Der Schwiegersohn

Diese und die Folgeseiten bis 1879 beschäftigen sich mit vielfältigen Grundbuchveränderungen. Teils aus Veränderungen der Schuldenlast, teils als der Köthner Friedrich Bode * 20.1.1819 auch als Bürge für seinen Schwiegersohn, den Schneidermeister und Gastwirt Heinrich Lüdecke und dessen Ehefrau Louise * 5.5.1854 geb. Bode eintritt.

Ein arg risikobehaftetes Unterfangen, setzte doch Friedrich Wehrmann sein ganzes Hab und Gut  ein, um den jungen Leuten zu einer eigenen Existenz zu verhelfen.

Jahr 1877 - Schuldverschreibung des Schwiegersohnes

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No. 141 pr. 27/1 77 d. Dr. Reddersen z. Eintrag ?? fiat 29/1 79 W



Register – Nummer 69 de 1877
Stempel ad 1 ½ M ist zur Hauptausfertigung
         verwendet.

Schuld- und Pfand-Verschreibung

Geschehen zu Northeim am zwei und zwan-
zigsten Januar eintausend achthundert sie-
ben und siebenzig, in der Wohnung des un-
terzeichneten Notars.


Vor


mir, dem Königlich Preußischen Notar Dr.
Friedrich Reddersen zu Northeim, Obergerichts
Göttingen, wohnhaft und in Gegenwart
der zugezogenen, mir persönlich bekannten,
über zwanzig Jahre alten Zeugen, näm-
lich
a des Schneidermeisters Ernst Arnemann
und
b des Schuhmachermeisters Friedrich Möhle


bei-

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de aus Northeim,
erschienen am heutigen Tage

1.der Schneidermeister Heinrich Lüdecke als
Anleiher
2.der Maurermeister Friedrich Warnecke als
Herleiher beide aus Holtensen
dem Notar und den Zeugen persönlich und
als verfügungsfähig bekannt,
und baten, eine von ihm, Lüdecke,
auszustellende Schuld und Pfand-Verschreibung
in eine öffentliche Urkunde zu fassen.


            Da



nun weder in meiner, noch in der Person der
beiden Zeugen, so viel mir auf meine desfal-
sige Erkundigung bekannt geworden einer der
in den Paragraphen sieben und zwanzig bis
dreißig der Notariats-Ordnung bezeichneten
Mängel Statt fand, so erklärte ich mich zur
Aufnahme der Urkunde bereit und trug Com-
parent Lüdeke hiernach das Folgende vor.


            Auf

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Auf sein Ansuchen habe sich der miterschie-
nene Maurermeister Friedrich Warnecke bereit
erklärt, ihm zur Bezahlung von Baukosten ein
Capital von 600 M buchstäblich sechshundert
Mark vorzuleihen, und da ihm das ebener-
wähnte Darlehns-Capital am heutigen
Tage baar ausbezahlt, und zu dem bezeich-
neten Zweck verwendet sei, so quittire er ü-
ber dessen richtigen Empfang und verspreche,
für sich, seine Erben und Nachfolger das oben
erwähnte Capital nach einer beiden Theilen
freistehenden vierteljährigen Kündigung in
der empfangenen Münzsorte und in ungetheil-
ter Summe sammt gebührenden Zinsen dem
Gläubiger, oder dessen Nachfolgern zurück-
zuzahlen, bis dahin aber dasselbe alljährlich
und zwar vom Tage der Auszahlung ein-
schließlich an frei mit fünftehalb Mark von
Hundert in capitalmäßiger Münzsorte zu
verzinsen, wobei er sich ausdrücklich zufrie-


        den

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en erkläre, daß falls nicht spätestens vier
Wochen nach der Verfallzeit die Zinsen jedesmal
richtig abgeführt sein würden, solche Versäum-
niß zu Gunsten des Gläubigers, oder dessen
Nachfolger als stillschweigende Kündigung an-
gesehen werden könne, so daß jener befugt
sei das Capital nebst rückständigen und lau-
fenden Zinsen, ohne an den Ablauf der Kün-
digungsfrist gebunden zu sein, sofort und ohne
weitere Mahnung einzuklagen, und zwar, wenn
er wolle, bei dem Königlichen Amtsgerichte
Northeim, dem er sich in dieser Angelegen-
heit damit unterwerfen wolle.

Auch unterwerfe er sich der dieser A  sofor-
tigen Zwangsvollstreckung.


        Zur



Sicherheit des Gläubigers, und dessen Nachfol-
ger, auf welche die hiermit bekundete Forderung
dereinst etwa übergehen werde, setze er so-
wohl hinsichtlich des Capitals selbst, als auch

 

        we-

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wegen der etwa rückständigen und laufenden
Zinsen, sowie der Kosten, die einer Kündigung
eingeschlossen, eingleichen wegen etwaiger sonsti-
ger Schäden, nachfolgende Immobilien als:

eine in Holtensen am Denkershäuser Communal We-
ge zwischen Rumanns und Emmermanns Erben
belegene Baustelle mit allen darauf befindli-
chen Gebäulichkeiten und Anlagen sub No. 10
in der Häuserliste eingetragen, mit dem
dabei befindlichen Garten und allem sonstigen
Zubehör

zur Hypothek in der Maße ein, daß der Gläu-
biger bei nicht erfolgender Zahlung wegen Haupt-
schuld, Zinsen, Kosten und sonstigen Schäden, sich
aus den bestellten Hypotheken auf gerichtli-
chem Wege solle bezahlt machen können; wobei
er dem Gläubiger das Recht einräume, un-
ter den bestellten Hypotheken nach freiem Be-
lieben zu wählen und die getroffene Wahl
ein, oder mehrere Male ganz, oder theilweise


            zu

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zu ändern.

Zum Schlusse beantragte Comparent Lü-
decke im Einverständnisse mit dem Gläubiger
die bestellten Hypotheken in das betreffende Hy-
pothekenbuch des zuständigen Amtsgerichts ein-
zutragen und danach die Obligation dem Gläu-
biger einzuhändigen, der alle vorstehenden Erklä-
rungen des Schuldners bestens acceptirte.

        Ein

Mehreres hatten Comparenten nicht vorzutra-
gen, es ist daher das Protocoll in ihrer und
der Zeugen Gegenwart von mir, dem Notar,
vorgelesen worden, und nachdem Comparen-
ten dessen Inhalt genehmigt hatten, von
diesen und den beiden Zeugen wie folgt:

    Heinrich Lüdeke
    Fr. Warnecke
    Ernst Arnemann als Zeuge
    Friedrich Möhle als Zeuge

    eigenhändig unterschrieben.


            Zur

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    Zur Beglaubigung
    Friedr. Reddersen Dr.
           K. Pr. Notar zu Northeim.


        Vorstehende, dem unter No. 69 des Regi-
    sters de 1877 eingetragenen Original-Protocol-
    le, gleichlautende Urkunde wird für den Gläu-
    biger ausgefertigt.

        Northeim, den zwei und zwanzigsten
    Januar achtzehnhundert sieben und siebenzig

    (CS)  gez. Friedr. Reddersen Dr.
        K. Pr. Notar zu Northeim


        Vor- und umstehend bestellte Hypothe-
    ken sind eingetragen im Buchbezirk IV Abth.
    I Band I folio 10 pagina 19 No. 3 laut an-
    gesiegelten beglaubigten Buchextracts.

    Königl. Preuß. Grundbuchamt Northeim
        am 29. Januar 1877

        (CS)  gez.  Wedekind