Ein Vertrag - drei Funktionen!

Da waren sich Generationen absolut einig. Sie vereinbarten einen

"Uebertragungs-Ehe-und Erb-Vertrag"

Ein eher ungewöhnliches Konstrukt, aber man sparte damit erhebliche Notar- und Gerichtskosten.
Blieb zu hoffen, alle Beteiligten wurden am Ende froh damit und haben auch die gesetzten Erwartungen erfüllt.

 

 

 

 

 

 

 

 


Stempel  No. 579 des Notar – Registers de  1878.  Zur Hauptausfertigung für 7M. 50 Pfg.
Stempelmarke                                                              Stempel cassirt6M und 1 ½ M


            Uebertragungs-Ehe-und Erb-Vertrag.
                                                             
Geschehen zu Northeim am vierten December
-------  eintausend achthundert achtundsiebenzig   
in der Wohnung des unterzeichneten Notars.
                    Vor
mir, dem Königlich Preußischen Notar, Doctor Friedrich Reddersen, zu Northeim,
Obergerichts Göttingen, wohnhaft, und in Gegenwart der zugezogenen, mir persönlich
bekannten, über zwanzig Jahre alten Zeugen, als:

a)    des Schneidermeisters Ernst Arnemann
und
b)    des Schuhmachermeisters Friedrich Möhle
        beide aus Northeim
erschienen am heutigen Tage

1.  der Ackermann Friedrich Bode senior
2.  dessen Ehefrau Louise geborene Rieke
     beide als Abgeber und
3.  deren längst aus ihrer väterlichen Gewalt
     entlassenen Sohn der Ackermann Friedrich
     Bode junior als Annehmer und Bräutigam,
     sowie
4.  die Caroline Sander als Braut und deren Eltern als
5.  der Ackermann Justus Sander und
6.  dessen Ehefrau Johanne geborene Ahrend
     sämmtlich aus Denkershausen

dem Notar und den Zeugen persönlich und als dispositionsfähig bekannt, und baten, einen
Uebertragungs- Ehe- und Erb-Vertrag, den sie mit einander
verabredet hätten  --------------------------------------------------------------------------------------
in eine öffentliche Urkunde zu fassen.

                                                                   Da
nun weder in meiner, noch in der Person der beiden zugezogenen Zeugen, so viel mir auf
meine desfallsige Erkundigung bekannt geworden, einer der in den Paragraphen sieben und
zwanzig bis dreißig der Notariats-Ordnung bezeichneten Mängel Statt fand, so erklärte ich
mich zur Aufnahme der Urkunde bereit, und trugen Comparenten darnach, unter wechsel-
seitiger Zustimmung und Annahme, folgendes vor:
                                                                                                                     I
                                                                                                                     R



                          I.    Uebertragungs-Vertrag

                                      §1

            Die oben sub 1 und 2 aufgeführten Bode’schen
            Eheleute übergeben ihrem ältesten, längst aus der
            väterlichen Gewalt entlassenen Sohne dem Acker-
            mann Friedrich Bode junior ihre sämmtlichen
            in und vor Denkershausen und Holtensen bele-
            genen Grundstücke, wie solche in den eingehef-
            teten Auszügen der Gebäude resp. Grundsteuer
            Mutterrollen von Denkershausen und Holtensen
            verzeichnet sind zum freien ausschließlichen
            Eigenthum unter folgenden mit einander
            verabredeten Bedingungen.

                                      §2

            Der Abgeber Friedrich Bode senior reservirt sich
            die Herrschaft über die abgetretenen Güter bis
            zu seiner weitern Entschließung.

                                      §3

            Der Annehmer Friedrich Bode jun. übernimmt die
            bei seinem Antritt der Herrschaft vorhandenen
            sämmtlichen Schulden und sollen Abgeber nicht be-
            rechtigt sein, neue Schulden zu machen, mit Aus-
            nahme solcher Fälle, worin die Anleihe dazu ver-
            wendet werden soll, die Abfindungen der Geschwister
            des Annehmers abzutragen.

