Friedrich Bode bürgt für den Schwiegersohn

Die Tochter des Friedrich Bode, Luise Lüdecke geb. Bode baut mit dem Ehemann Heinrich Lüdecke in Holtensen (heute Langenholtensen) ein Haus.
Der Vater in immer noch vorhandener Fürsorge springt zur Kapitalgewinnung als voll haftender Bürge ein.

Ein heikles Unternehmen, aber letztlich ist es wohl gut gegangen. Zumindest ist nichts gegenteiliges gefunden worden.

 

No. 955 pr. “976 d. Dr. Reddersen z. Eintrag. ?? fiat ??


Register – Nummer 365 de 1876
Stempel ad. 5 Mark zum Original

Schuld – und Pfand – Verschreibung

Geschehen zu Northeim am sieben und zwan-
zigsten August eintausend achthundert sechs
und siebenzig.

                        Vor

mir, dem Königlich Preußischen Notar Dr. Frie-
rich Reddersen zu Northeim, Obergerichts Göt-
tingen, wohnhaft und in Gegenwart der zuge-
zogenen, mir persönlich bekannten, über zwan-
zig Jahre alten Zeugen, nämlich:
a,  des Gastwirths Ernst Huch und
b,  des Schuhmachermeisters Friedrich Möhle
    beide aus Northeim
    erschienen am heutigen Tage
1,  der Schneider Heinrich Lüdecke und
2,  dessen Ehefrau Louise Lüdecke geb.
                                          Bode
  Bode als Anleiher, aus Holtensen,
3,  der Ackermann Friedrich Bode aus Denkers-
hausen als Bürge, sowie
4,  der Maurermeister Friedrich Warnecke aus
Holtensen als Herleiher, sämmtlich dem Notar
und den Zeugen persönlich und als verfügungs-
fähig bekannt,
und baten, eine von ihnen, den Eheleuten Lüdecke
auszustellende Schuld – und Pfand – Verschrei-
bung in eine öffentliche Urkunde zu fassen.

                             Da

nun weder in meiner, noch in der Person der
beiden zugezogenen Zeugen, so viel mir auf
meine desfallsige Erkundigung bekannt ge-
worden, einer der in den Paragraphen sieben
und zwanzig bis dreißig der Notariats - Ord-
nung der Notariats – Ordnung bezeichneten
Mängel Statt fand, so erklärte ich mich zur
Aufnahme der Urkunde bereit, und trugen Com-
parenten Eheleute Lüdecke hiernach das folgen-
                                               de
de vor:
Auf ihr Ansuchen habe sich der miterschiene-
ne Maurermeister Warnecke bereit erklärt,
ihnen zum Ankauf eines Bauplatzes und zur
Bestreitung von Baukosten, ein Capital von
3900 Mark, buchstäblich dreitausend neun-
hundert Mark vorzuleihen, und da ihnen das
obenerwähnte Darlehns – Capital am heuti-
gen Tage baar ausbezahlt und zu dem be-
zeichneten Zweck verwendet sei, so quittiren,
so quittiren sie über dessen richtigtigen Em-
pfang und versprechen, für sich, ihre Erben und
Nachfolger, das oben erwähnte Capital nach
einer beiden Theilen freistehenden vierteljäh-
rigen Kündigung in der empfangenen
Münzsorte und in ungetheilter Summe
sammt gebührenden Zinsen dem Gläubiger
oder dessen Nachfolgern zurückzuzahlen, bis
dahin aber dasselbe alljährlich und zwar vom
Tage der Auszahlung an, frei,
                                           mit


