Haus + Hof Übergabe im Jahr 1813

Von der 2. zur 3. Generation, siehe Generationen im Überblick, war der Zeitpunkt gekommen sich auf das Altenteil zu begeben.

Damit haben sich alle Beteiligten, der Abgeber, die Annehmer und notwendige Zeugen beim Cantons-Notar Reddersen (1) aus Northeim eingefunden und nachfolgenden Contract geschlossen.

Gleichzeitig erschließt sich einem auch die Straßenbezeichnung "Piepenbrink" - siehe Seite 3

(1) siehe Reddersenhaus

Seite 1

(Stempel)                                       (Stempel)
Königreich Westphalen                 Ein Franken
50 Centimen  
                                                                
Vor mir dem Cantons Notar Otto Friedrich Reddersen zu Nort-
heim und den daselbst wohnhaften Bürgern Gastwirth Heinrich
Müller und dem zu Denkershausen Cantons Nordheim wohn-
haften Herrn Schuhllehrer August Friedrich Dralle zu Zeugen
requirirt, erschienen heute dato den uns allerseits wohlbekann-
ten Einwohnern Ackermann Christoph Förstemann aus Den-
kershausen nebst dessen Stiefkindern Henriette Göttling
gebohrne Boden nebst deren Ehemann dem Drellmachermeister
Ernst Göttling zu Denkershausen, dem Ackerknecht Johann Heinrich
Bode zu Wiebrechtshausen, Cantons Nordheim wohnhaft, dem
Ackermann Johann Christian Boden zu Denkershausen, nicht we-
niger Jungfer Johanne Christine Macken nebst deren Vater
den Ackermann Christoph Gottlieb Macken zu Lagershausen
Cantons Westerhof wohnhaft und trug gedachter Ackermann Chri-
stoph Förstemann und dessen Stiefsohn der Ackermann Johann
Christian Bode vor, wie sie folgenden Hauß und Landübergabe
Contract miteinander verabredet und geschlossen hätten:
Er besagter Förstemann habe mit der verstorbenen Mutter ge-
dachten seines Stiefsohnes, Maria Dorothea Boden gebohrne Hauß  *
(1) mann  nachher verehligt gewesene Förstemann laut des auf
dem vormaligen Amt Brunstein untern vierten Januar
Siebenzehnhundert sieben und achzig abgehaltenen Protocols
sein jetziges zu Denkershausen zwischen dem Brinksitzer Hein-
rich Geisen und den Leineweber Gottlieb Washausen be-
legenes Wohnhauß sammt Zubehör, sammt nachfolgender
                                                                            Länderey

(1) linke Randspalte:
*Heinstmann
          OR
-----------------------------------------------------------------
Anmerk.:Johann Andreas Bode, aus Denkershausen
Maria Dorothea Heinstmann, aus Denkershausen
oo am 21.11.1776 in Denkershausen
(heifa)
-----------------------------------------------------------------


Seite 2

Länderey, als an Rottländerey drey Morgen an der Losie zwischen
der Lagershäuser und Denkershäuser Grenze, drittehalb Mor-
gen am Imbshäuser Junkern Busche und den Tagelöhner Chri-
stoph Washausen, ein Vorling in der Ochsengrund zwischen
Wiebrechtshäuser Domainen Lande und den Ochsengrundsbache.
Ein Vorling an den Kuhlenäckern, zwischen dem Ackermann
Conrad Meyer und Brunsteinschen Domainen Lande, einen
Morgen am Herrndienstwege und an seinen eigenen Lande,
sämtlich vor Denkershausen belegen, ferner an eigener Län-
derey einen zwey Morgenacker vor Holtensen Cantons Nort-
heim im Bruchfelde zwischen Wiebrechtshäuser Domainen Lande
und Ackermann Jacob Fischer, Ein Vorling daselbst am Wie-
(2) brechtshäuser Domainen Lande und * darauf schießendem Holtenser
Kirchenlande, Einen Morgen vor Denkershausen am Wiebrechts-
Domainen und an seinen Rottlande, Ein Vorling da-
selbst an Herrndienstwege zwischen Wiebrechtshäuser Domainen
und Ackermann Heinrich Meyers Lande, noch daselbst ein Vor-
ling zwischen des Musicanten Wilhelm Eckhardt und Acker-
mann Heinrich Meyer und schließlich einen Morgen in der
Denkershäuser Feldmark zwischen Brunsteinschen Domainen
und Ackermann Conrad Meyers Lande, desgleichen einen
Morgen vor Denkershausen im Ochsenfelde, auf den Weg
schießend und auf des Ackermanns Heinrich Wehrmanns Land
schießend, ferner ein Vorling daselbst zwischen Brunsteinschen
Domainen und Ackermanns Daniel Albrechts Lande, ein Vorling
                                                                              daselbst