                                      §4

            Die acht Geschwister des Annehmers, oder deren Erben
            sollen die nachfolgenden Abfindungen vom Hofe
            erhalten:
            Jede der fünf Schwestern zwölfhundert Mark, eine
            ortsübliche Aussteuer namentlich eine Kuh, oder
            dafür einhundert und fünfzig Mark, ein voll-
            ständiges neues Bett, einen Kleiderschrank, einen
            Speiseschrank, ein Sopha, eine Anrichte, dreißig
            Boten Flachs und die kleinen Aussteuergegenstände.
            Jeder der drei Brüder zwölfhundert Mark

                                    und



und ein vollständiges Bett. Die beiden jüng-
sten Brüder Wilhelm und Hermann hat der An-
nehmer, falls sie ein Handwerk erlernen
wollen, während der Lehrzeit in allen Noth-
wendigen namentlich in Kleidung und Wäsche
zu unterhalten. Falls sie kein Handwerk erlernen
wollen, fällt diese Verpflichtung fort und sollen
sie dann bei erlangter Volljährigkeit eine
Entschädigung von hundert und fünfzig Mark
jeder haben.

                        §5

Die Abfindungen der Schwestern sollen in fol-
genden Terminen gezahlt resp. geliefert wer-
den nämlich bei deren Verheirathung, oder Voll-
jährigkeit neunhundert Mark und die Aus-
steuer-Gegenstände, der Rest von dreihundert
Mark aber binnen einem Jahre nach Antritt
der Herrschaft. Desgleichen soll von der Ab-
findung der Brüder diesen neunhundert Mark
und die für sie bestimmten Aussteuergegen-
stände bei erlangter Volljährigkeit, der Rest
mit dreihundert Mark aber binnen einem
Jahre nach Antritt der Herrschaft gezahlt und
resp. geliefert werden.

                        §6

Alles, was die Geschwister bereits erhalten haben,
oder was sie wärend der Herrschaft des Vaters
noch etwa erhalten sollten, haben sie sich auf
ihre Abfindung anrechnen zu lassen und braucht
von dem Annehmer nicht weiter gezahlt, oder
abgetragen zu werden.

                        §7

Zur Nachricht wird hier bemerkt, dass den Ge-
schwistern bereits folgendes auf ihre Abfindung

                                                     gezahlt



gezahlt resp. geliefert ist.
            a, die älteste Schwester Caroline hat erhalten
                sechshundert Mark und eine vollständige Aus-
                steuer mit alleiniger Ausnahme der Kuh,
            b, die Schwester Louise hat erhalten siebenhun-
                dert und fünfzig Mark und die vollständige
                Aussteuer,
            c, die Schwester Auguste hat erhalten vierhun-
                dert und fünfzig Mark und die vollständige
                Aussteuer mit alleiniger Ausnahme der Kuh,
            d, der Bruder Carl ist seit zwei Jahren auf dem
                Seminar zu Alfeld und soll sich bis zum Schlusse
                dieses Jahres für seine desfallsigen bisherigen
                Unterhaltungskosten sechshundert Mark an-
                rechnen lassen.
   
                                       §8

            Der Annehmer soll wärend der Herrschaft des
            Vaters von diesem mit seiner etwaigen künfti-
            gen Familie vollständig alimentirt werden, wo-
            hingegen er aber auch wie bisher an allen
            künftigen vorkommenden Arbeiten nach
            Kräften Theil nehmen muß und den Anord-
            nungen des Vaters strege Folge zu leisten hat.

                                       §9
 
            Wenn der Vater verstirbt, so geht die Herrschaft
            sofort auf den Annehmer über und hat der-
            selbe sodann seiner Mutter bis an deren Tod
            die nachverzeichnete Leibzucht jährlich zu verabreichen
            a, zur Wohnung die s.g. kleine Stube im linken
                Flügel des Wohnhauses und die darüber
                belegene Kammer,
            b, die Mitbenutzung der Küche und des Küchen- und
                Hausgeräths, den nothwendigen Raum im
                Keller und auf dem Boden,

                                               c


            c, den dritten Theil des Grabelandes im
                Garten beim Hause,
            d, den dritten Theil des Obstes aus dem Baumgarten,
            e, die freie Durchfütterung einer s.g. eisernen
                Kuh nach der Wahl der Leibzüchterin,
            f,  ein fettes Schwein von mindestens hundert
                Pfunden,
            g, freies Licht und das nöthige Brennholz zum
                Kochen und Heitzen,
            h, sechshundert Pfund Roggen, hundert und fünf-
                zig  Weitzen, fünf und zwanzig Pfund Erbsen,
                fünfzehn Pfund Linsen, fünf und zwanzig
                Pfund Salz, zehn Boten oder Bunde Flachs, acht
                Sack Kartoffeln, zwei Schock Hühnereier und
            i,  vier und zwanzig Mark Taschengeld.

