Jahr 1826

Völlig offen zum Hof Wehrmann ist die nachfolgende Nachlaßregelung. Es ist bisher
nicht erkennbar geworden, wie und in welchem Zusammenhang dieses Papier zum
Hof gehören könnte. Eine Linie Petersen gab es bislang nicht.

Da sich alles im räumlichen Viereck der Dörfer Denkershausen - Westerhof - Marke
- Elvershausen abspielte, muss es aber einen Zusammenhang gegeben haben.
Vielleicht ergeben sich später noch andere Erkenntnisse dazu.

Es zeigt aber die auch heute immer noch hin und wieder bestehende Problematik
des Erbfalles.

Anm.: Marke (Marcke) gehörte zum Amt Westerhof - heute Kreis Osterode/Harz.

 


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Siegel

 

               Atum (1) Westerhof am 13 ten December 1826.

 

      Als

auf heute zur Auseindersetzung (2) der Erben
weiland Christoph Petersen zu Marcke Ter-
min angesetzt worden, so erschienen

1,  die Wittwe Petersen, als Mutter und
     Vormünderin, Johanne Louise Frie-
     derike, gebohrne Corberg
2, deren Kinder, als 
     a, Johann Friedrich,
     b, Johann Christoph,
     c, Johanna Christine Elisabeth,
     d, Christine Charlotte,
     e, Christian Friedrich Petersen,
     wovon die drei ersten bereits volljährig,
     die beiden jüngsten noch minderjährig sind,

 

  3, der Vormund der beiden minderjährigen
     Petersenschen Kinder, Vorsteher Julius Vetter,

 

und

 

(1)  soll sicher „Actum“ heißen

(2)  soll sicher „Auseinandersetzung“ heißen


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und

 

4, der Schulze Heinrich Werk, sämmtlich aus
     Marcke.

 

                               Nachdem

 

zuförderst das angeschloßene Taxatum des
gesammten Petersenschen Vermögens zum
Betrage von 839 rth. 10 ggl  4 Pf  eingereicht wor-
den, gab der Vormund Julius Vetter an, daß dar-
auf folgende ihm bekannte Schulden hafteten:
1, an die Cappelle zu Calefeld eine hipothecesche
    Schuld von 200 rth Caßen Münze oder in Con-
    ventions-Münze 222 rth 5 ggl 5 Pf.      
 2, an die zu Marcke desgleichen von 15 rth Caßen M.
    oder 16 rth 16 ggl Convent. Münz.
 3, an den Reitenden Förster Künhans in Wester-
    hof eine Capitalschuld von 30 rth Gold oder 33 rth
    Convent. Münze
 4, an Just Kiel in Elvershausen eine desgleichen
    von 100 rth Gold oder 110 rth Conventions-Münze.
 5, Abfindungsgelder ältererer Hoferben 45 rth 14 ggl Cont. M.
 6, an Andreas Kiel in Elvershausen 14 rth 12 ggl desgl.
 7, an den Thierartzt Haase zu Dorste 3 rth 16 ggl desgl.
 8, an Hl. Pastor Franke zu Elvershausen  8 rth 4 ggl desgl.


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9, an den Schullehrer Schrader zu Berke 26 rth Cont. M.
10, an den Ackermann Christian Eikemey-
      er zu Elvershausen Landpachtgelder --5 rth desgl.
11, an den Juden Leib in Förste Pferdekaufgelder 1 rth 12 ggl
                                                                        ----------------------------

                                           überhaupt: Con: M: 486 rth 7 ggl 4 Pf
Außerdem wären noch rückständige von den
4 erstgedachten Capitalien die in diesem
Jahre fällig gewordenen sowie die laufen-
den Zinsen, und noch einige kleine Buchschul-
den, die er, der Vormund noch nicht genau
habe ausmitteln können: der ganze Schulden-
betrag möchte daher, incl. der fälligen und
laufenden Zinsen, wohl anzuschlagen sein auf
500 rth. Rechne man dazu noch die Leibzucht der
alten 64 jährigen Mutter, welche, so lange
sie noch leben werde, wohl auf 150 bis 200
rth Werth angeschlagen sein mögte, und
die domanial und öffentlichen Abgaben
aller Art, auch Brandcassengelder, die der
Hofannehmer übernehmen müße, so sey die
Stelle so belastet, dass er, der Vormund, es

für keinen der Kinder, am wenigsten aber für
seinen, erst 21 Jahre alten, noch unerfah-
renen Curanden (3) für gerathen halten,