(2) linke Randspalte:
*Holtenser Kir-
enlande
Ein Vorling daselbst
an Wiebrechtshäu
ser Domainen
     Lande
              OR



Seite 3

 (Stempel)                (Stempel)                                            30 Cent.

daselbst bei der Mandelbeckschen Hecke, zwischen den Ackermann
Wilhelm Sander und Leineweber Christoph Washausen, erheyra-
thet, so wie denn auch noch einen Morgen vor Denkershausen an
Stadtbergsfelde, zwischen Denkershäuser Kirchen, und Wiebrechts-
häuser Domainen Lande. Alle vorbesagte Grundstücke, wovon
vieles versetzt und dreisch (1) gewesen, habe er mit seinen eigenen
Gelde wieder eingelößt und vier Morgen davon (antbar?) gemacht,
mit Ausschluß des vorbesagten Morgens vor Denkershausen
in Stadtbergsfelde an Denkershäuser Kirchen und Wie-
brechtshäuser Domainen Lande, desgleichen mit Ausnahme
des Pipenbrinksgartenblecks (2) als welche zwey Grundstücke
er sich dergestalt vorbehalten wolle, daß er das genannte
Gartenbleck welches zur Gemeinheit gehöre zum Lebens-
langlichen Genießbrauche, den Morgen Landes aber der-
gestalt behalte, daß er solchen selbst benutzen und im Fall
der Noth verkaufen könne, wobey jedoch der Annehmer des
Hauses und der übrigen Länderey das Rüherrecht (3) haben solle,
habe er alle übrigen Grundstücke, wozu auch zwey Gar-
ten gehörten, als nemlich der Garten bey den Hause und
ein Garten über dem Kirchhofe, so wie denn auch die
Gemeindeblecke, habe er seinen Sohn den Ackermann
Christian Boden unter folgenden Bedingungen
abgetreten und erb und Eigenthümlich hiermit über-
geben. Erstlich behalte er sich das zu obigen Hause ge-
hörige und von ihm selbst erbaute Leibzuchtshause nebst
                    den

(1)Dreisch:  Brache
Quelle:  http://de.academic.ru/dic.nsf/pierer/209523/Dreisch
(2)Gartenbleck: blek, blik, "Grundstück, freie Stelle";
     "abgegrenztes kleines Stück Land, Wiese oder Beet"
     "Brink" = unbebautes Land
      "Pipe(n) = altdeutsch für singen, trällern pfeifen.
      Damit könnte der heutige Piepenbrink bei der zentralen Lage
      ein Ort für Treffen und Feiern gewesen sein.
      Wird aber auch als altdeutsches Flüssigkeitsmaß beschrieben,
      was aber hier eher unwahrscheinlich ist und eine dritte Lesart:
      Piepen waren hölzerne Wasserrohre, die das Wasser von einer Quelle zu den Häusern leitete.
      Möglicherweise war schon im Mittelalter der kleine Bachlauf, der oberhalb der Aug.Otte-Straße
      entspringt, in diesem oder ab diesem Bereich verrohrt. Vgl. auch engl. Pipe(line)
      Wird der in der Nähe vorhandene Brunnen "Reimer Born" daraus gespeist?  

(3)  Näherecht: (ius retractus) war ein Vorkaufsrecht. Nach den Verwandten hatten
      die Nachbarn die Möglichkeit das angrenzende Land zu erwerben und somit
      ihren Grundbesitz zu erweitern.

Anmerkung von heifa:
Der Piepenbrink - Ein Begriff "Piepenbrinks Garten" aus dem Sterberegister im Jahr 1802.
Johanne Marie geb. WALLHAUSEN, des Jacob VOGT hinterlassene Wittwe, mit der Epilepsie behaftet, ging den 16ten August in aller Frühe aus dem Hause angeblich nach Brunstein, kam nicht wieder, und man fand sie den 17ten morgens im so genannten Piepenbrinks Garten, vor ihrer Wohnung, todt.
Die Familie Vogt/Voigt besaß seit 1745 das Haus Nr. 15. Mit dem "sogenannten Piepenbrinks Garten" wird vielleicht  das dreieckige Grundstück gemeint sein.