                                     §10

            Die Kosten der Beerdigung beider Eltern trägt
            der Annehmer allein, wohingegen ihm aber
            die sämmtlichen im Hause befindlichen beweg-
            lichen Gegenstände der Eltern allein als Eigen-
            thum zufallen.

                       II. Ehe-und Erb-Vertrag
                                     §11

           Die im Eingange mitaufgeführten Perso-
           nen sub Nris drei und vier haben sich mit
           einander verlobt und wollen sich nächstens
           mit einander verheirathen.

                                     §12

           Die zeitlichen Güter der angehenden Eheleute
           betreffend, so verschreibt die Braut ihrem
           Bräutigam und bringt demselben als wah-
           res Heirathsgut und Brautschatz ?? ihr ge-
           sammtes jetziges und künftiges Vermögen

                                                               und


           

            und verpflichtet sich der Braut Vater hierdurch
            besonders noch, seiner Tochter eine standesge-
            mäße Aussteuer, eine Kuh, oder dafür hun-
            dertundfünfzig Mark und an barem Gelde
            zwölfhundert Mark zu geben und zwar
            das Geld innerhalb zwei Jahren.
            Sollte von diesem Gelde noch etwas zurück-
            bleiben, so will der Braut Vater den Rest
            mit vier Procent jährlich verzinsen, ohne das-
            jenige, was der Braut Vater bei der Hof-
            übergabe an seinen Sohn seiner Tochter noch
            zuwenden wird.
            Hiergegen verschreibt der Bräutigam seiner
            Braut als Gegenvermächtniß und zur Sicher-
            heit des Brautschatzes sein gesammtes jetzi-
            ges und künftiges Vermögen.

                                          §13

            Was die Todesfälle der angehenden Eheleute
            betrifft, so soll bei ihnen die Regel gelten
            - längst Leib längst Gut - dergestalt, daß der
            letztlebende den zuerst versterbenden Gatten
            allein beerbt, wenn kein Kind aus der vor-
            habenden Ehe vorhanden ist, im andern Falle
            aber der letztlebende den zuerst versterben-
            den Gatten zu gleichem Theile mit dem Kinde
            oder Kindern beerbt.
                                          

                                            §14


                                            §14

            Contrahenten entsagen allen ihnen wider diesen
            Contract etwa zustehenden Einreden, insbesondere der
            Einrede des Zwangs, des Irrthums, einer übermäßigen
            Verletzung und der anders verhandelten als nieder-
            geschriebenen Sache, sowie der Rechtsregel, daß ein
            allgemeiner Verzicht gelte, wenn der besondere
            nicht vorhergegangen wäre.



                        Ein
Mehreres hatten Comparenten nicht vorzutragen, es ist daher das Protocoll in ihrer
und der Zeugen Gegenwart von mir, dem Notar, vorgelesen worden, und nachdem Com-
parenten dessen Inhalt genehmigt hatten, von diesen und den beiden Zeugen, wie folgt:

Friedrich Bode Senior                      Loise Bode geb. Rieke

Friedrich Bode Junior

Caroline Sander

Justus Sander                                   Hanne Sander geb. Ahrend



Ernst Arnemann als Zeuge

Friedrich Möhle als Zeuge

eigenhändig unterschrieben.

                Zur Beglaubigung

                      (CS)  Friedr. Reddersen Dr.

                         K. Pr. Notar zu Northeim

   Vorstehende, dem unter Nr. 549 des Registers de 1878 eingetragenen Original-Pro-
tocolle gleichlautende Urkunde wird für den Annehmer und die Braut
ausgefertigt, beglaubigte Abschrift ?? dem Königlichen Amtsgerichte
Northeim mitgetheilt.

        Northeim, den vierten December
        Achtzehnhundertachtundsiebenzig

                Friedr. Reddersen Dr.
                K. Pr. Notar zu Northeim
Siegel

Protocoll………….…..12M – Pf
Zeugen-Gebühr……...-  „ 50 „
2 Abschriften………...3 „  -  „
Stempel…………….....…7 „ 50 „
Beglaubigung…….…..1  „ 50 „
        ------------------------
                          = 24 M 50 Pf    (Namenskürzel)               

a

 

 

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