuthun des Amts nur des-

                                                                  sen






(1)Gail und Gaare:  Konnte noch nicht abschließend
 geklärt werden, vermutlich sind es Begriffe welche
 die Bodenfruchtbarkeit betreffen (Bodengare)

 


sen Pächter auf unsere Kosten zu
unterhalten verbunden sind.

   Uebrigens entsagen beide Theile allen
gegen diesen Tauschcontract zu erden-
kenden Einreden und Ausflüchten und
zwar namentlich der Verletzung und
Ueberredung, der anders als verabredet
niedergeschriebenen Sache, und daß
ein allgemeiner Verzicht nicht gelte, wenn
nicht ein besonderer vorher gegangen.
   Zu Urkund dessen ist dieser Tausch –
Contract durch beider Theile eigenhän-
dige Nahmens Unterschrift vollzogen
und wird überdem zu dito mehrerer
Bündigkeit hohe Königl. Cammer Be-
stätigung desselben von Amts wegen
nachgesucht und beygebracht werden.

So geschehen Brunstein am 3. Febr.
                           1802

              König. GH. Amt.

(CS)               Meyer     vBerger


                             (unleserlich)
 

 
          Conrad Meyer für mich und nah-
           mens des mitgegenwärtigen Joh.
            Wilhelm Wallhausen

                          X X X

            Gottlob Schatten für meinen
               Bruder August Schatte und
               den anwesenden Christoph
                      Förstermann

                          X X X

            Nachdem Königl. und Churfürstl.
            Cammer obigen Tauschcontract
            in allen Stücken genehmigt; So
            wird solcher hiermit und in Kraft
            dieses unter dem K. Cammer Siegel
            und gewöhnlicher Unterschrift
            ratificirt und bestätigt.

                Hannover den 23. Febr. 1802

            Kg. z. L. B. L. C. v. LP. gR. GC. a. CRäthe

                (CS)     GvKielmansegg
                -----------
                     ??
                          Daß die-
 
 


(Daß die) ser Auszug dem in der Amts Regi-
stratur aufbewahrten original Con-
tract völlig gleichlautend sey – solches
wird hiermit gerichtlich bescheiniget
Brunstein am 9 ten Aprill 1802

(Siegel)         Königl. Churf. Amt

                              HMeyer
 

 

 

 

 

To top