mit fünftehalb Mark von Hundert in capital-
mäßiger Münzsorte zu verzinsen, wobei sie
sich ausdrücklich zufrieden erklären daß, falls
nicht spätestens vier Wochen nach der Verfall-
zeit die Zinsen jedes Mal richtig abgeführt
sein würden, solche Versäumniß zu Gun-
sten des Gläubigers, oder dessen Nachfolger
als stillschweigende Kündigung angesehen
werden könne, so daß jener befugt sei, das
Capital nebst rückständigen und laufenden
Zinsen, ohne an den Ablauf der Kündi-
gungsfrist gebunden zu sein, sofort und
ohne weitere Mahnung einzuklagen, und
zwar, wenn er wolle, bei dem Königli-
chen Amtsgerichte Northeim, dem sie sich
in dieser Angelegenheit damit unterwer-
fen wollen.
Auch unterwerfen sie sich der soforti-
gen Zwangsvollstreckung.
                                              Zur
Sicherheit des Gläubigers, und dessen Nachfol-
ger auf welche die hiermit bekundete Forde-
rung dereinst etwa übergehen werde, se-
tze er Lüdecke sowohl hinsichtlich des Capi-
tals selbst, als auch wegen der etwa rück-
ständigen und laufenden Zinsen, sowie der
Kosten, die einer Kündigung eingeschlossen,
imgleichen wegen etwaiger sonstiger Schä-
den, nachfolgende Immobilien, als
sein in Holtensen auf der obern Stra-
ße an dem Denkershäuser Communalwe-
ge zwischen Rumann’s und Emmermanns
Erben belegenes sub No. 11 in der Häuser-
liste aufgeführtes neuerbautes Anbauer-
haus mit allem Zubehör Rechten und Ge-
rechtigkeiten,
zur Hypothek in der Maße ein, daß der Gläu-
biger bei nicht erfolgender Zahlung wegen Haupt-
schuld Zinsen Kosten und sonstigen Schäden, sich
aus den bestellten Hypotheken auf gerichtlichem
                                               We-
Wege solle bezahlt machen können; wobei er
den Gläubigern das Recht einräume, unter
den bestellten Hypotheken nach freiem Belie-
ben zu wählen und die getroffene Wahl ein-
oder mehrere Male ganz, oder theilweise zu än-
dern.
Hierauf erklärte der miterschienene Acker-
mann Friedrich Bode,
daß er unter gleichmäßiger Verpfändung nach-
folgenden unbeweglichen Vermögens als:
1,  seines Hofes in Denkershausen No. 21 mit
allem Zubehör, Rechten und Gerechtigkeiten,
besonders mit der Gemeindegerechtigkeit,
2,  seiner 3 Morgen Land am Stadtberge in der
Denkershäuser Feldmark zwischen Herren-
dienstwege und Klosterkammer,
3,  seiner 2 Morgen Land das. in der Losige zwi-
schen Wahshausen und Lagershausen,
4,  seiner drei Morgen Land das. am Junkern-
busch zwischen Meinecke und Lagershausen und
                5.
5,  seines Morgens daselbst über dem Oster-
brunnen zwischen Klapproth und Gemeinheit,
für obiges Anlehn nebst Zinsen, Kosten und
Schäden, wie solches alles sein Schwiegersohn
Heinrich Lüdecke und seine Tochter Louise Lüde-
cke geb. Bode oder deren Nachfolger schulden
würden, als selbstschuldiger Bürge eintreten.
Comparenten Anleiher und Bürge entsagten
nach allen Rechtswohlthaten, insbesondere der
der der Theilung der Schuld, der Vorausklagung
und der Klageabtretung.
Zum Schlusse beantragten Comparenten
Eheleute Lüdecke und Bürge Bode im Einver-
ständnisse mit dem Gläubiger die bestellten
Hypotheken in das betreffende Hypotheken-
buch einzutragen, und danach die Obligation
dem Gläubiger einzuhändigen, der alle vor-
stehenden Erklärungen bestens acceptirte.
Ein

Mehreres hatten Comparenten nicht vorzutra-
                                              gen

gen, es ist daher das Protocoll in ihrer und der
Zeugen Gegenwart von mir, dem Notar, vorgele-
sen worden, und nachdem Comparenten des-
sen Inhalt genehmigt hatten, von diesen und
den beiden Zeugen, wie folgt:

                   Heinrich Lüdecke,  Louise Lüdecke geb. Bode
    Friedrich Bode,  F. Warnecke
    E H. Huch als Zeuge
    Friedrich Möhle als Zeuge

    eigenhändig unterschrieben.

                 Zur Beglaubigung
            Friedrich Reddersen Dr.
           K. Pr. Notar zu Northeim

        Vorstehende, dem unter No. 365 des Regi-
sters de 1876 eingetragenen Original – Protocol-
le gleichlautende Urkunde wird den Gläubiger
    ausgefertigt.

Northeim, den sieben und zwanzigsten
August achtzehnhundert sechs und sieben-
                        zig
zig.

(CS)  gez. Friedr. Reddersen Dr.
K. Pr. Notar zu Northeim

        Vor- und umstehend bestellte Hypotheken
sind eingetragen im Buchbezirk IV Abtheilung
I Band I folio 10, pagina 19 No. 2 und Buch-
bezirk IV Abtheilung I Band I folio 21 pagi-
na 311 No. 3 laut angehängter beglaubigter
    Buchextracte.

Königlich Preußisches Grundbuch – Amt
Northeim am 4. September 1876

    (CS)  gez.  Wedekind.

 

 

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