Seite 4

den beyden dabei befindlichen kleinen Ställen auf seine
Lebenszeit zu seiner Wohnung und gebrauche bevor. Nach
seinem Tode fällt solches an den Haußannehmer zurück.
Ferner behalte sich der abtretende Vater den vierten
Theil aus dem Baumgarten vom Obste bevor, desgleichen
den dritten Theil von dem Baumholze welches aus der
Gemeindewaldung jährlich auf sothanes Hauß falle, ferner
den Mitgebrauch und die Mitbenutzung des Haußgeräths.
Für die Grundstücke(1) Abtretung obiger beschriebener gedachter
* und dafür, daß er auch auserdem noch gedachten seinen Sohn
auch noch folgendes abtrete und eigenthümlich übergebe.
Zwey Pferde,  eine Kuh, und ein Rind, ein Ackerwagen
nebst Acker- und Pferdegeschirr, einen Pflug, zwey Eggen,
sämtliches Haußgeräthe und übrigen Mobilien solle der Hauß-
annehmer schuldig seyn folgendes zu entrichten. Erstlich an
ihn dem übergebenden Vater, jährlich: zwey Malter Rocken,
ein Himbten Weitzen, ein Malter Gersten, einen Himb-
ten Erbsen und ein und dreißig Franken acht Centimen
oder acht Thaler Conventions Münze. Auser diesen an seine
Geschwistern deren Erbtheil. Als restlich der Ehefrau des
Leinewebers Ernst Göttling, Henriette Göttling gebohrne Bo-
den zu deren bereits erhaltenen Erbtheile oder Braut-
schatze noch folgendes: Als an baren Gelde zweyhun-
dert ein und neunzig Franken sieben und dreißig
                                                                Centimen    
 

 (1) Linke Randspalte:
Das ausgestrichene
Wort gilt nicht
          OR
* Grundstücke
            OR

 

Seite 5

Centimen oder fünf und siebenzig Thaler Confentions-
münze, womit solche alsdenn dreyhundert acht und achtzig
Franken fünfzig Centimen oder einhundert Thaler erhal-
ten habe, auser diesen Gelde noch eine Zuchtkuh. Zweitens,
an den Ackerknecht Heinrich Boden an baaren gelde drey-
hundert acht und achtzig Franken fünfzig Centimen oder
Einhundert Thaler Confentionsmünze, das gleiche anstatt der Na-
tural Aussteuer Neun und siebenzig Franken vier und
sechszig Centimen, oder zwanzig Thaler achtzehn Groschen
Conventionsmünze. Drittens an Johanne Maria Luise Förste-
mann zu Denkershausen, an baaren Gelde, drey hundert
acht und achtzig Franken fünfzig Centimen, oder Einhun-
dert Thaler Conventions-Münze und dabei noch ein Ehren-
kleid, ein bereitetes Bette, einen Kleiderschrank, einen
Koffer, eine Zuchtkuh, drey Himbten Rocken, einen Himb-
ten Weitzen, dreißig Bund gebrochen Flachs, welche Natura-
lien Kleidungsstücke, Bette, und Kuh sämtlich auf Einhundert
zwey und neunzig Franken dreißig Centimen, oder neun
und vierzig Thaler achtzehn Groschen angeschlagen worden
und letztlich an den abwesenden Bruder Wilhelm Boden
wenn derselbe wiederkommen solte, dasjenige was
dessen Bruder der Ackerknecht Heinrich Bode erhalte, und
wenn derselbe nicht wiederkommen sollte, dessen An-
theil zur gemeinschaftlichen Theilung heraus.
                                                             Schließlich