 

und

 

(3) : Curanden: Pflegebefohlene

         Quelle: http://books.google.de


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und als ein Glück ansehen könne, wenn
derselbe den Hof, gegen eine seinen Geschwi-
stern zu gebende Hofabfindung annehme.
Vielmehr wolle er den volljährigen Johann
Christoph Petersen, falls derselbe dazu geneigt
sei, den Hof mit allen darauf haftenden theils
oben specificirten, theils noch nicht ausge-
mittelten Schulden gern überlassen gegen
Bestimmung der seinen bei den Curanden
davon zu unterrichtenden Abfindung und
namentlich eine Vergütung für das seinen
jüngsten Curanden zustehende Anerben-
recht, wenn nicht für rathsamer gehalten wer-
den sollte, den ganzen Hof zu verkaufen,
von den Kaufgeldern die Schulden zu be-
zahlen, und dasjenige, was übrig bleibe,
unter sämmtliche Kinder, wozu auch der im
Jahre 1811 als Westfälischer Soldat nach
Russland maschirte, von dort aber nicht zu-
rückgekommen, älteste Petersensche Sohn, Chri-
stian Heinrich, fals derselbe, ein jedoch nicht
wahrscheinlich, noch am Leben sein sollte,

gehören


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gehören würde, zu vertheilen. Uebrigens habe
der 2 te Sohn Johann Friedrich dasjenige, was er
als Hofabfindung zu erwarten berechtigt
sein möge, vom verstorbenen Vater bereits
völlig erhalten daher nichts mehr zu fordern.

                  Johann Friedrich Petersen

 

welcher gegenwärtig war, erklärte daß er
vom verstorbenen Vater bereits völlig abge-
funden sei, daher an dem Nachlaße seines
Vaters und an dem Vermögen seiner Mutter
weiter nichts zu fordern, und  daran gar keine
Ansprüche weiter habe.

 

                  Johann Christoph Petersen

 

erklärte, wie er nicht wünsche, daß der vä-
terliche Hof und die dabei cultivirten Grund-
stücke oder Inventarienstücke und Haus-
geräthe verkauft würden, vielmehr er
solches alles gegen das Taxatum von 839 rth
10 ggl 4 Pf annehmen, seine Mutter zeit-
lebens bis an deren Tod verpflegen, klei-
den, alimentiren, für sie in gesun-
den und kranken Tagen sorgen,
sie demnächst auch auf seine Kosten

 

                                                                                                   standes


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standesgemäß wolle beerdigen lassen,
alle auf dem Hofe und dem elterlichen Vermö-
gen haftenden Schulden, sie mögen im Vor-
stehenden specificirt sein, oder nicht, abtragen,
auch alle Lasten und öffentliche Abga-
ben davon abführen, außerdem aber ei-
nen jeden seiner Geschwister, mit Aus-
nahme des bereits abgefundenen Johann
Friedrich, eine Hofabfindung von 30 rth, sei-
nem jüngsten Bruder, Christian Friedrich,
aber für die Anerbenschaft am Hofe noch über-
dem 10 rth., alles in Convent. M. end-
lich auch noch seinem jüngsten Bruder die freie
Wohnung im Hause belaßen Essen und
Kleidung so lange die Mutter noch leben
werde,                             wolle, wobei er denn aber
schuldig sei, so weit seine Kräfte reichten,
im Haushalte unentgeldlich mit zu arbeiten.
   Diesen Unterhalt solle dieser jüngste Bruder
auch auf den Fall haben wenn er, so lange
die Mutter lebe, eine Profession, nament-
lich das Maurerhandwerk, lernen sollte.
   Sollte derselbe aber im Haushalte
nicht mit helfen wollen, sondern sich Taghe-
                                                                       lohn


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lohn durch seiner Hände Arbeit selbst ver-
dienen, so kann er nur auf freie Wohnung,
nicht auf Alimente und Kleidung An-
spruch machen, das Leineweberhandwerk-
zeug welches der jüngste Bruder besitze, solle
derselbe übrigens unentgeldlich behalten.

