Die Denkershäuser Kirchengemeinde als Kapitalgeber

Die Kirchengemeinde im Ort behütet nicht nur ihre Schäfchen und unterstützt in Glaubensfragen, nein, sie ist auch als Geldverleiher tätig. Ganz im Sinne von Pecunia non olet, also Geld stinkt nicht.
Eine Interpretation zu diesem vielleicht fragwürdigen Umgang findet man hier.
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Aber zurück zum Hof Bode.

Kurz vor der Bürgschaftsübernahme für den Schwiegersohn - siehe 1876-2 - Heinrich Lüdecke, Holtensen unterzeichnet Friedrich Bode eine Schuld- und Pfandanleihe über 3.300 Mark. Gegeben durch die Denkershäuser Kirche.

Die Sache ging am Ende doch sehr gut aus. Nach erfolgter Schuldentilgung kam eine erste Löschung 1895 und 1903 waren die Grundbücher wieder sauber. Siehe Seite 4

 

                         Nr. 867 pr. 7/8 d. Stadtsynd. Meyer z. Eintragg.                               ????
Stempel,                       Nr. 208 des Notar-Registers                        Stempel ad. 3 M - Pf
Stempelmarke,                                                                            ist zur ersten Ausfertigung verwendet
drei Mark    


                     Schuld – und Pfandverschreibung

               
        Geschehen zu Northeim am fünften Juli
        ------------- eintausend achthundert und sechs und siebenzig,
    in der Wohnung des unterzeichneten Notars.


    Vor mir, dem Königlich Preußischen Notar, Stadtsyndicus Karl Wilhelm Meyer
zu Northeim, Obergerichts Göttingen, und den beiden von Person mir wohlbekannten
über zwanzig Jahre alten Instruments-Zeugen:

1)    dem Feilenhauer Heinrich Barke aus Northeim,

2)    dem Schneidermeister August Reichert aus Northeim

in deren Person so wenig, als in meiner Person, soviel die desfallsigen Erkundigungen
ergaben, einer der in den §§ sieben und zwanzig bis dreißig der Notariats-Ordnung de
achtzehnten September eintausend achthundert und drei und fünfzig aufgeführten Behinde-
rungsgründe vorhanden ist, erscheinen mir als dispositionsfähig und persönlich bekannt:

I,  der Lehrer Carl August Gottlieb Rannenberg
   aus Denkershausen als Rechnungsführer
   der Denkershausener Kirche, Herleiherin;
II,  der Ackermann Friedrich Bode und
   dessen Ehefrau Louise Bode geb. Rieke aus
   Denkershausen, als Anleiher;
    und erklären die sub II aufgeführten Comparenten zu Protocoll:

    Der sub I aufgeführte Lehrer Rannenberg
hat uns am heutigen Tage ein Darlehn von dreitausend
und dreihundert Mark aus dem Vermö-
gen der Kirche zu Denkershausen zinsbar
vorgestreckt, wir quittiren als Correalschuldner über den richtigen Empfang des Geldes,
verzichten auf die Einrede des nicht empfangenen und in unserm Nutzen nicht verwendeten
Geldes, verpflichten uns Einer für Beide und Beide für Einen, indem wir auf die

 Einreden der Theilung und der Vorausklagung Verzicht leisten, das Darlehn von
heute an ---------------------------------------------------------- mit vier und ein halb
vom Hundert alljährlich zu verzinsen und nebst Zinsen, nach einer beiden Theilen frei-
stehenden vorausgegangenen dreimonatlichen Kündigung, zurückzuzahlen. Sollte eine Ein-
klagung des Capitals erforderlich werden, unterwerfen wir uns für diesen Fall der Com-
petenz des Amtsgerichts Northeim. Wir verpflichten uns, die Zinsen in
ganzjährigen Terminen zu bezahlen und Capital und Zinsen der Gläubigerin frei
zu übermitteln. Werden die Zinsen einmal später, als vierzehn Tage nach der Fälligkeit,
entrichtet, so müssen dieselben, Statt der bedungenen 4 ½ - vom Hundert, mit
fünf vom Hundert, für solchen Säumigkeitsfall entrichtet werden.
    Zur Sicherheit der Gläubigerin wegen Capitals, Zinsen und Kosten, die der
Kündigung eingeschlossen, verpfände ich der Mitanleihende Ehemann,
der Gläubigerin, mit dem Bemerken, daß meine
Frau ein Haus nicht besitzt, meinen in
Denkershausen zwischen Eckhardt’s und
Michaelis Stellen belegenen Kothhof,
mit Zubehör an Hofraum, Stelle, Ne-
bengebäuden und Rechten, sub No. ein-
undzwanzig der Häuserliste aufgeführt,
mit der dazu gehörigen Gemeindege-
rechtsame, neun Morgen zur Stelle
gehöriger Länderei ( früher Rottland
genannt) nicht weniger neun und
einen halben Morgen mir gehöriger vor
Denkershausen belegener Erbländerei.


