Auch ein Fischmeister hat Steuern und Abgaben zu entrichten.

Nur in welcher Höhe und sind sie gerechtfertigt?

Der Begriff bzw. Berufsbezeichnung "Fischmeister" ist bereits seit vielen Jahrhunderten(1) bekannt und dokumentiert. Unser Denkershäuser Teich bot also auch hier eine berufliche Betätigung sofern Kenntnisse in der Fischzucht vorhanden waren. Der Spruch "Jede Woche einmal Fisch!" kam also nicht von ungefähr und bildeten ein ergänzendes Nahrungsangebot für die Bevölkerung.

Die Fischereirechte mussten gepachtet werden. Hier von der Gemeinde und der Fischmeister wurde auch von hier bestimmt. Zusätzlich war er verpflichtet an das Amt Brunstein und Closter Wiebrechtshausen einen gewissen Anteil Fisch, sog. Präsentfische, an die Obrigkeit abgeben. Der Rest durfte hier im Ort verkauft werden.

Nun konnte ein Fischmeister hier allein von diesem Einkommen nicht leben. Ergo musste ein Zweitberuf her und der fand sich in der Landwirtschaft. Man wurde sog. "Feierabendbauer" oder besser Nebenerwerbslandwirt im heutigen Sprachgebrauch. Mit der Quintesenz, er wurde steuer- od. dorftaxpflichtig. Nur welche Höhe war angemessen? Dazu dann nach einer Anhörung bei Gericht am 11. Febr. 1786 beschlossen und verkündet....

(1) Vergleiche z.B. hier

 

DSCN4493
Stempel Stempel 
Actum Brunstein den 11ten Febr. 
 1786  
    
Als die eingeseßene zu Denkershausen nah-
mentlich die Bauermeistern Sander und Schatte
dem hiesigen Amte beschwerend angezeiget, was:
maaßen der zeitige Amts Fischmeister sich weigere,
außer dem monathlichen Schatz als von einer Kuh 1 mg,
von einem Rinde 4 pf, von einem Schweine 2 pf, von
einer Ziege 1 mg: noch den Dorftaxt und Proviant
zu bezahlen, so ist derselbe dazu schuldig vertheilet,
und der volle Dorftaxt von einer Kuh auf 3 g, ei-
nem Rinde 1 mg 4 pf und von einem Schweine
auf 6 pf , der Proviant aber von einer Kuh auf
2 mg, Rind 1 mg, und Schwein 4 pf, jährlich pro Princi-
pio festgesetzet worden.  
   An-
     
DSCN4494
       Anlangend die Concurrenz zu den übrigen
Gemeinheits Abgaben ohne Ausnahme , so erken-
nen beide Bauermeister, daß der Amts Fischmei-
ster zu weilen gar nichts, als was angeführet wor-
den, verbunden sei, und ist obiges Protocol nach
geschehener und genehmigter Vorlesung beschlos-
sen.   
 Actum ut Supra 
    
  in fidem 
    
 C H HugoMeyer 
     
     

 

Im Ergebnis liest es sich so:

  Veruteilt zu:nach Abzug:
Kuh1 mg3 g2 mg
Rind4 Pf1 mg 4 Pf1 mg
Schwein2 Pf6 Pf4 Pf
Ziege1 mg  
    
Es hatte sich also gelohnt!
Anmerkung: mg = Mariengroschen, g= gute Groschen
Quelle: >hier   

 

 

Anmerkung: Die Sander`s waren ein alteingesessene Familie, 1689 erstmals erwähnt, und haben es immer wieder zu verschiedenen Ehrenämtern gebracht. (Gehe über Suchfunktion "Sander")
Letzmalig erwähnt und da dann selbst Fischmeister gewesen >hier .

Reitender Förster

Ein ungewöhnliches Berufsbild aus heutiger Sicht.

(1)  Alles zum "rF" oder "gF" - dem reitenden oder gehenden Förster kann man hier nachlesen:
http://wiki-de.genealogy.net/F%C3%B6rster_%28Berufs
bezeichnung%29