Dokument aus Jahr 1785

Welche Ursachen für diese Kreditaufnahme sprechen ist unbekannt. Vermutlich war es aber eine Ablösesumme aus Erb- oder Familienfragen des Vorbesitzers Daniel Sander.
Siehe Dok. 1795

Der Ackermann Wehrmann, Johann, Diedrich, Philipp war hier schon in der 2. Generation. Sein Vater, Wehrmann, Diedrich, Philipp hatte das Anwesen bereits 1715 von einem Daniel Sander übernommen. Weitere Unterlagen liegen nicht vor. Er selbst kann es kaum gewesen sein, zum Zeitpunkt der ersten "Wehrmännschen" Erwähnung war er erst 5 Jahre alt.

Der Ursprung des Hofes eigentlich liegt viel weiter zurück und beginnt bereits 1645. Siehe HausNr 17

Am Ende ist anzufügen, daß sich mit der Rückzahlung incl.Verzinsung zwei Generationen vermutlich wirklich quälen mußten!

Bemerkenswert ist aber auch die Tatsache, dass das Amte Brunstein seinerzeit schon gedruckte Formulare verwendet hat! Ein gewisses Formularwesen hatte sich im Amt bereits entwickelt.

In der Frage Geldwerte - siehe Klick

Jahr 1785 - Seite 1

 

                                     Nro. 52

                            Actum Brunstein den 18. Aug 1785


Erschienen am Amte der Einwohner Johann Philip
Wehrmann und dessen Ehefrau Ilse Marie geborene
Angerstein aus Denckershausen und bekannte ersterer,
wie er zu Fortsezzung seines Prozeßes wider die
Sanderschen Erben sich genöthiget gesehen, von der Kirche
zu Edesheim ein Capital von 30 Rthlr – Mgl - Pf.
Schreibe dreißig Reichs Tahler –
in (Carhen Müntze, unklar, nochmal prüfen) den Louis d’or zu 4 2/3 % und Duc. zu 2 2/3 % Zinsbar anzuleihen, welche Gelder ihm gegen Extrahirung
biger Obligation baar ausgezalet werden sollten.
Da er nun dieses Geld in seinen wahren Nutzen verwende, so entsage er,
so wie überhaupt allen und jeden Einreden, insbesondere aber der Ex-
ceptioni pecuniae in rem non versae und verspreche demnach, und mache
sich Gerichtlich verbindlich, erwähntes Capital der 30 Rthlr. – Mgl.
Pf. In (Carhen Müntze, siehe oben) vom Tage der Auszahlung an mit fünf
aufs hundert, also mit einen Rthlr. 18 Mgl. – Pf. in Capitalmäßi-
ger Valeur jährlich richtig zu verzinsen, und solches auf vorgängige beyden
Theilen frey bleibende halbjährige Loskündigung in ohnzertrennter
Summe nebst etwa rückständigen Zinsen hinwiederum abzu-
tragen, und sich darunter nicht säumig finden zu lassen.
Und damit (Creditrioin, vermutlich ein Schreibfehler, gemeint ist wahrscheinlich „Creditiorin“ (Kreditgeberin)) Kirche zu Edesheim wegen
dieses Anlehns genugsam gesichert seyn möge, so setze er zum wahren

Jahr 1785 - Seite 2

gerichtlichen Unterpfande wissent- und wohlbedächtlich alle seine Haab
und Güter überhaupt, insbesondere aber einen Morgen Erbland
über dem Hofe zu der Coge (Anm. 1) zwischen dem Seeigen ( Anm. 2) belegen
dergestalt und also ein, daß, wenn er, oder seine Nachfolger in Abtragung
des Capitals und der Zinsen säumig werden sollten, Creditrioin (siehe Anm. oben) aus

dieser ihr beschriebenen Special, und wenn solche nicht zureichen sollte,

der General-Hypothec sich wegen des rückständigen, und etwanigen Ko-

sten unter richterlicher Hülfe völlig bezahlt zu machen, befugt seyn solle.

            Zu mehrerer der Creditrioin (siehe Anm. oben) Sicherheit habe er auch seine Ehe-

frau Ilse Marie gebohrne Angerstein ----

--------   vermocht, sich für ihn bürglich einzulassen,

alles ihrige, sowohl dotal, als paraphernal ( Anm. 3) Güter zum gerichtlichen Un-

terpfande zu setzen, und für diese Schuld, als Selbst-Schuldnerinn

einzutreten.

