Ein Ehe- und Erbvertrag

Ein Ehe- und Erbvertrag wie er unter den etwas begüterten, oder besser gestellten Personen der damaligen Zeit durchaus üblich war. Letztlich gabe es etwas zu verteilen und zu vererben.


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Siegel                                                                                      Siegel                                                                                                      

                     Actum Brunstein den 5ten  July 1806

 

Es erschien Johann Christoph Koch aus

Denkershausen als Bräutigam,

 

                                                            und

 

weyland Friedrich Wegener in Holtensen

hinterlassene Wittwe, Eleonore gebohrne Hüls-

hof, als Braut in Begleitung ihres Vaters

Johann Jürgen Hülshof aus Hammenstedt.

 

Die Verlobten gaben zu vernehmen, daß

sie nächstens eine christliche Ehe unter sich ein-

gehen wollten, und deshalb folgenden Ehe-

und Erbvertrag verabredet hätten:

 

                                                     I       

        

Sie, die Braut bringe dem Bräutigam

zum Brautschatz zu ihren künftigen Erb-

antheil namentlich den dritten Theil von

 

anderthalb


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anderthalb Morgen Land, und von einem Grabegarten, so wie ihr ganzes übriges gegenwärtiges und zukünftiges Vermögen.

                                                   II

 Verschreibe er, der Bräutigam dagegen der Braut sein ganzes gegenwärtiges und zukünftiges Vermögen zum Gegenvermächtnisse, namentlich die im (Eigenname oder Flurbezeichnung, vermutlich Rahmke) belegene Brinksitzerey.

                                                    III

Was die Todesfälle anbetreffe, und zwar

1.)    wenn er, der Bräutigam zuerst versterbe, so solle die Braut im Falle sie sich nicht       anderweit verheirathe, von seinem Nachlasse haben:

a.) zur lebenslänglichen Benutzung die


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die Bewohnung der von ihm der Brinksitzerey angebauten Leibzuchtswohnung, und den dritten Theil von dem Grabegarten, imgleichen den dritten Theil des Obstes aus dem Baumgarten.

            Die Kötherey selbst erhalte aber zu einem billigen Einsatzpreise demnächst sein Sohn erster Ehe Heinrich Gottlieb Koch. Daß dieser sein mütterliches Vermögen allein für sich behalte, verstehe sich von selbst.

            b.) Kindestheil von seinem demnächstigen Nachlasse. Dieser gehe unter die Kinder der ersten und dieser zweyten Ehe und die jetzige Braut zu gleichen

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chen Theilen. Jedoch solle der Sohn erster Ehe von seinem Vermögen zuerst ein Handwerk erlernen, und die Kosten desselben, nicht conferieren, sondern solche sollten von seinem Nachlasse vorabgenommen werden.

1.)    Stirbt die Braut aber zuerst, so ererbt deren Nachlaß und ihren demnächstigen         elterlichen  Erbtheil der Bräutigam entweder allein, oder, wenn Kinder aus dieser Ehe kommen, mit diesen zu gleichen Theilen.

Der Braut Vater für sich und sub cantione de rato für seine Ehefrau, Luise, gebohrne (Eigenname, vermutlich Fuchsen) entsagte nach vorgängiger Erklärung den ihnen auf den kinderlosen Abgang der Braut aus deren Nachlaße gebührenden Pflichttheile.

      Vorgelesen und genehmigt, und baten die

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die Comparenten um die gerichtliche Bestätigung, welche, mit Vorbehalt eines jeden dritten Rechts, damit ertheilt ist.

 

                                                                              Ut supra

                                                                 In fidem

 Siegel                                                         Unterschriften

                                                                (Meyer)                 (Rose)