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Schließlich machte der übergebende Vater bemerk-
lich, daß diese Uebergabe nächstkünftigen Martini voll-
zogen werden solle, als bis wohin er sich die Herrschaft vor-
behalte und bis dahin die Gefahr tragen müsse. Der Gedach-
te Haußannehmer war mit allen diesen zufrieden ging
solches ein, acceptirte solches und versprach diesen Contract
genau nachkommen zu wollen, so wie denn auch die übri-
gen anwesenden Miterben mit solcher Uebergabe zufrieden
waren und alles acceptirten. Diesen vorgängig wurde zwi-
schen oben bemeldeten Haußannehmer Ackermann Chri-
stian Boden in Gegenwart dessen mehr ermeldeten Vaters
und zwischen Jungfer Christine Louise Macken in Beytritt
deren mitgegenwärtigen Vaters des Ackermanns Christoph
Gottlieb Macken zu Lagershausen Cantons Westerhoft
folgender Ehecontract geschlossen: Beyde Verlobte sind
darin miteinander übereingekommen, daß sie sich den
Vorschriften des Gesetzbuchs Napoleons über die Dotalrechte (1)
unterwerfen wollen, jedoch mit der Einschränkung, daß eine
Gütergemeinschaft in Hinsicht des Erwerbers in dieser Ehe
Stattfinde. Die Braut bringt folgendes in die Ehe ein, an ba-
ren Gelde fünfhundert zwey und achtzig Franken fünf und
siebenzig Centimen, oder Einhundert und fünfzig Thaler
in Conventions-Münze. Die Frucht von einen mit Ro-
cken bestellten Morgen Landes abzuernten. Ein berei-
tes zweyschläfriges Bette, eine Zuchtkuh, zwey Faselschweine, (2)
                    dreißig


(1)  Mit Dotalrecht (lat. dos Mitgift) werden die Rechtsregeln
über die Mitgift bezeichnet.
Quelle: http://www.lexexakt.de/glossar/dotalrecht.php

(2) Faselschweine: zur Zucht bestimmte Schweine,
Gegensatz: Mastschweine
Quelle: http://universal_lexikon.deacademic.com/331952/Faselschwein



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dreißig Bothen Flachs, zwölf Stiege Leinen, ein Schaaf,
einen Kleiderschrank, einen Speiseschrank, *(1), ein Ehren-
kleid, auch auserdem eine freie Hochzeit. Hiergegen ver-
schreibt der Bräutigam unter ausdrücklicher Einwilligung
gedachten seines Vaters, als Gegenvermächtniß und zur
Sicherheit des Brautschatzes und Eingebrachten alles dasje-
nige, was ihm abbesagtermaßen, so eben von seinen
Vater dem Ackermann Christoph Förstemann überge-
ben und abgetreten worden. Die Todesfälle betreffend
so ist folgende Bestimmung unter den Verlobten getroffen
und festgesetzt worden. Es soll der zuletzt lebende Ehe-
gatte mit den aus dieser Ehe erfolgten und als dem an
Lebend folgenden Kindern Kindestheil von den sämmt-
lichen Vermögen des zuerst versterbenden Ehegatten
erhalten, und fals keine Kinder aus dieser Ehe erfolgen
und beym Ableben des zuerst versterbenden Ehe-
gatten am Leben seyn sollten, alsdann das sämmtliche
Vermögen des zuerst versterbenden Ehegatten
eigenthümlich haben und behalten. Solten aber
in dieser Ehe Kinder erfolgen und beym Absterben
eines Ehegatten am Leben vorhanden seyn, so soll der zu-
letzt lebende Ehegatte mit solchen Kindern das
sämmtliche Vermögen, des zuerst versterbenden
Ehegatten zu gleichen Theilen zu sich nehmen und
                                                                 theilen

(1) *Koffer
          OR



Seite 8

theilen. Hierüber ist diese Urkunde welche als ein Con-
tract unter lebendigen von beyden Theilen  ????  *
eingegangen und errichtet worden, in der Behausung
des Notars zu Nordheim numero zweyhundert und sech-
zig am achten July Achtzehnhundert und dreyzehn in
Gegenwart der Zeugen aufgenommen und auf gesche-
hene Vorlesung und Genehmigung und nach dem der
Ackermann Christoph Förstemann dessen Stiefsohn
Christian Bode, der Ackerknecht Johann Heinrich Bode, der Lei-
neweber Ernst Göttling, wie auch Jungfer Christine Louise Ma-
cken erklärt wie sie Schreibensunerfahren wie folget
Christoph Gottlieb Macken, Heinrich Müller als Zeuge
August Friedrich Dralle als Zeuge, vor besagten Chri-
stoph Gottlieb Macken, den vermeldeten Zeugen und mir,
dem Cantons Notar Otto Friedrich Reddersen zu Nord-
heim eigenhändig unterschrieben.

        Otto Friedrich Reddersen
        In fidem copiae

        Otto Friedrich Reddersen   
            ????

            ??
        (Siegel)

 

 

* besagten
        OR

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