                   Sämmtliche Anwesende

 

nehmen diese Erklärung an, und waren
mit dem ihnen ausgelobten Abfindung
zufrieden: die Mutter behält sich aber
vor, daß, wenn ihr Sohn, der Hofannehmer
für ihren Unterhalt und Verpflegung nicht
gehörig sorgen sollte, die ihr zukommende
Leibzucht und Altentheil noch vom Amte näher
bestimmt werden solle.

 

    Der Hofannehmer Johann Christoph
Petersen ließ sich dieß gefallen bemerk-
te aber, daß die seinen Geschwistern
versprochene Abfindung von 30 rth für ei-
nen jeden, und die Entschädigung für
seinen jüngsten 10 rth für das Anerberecht,
wenn auch die Mutter tod sei, doch nicht
auf einmahl, sondennur nach und nach

 

                                                              abwech-


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abwechselnd, nach der Reihe seiner Geschwister,
in jährlichen Terminen von zehn Reichsthaler
entrichtet werden könne.
      Damit waren die Geschwister des Hofanneh-
mers und der Vormund, Julius Vetter, ein-
verstanden verwahrten jedoch zum Vor-
aus, daß wenn die väterliche Kötherei, wel-
che Johann Christoph Petersen annehmen wol-
le, in der Folge Schulden halber verkauft wer-
den sollte, ihnen von den Kaufgeldern
ihre, im Vorstehenden, ausgelobte Abfin-
dungsgelder von resp. 30 und 40 rth ei-
nem jeden auf einem Brette baar ausbe-
zahlt werden müßen, und die terminlichen Zah-
lungen damit aufhörten.

 

                                 Endlich

 

trug der Vormund Julius
Vetter vor:

 

      Da die Stelle so äuserst verschuldet,
und sein jüngster Curande erst 21 Jahre alt
der Wirtschaft daher gehörig vorzustehen,
noch nicht im Stande am wenigsten da-

 

                                                                        zu

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zu fähig sei, unter den lästigen Bedingungen
die Johann Christoph Petersen übernommen habe
den väterlichen Hof anzunehmen, so halte er es
für das Intereße seinen Curanden am vortheil-
haftesten daß dem Johann Christoph Petersen
unter dem von ihm angegebenen Bedingungen
und für die seinen Geschwistern ausgelobte
Hofabfindung der Hof übergeben werde, und
erbitte er sich dazu die obervormundschaftliche

Genehmigung.

 

                                  Wir

 

nun, unter dem obwaltenden Umständen
die, die erbethene Genehmigung von Obervor-
mundschaftswegen damit ertheilt wurde,
so beten auch alle Anwesende, namentlich der
Hofannehmer Johann Christoph Petersen, diesen Hof-
übergabevertrag auch von Amtswegen zu bestä-
tigen, welchem Antrage statt zu geben
versprochen ward.

 

        Vorgelesen, und von allen An-
wesenden ausdrücklich genehmigt.

 

                                                       Actum ut supra

                                                         In fidem

 

                                         (Unterschrift Rohe oder Rose)

Der vorstehenden Hofübergabevertrag

 

                                                              wird
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wird hiermit von Amts--- und Gerichtswegen
bestätigt.

 

 

Westerhof am 13 ten  December 1826

 

        Königl: Großbr: Hannv: Amt

 

                   Unterschriften:   

                     

     Westfeld                   Rohe (oder Rose)