 

Schließlich baten die Schuldner noch, die vorstehende Pfandbestellung in das Hypo-
heken – resp. Grund-Buch einzutragen, autorisirten mich, diese Obligation zu
dem Ende dem Königlichen Amtsgerichte zu überreichen, worauf das vorstehende
Protocoll den Comparenten und den Zeugen von mir vorgelesen, von denselben als
richtig anerkannt und eigenhändig wie folgt, unterschrieben wurde, resp. unterkreuzt wurde.

Carl A. G. Rannenberg         Friedrich Bode
Handzeichen der Schreibens nichtmehr kundigen XXX Ehefrau
Bode L. gb. Rieke aus Denkershausen
Heinrich Barke als Zeuge   August Reichert als Zeuge
            Actum ut supra
                  in fidem

(L.S.)        K. Meyer,   Königlich Preußischer Notar.


Vorstehende, dem Nr. 208 des Registers eingetragenen Original-Protocolle gleich-lautende Urkunde
wird für die Gläubigerin damit ausgefertigt
als erste Ausfertigung damit ausgefertigt.

        Northeim, den siebenten August
    eintausend achthundert und sechs und siebenzig

        Meyer  Königlich Preussischer Notar
(Stempel)
                            Taxa …………… 7 Mk 50 Pf
Hypothekarisch eingetragen                    Stpl. u. Copial …. 3  „    25  „
im Hypothekenbuche für Denkershausen                                                        Zeugengebühr …. -  „   50  „
(Buchbez. IV, Abth. I, Band I, fol 21,                                                                         -----------------------------------
Pag. 311, Nr. 2 (Nr. 1 gelöscht) laut angesiegelten                 =   11 Mk 25 Pf
beglaubigten Buchextracts.                                                                               (Namenszeichen)

            Northeim, den 11. August 1876
            Königliches Grundbuchamt

Stempel                                            (Traumann)                    Die
(Karl Meyer Notar)
 

 

            Die mithaftenden Grundstücke:
1.    13 ar 25 qm in den unteren langen Äckern
Kartenblatt 4 Parzelle 28;
2.    27 ar 41 qm daselbst, Kartenblatt 4 Parzelle 33
3.    17 ar 17 qm auf den Sandköpfen, Kartenblatt 8
Parzelle 49
4.    65 ar 70 qm auf dem Stadtberge, Kartenblatt 9
Parzelle 18;
5.    13 ar 95 qm auf der Restestelle, Kartenblatt 9
Parzelle 28 u. 29
6.    28 ar 02 qm unter dem Stadtwege, Kartenblatt 9
Parzelle 41
7.    58 ar 17 qm in den kalten Aeckern, Karten-
blatt 4 Parzelle 45,
        sind aus der Haftverbindlichkeit entlassen und ist
        solches im Grundbuch von Denkershausen Band II Ar-
        tikel 24 Abtheilung III lfd. Nr. 1 resp. Holtensen Band I
        Blatt 9 Abtheilung III lfd. Nr. 1 vermerkt.

            Northeim, den 23. November 1895
                    Königliches Amtsgericht I  

(Stempel)        N.v.Goeben                       Brehm
Königl. Preuss.
Amts-Gericht Northeim
            Im Grundbuche von Denkershausen Band II Artikel
            24 Abtheilung III Nr. 1 gelöscht.
                Northeim, den 9. April 1903
(Stempel)                           Königliches Amtsgericht
Königl. Preuss.
Amts-Gericht Northeim                Traumann              Brehm
 

 

 

 

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