 

            Diese gegenwärtig, und erbötig, die Bürgschaft zu übernehmen,

machte sich unter Einrückung folgender Formel, deren Inhalt ihr zuvor

deutlich vorgelesen, erkläret, und von ihr genehmiget worden, dazu ver-

bindlich:

„Ich Ilse Marie verehelichte Wehrmann

„gebohrne Angerstein schwöre zu Gott dem

„Allmächtigen einen körperlichen Eyd, daß ich mich der weibli-

„chen Gerechtigkeit, so da will, daß eine Ehefrau für nieman-

„den, um so weniger für ihren Ehemann sich nicht bürglich

„einlassen, sondern, wenn sie gleich solches gethan, dennoch

 

Anmerkung 1: Coge; Flurbezeichnung, vermutlich eine flache Mulde

Anmerkung 2: Seeigen; Flurbezeichnung,vermutlich ist ein Gebiet mit kleineren Seen gemeint; „das Gebiet ist bergig, waldig, seeig“

Anmerkung 3: Paraphernalia . Mit Paraphernalien bezeichnete man das persönliche Eigentum der Braut, welches neben der Mitgift in die Verwaltung des Ehemannes übergeht.

Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Paraphernalia

Jahr 1785 - Seite 3

„wegen sothaner Bürgschaft nicht belanget werden könne, hie
„mit ganz begebe, dergestalt, daß ich mich derselben nimmer
„bedienen, und gebrauchen, sondern im Fall mein Ehemann
„an der Zahlung der hierin benannten Summe säumig werden
„sollte, ich solche als meine eigene Schuld ohne alles Einwen-
„den richtig bezahlen wolle

 

            So wahr mir Gott helfe, und sein heiliges Wort.

 

Beyderseits Eheleute baten hierauf, diese respective Schuld- und Pfandver-
schreibung, und Bürgschein gerichtlich zu confirmiren und zu bestätigen,
welchem ohnbedenklichen Ansuchen von Amts- und Gerichtswegen eines
jeden dritten Rechts ohnbeschadet, gewillfahret, die constituirte Hypothec
ad Effectum Hypothecae publicae vel judicialis bestätiget,          mithin dieser
resp. Obligation und Bürgschein die Kraft und Gültigkeit einer öffentlichen
Schuld- und Pfandverschreibung ertheilet worden.

 

                        Urkundlich untergelegten Amts- Insiegels, und gewöhnlicher Unter-

schrift.

 

            Vorgelesen, genehmiget und entlassen

                                        Actum ut supra

                                                        In fidem

                                                                    Mugg        Meyer

 

                                     Eingetragen Denkershausen (unleserlich) No. 4

Jahr 1785 - Seite 4

Vorstehendes Capital von Dreißig rts

(unklar) Mga ist der hiesigen Kirche am

26. October 1845 mit allen der Kir-

che gehörigen Zinsen richtig zurück be-

zahlt (worüber eine besondere Quitung

schon ertheilt ist ehe diese Obligation

zurückgegeben werden konnte da solche

in der Kirchenbank exponirt war) solches

bescheinigt                Edesheim d 29. Jan. 1846

                                                         

                                                                                  A Wolgemuth

 

                                                           Kirchenrechnungsführer


Jahr 1785 - Seite 5

                                                                                                          Stempel-Taxe

                                                                                                        2 Gute Groschen

 

 

Der Kirchen Rechnungsführer Cantor Wol-
gemuth zu Edesheim wird hiedurch nach Bestim-
mung der Königl. Verordnung vom 21. Nov.
1830 Art. IV No. 9 nachrichtlich in Kenntniß ge-
setzt, dass auf den von Philipp Wehrmann aus
Denkershausen der Kirche zu Edesheim laut Obligation
vom 18. August 1785 für ein Darlehen von
30 rts verhypothecirten einen Morgen Erbland
eine gleiche Hypothekenbestellung für die Kirche
zu Hohnstedt auf den Grund einer ältern
Obligation vom 12. April 1780 über 30 rts in
Golde unterm heutigen dato nachträglich ein-
getragen worden ist.

 

                                           Brunstein, den 29. Novbr. 1831.

 

Königliches Großbritannisch-Hannoversches Amt

 

                                                 (Unterschrift, vermutlich „Krimsche“

oder „Grimsehl“)