1828 - Der Bauermeister

Der Begriff des Bauermeisters ist heute bei uns eigentlich kein Begriff mehr. Geläufig sind noch "Schultheiß", "Schulze" oder "Dorfschulze" oder der Bürgermeister. So wie wir es heute auch kennen.

Am 3. März 1828 hat die Königliche Landdrostey in Hildesheim einige Personen zur Ernennung zum Amt Brunstein geladen. Dort sollten die künftigen Bauermeister für die Orte Elvershausen, Holtensen, Denkershausen, Edesheim, Hohnstedt und Vogelbeck vereidigt werden.

Weiter bekannt gewordene Bauermeister gibt es hier:

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  Bode

 

 

Für uns war damals Heinrich Wehrmann (siehe 2. Generation Hof Weise-Wehrmann) dabei und hatte damit für acht Jahre, bis 1836, die Geschicke Denkershausens zu leiten. Das allerdings auch nicht allein, hatte er doch immer noch den Vorsteher und die Gemeinde selbst um Genehmigung zu bitten. Es war demzufolge eine Art Vorschlagsgremium, mehr nicht. Während das Finanzielle deutlich in seiner Verwaltung lag, aber dennoch eine gebührenden Kontrolle ausgeübt wurde. Wehe dem, wenn es nicht gestimmt hat.Was und wie alles zu seinem Aufgabenbereich gehörte, welche Verpflichtung damit aber auch verbunden waren, das kann man jetzt nachlesen.

 

OriginalÜbersetzung

 

Actum Amt Brunstein, den 1. May 1828


Nachdem in Gemäßheit der Amts Verfügung
vom 24. v. M. zur Beeidigung und Einführung der
nach Vorschrift des Ausschreibens Königlicher Landdro-
stey in Hildesheim vom 3. März 1828 für die Landge-
meinden des hiesigen Amts angestellten Bauermeister
Termin auf heute angesetzt worden, so hatten, der er-
gangenen Ladung zu folge der hiesige Amtsobervoigt
Franz die Amts-Schulzen Schütte aus Elvershausen,
Meineke aus Holtensen, Fischer aus Edesheim, Stein-
hof aus Hohnstedt und Wolper aus Vogelbek sowie die
mit heute neu angestellten Bauermeister, nemlich:
1.    August Germelmann aus Elvershausen,
2.    Heinrich Wehrmann aus Denkershausen,
3.    Ernst Arnemann aus Holtensen,
4.    Heinrich Andreas Lohrberg aus Edesheim,
5.    Jacob Christoph Wolper aus Hohnstedt und
6.    Conrad Kiene aus Vogelbek

sich persönlich allhier eingefunden.

Zuförderst wurde nun den anwesenden Bauer-

                                                                                                                       mei-


meistern die Wichtigkeit ihres Dienstes im all-
gemeinen gehörig auseinandergesetzt, und
ihnen sodann folgende über ihre Geschäfts-Ver-
richtungen entworfene Instruction deutlich
und vollständig vorgelesen.

                Instruction.
                        1.

Die Dienstzeit der mit dem 1. May 1828 eintre-
tenden Bauermeister ist auf die acht Jahre bis
1.May 1836 bestimmt, während welcher Zeit
jedoch eine vierteljährige Dienstkündigung von
Seiten des Amts vorbehalten bleibt, indem
der Bauermeister seine Entlassung nur we-
gen anhaltender Kränklichkeit, nothwendiger
längerer Abwesenheit, hohen Alters, überhäuf-
ter Haushalts- und anderer Geschäfte in An-
spruch nehmen kann.

                         2.

Der Bauermeister, dessen Dienst hauptsächlich
auf die Verwaltung aller Gemeinde Angelegen-
heiten gerichtet seyn soll, ist im allgemeinen
zum pünktlichen Gehorsam in Ansehung aller
obrigkeitlichen Befehle verpflichtet muß in den

                                                                               

                                                            mo-


 


monatlichen Amts-Berathungen erscheinen und
darf ohne Vorwissen des Amts nicht länger als
drey Tage aus der Gemeinde sich entfernen.

                           3

Die gewissenhafte Verwaltung des Gemeinde Ver-
mögens in allen seinen Theilen sowie die thätige
Sorge für das Wohl und für die Gerechtsame der
Gemeinde muß der Bauermeister sich ganz beson-
ders angelegen sein lassen, wobey im allgemei-
nen die Vorschriften der bekannten, hieneben
nochmals mitgetheilten Instruction für Vormün-
der vom 1. May 1801 zu beobachten sind.

                          4

Alle Gemeinde Abgaben und Lasten welche nicht
im Ganzen aus der Gemeinde Casse berichtiget viel-
mehr auf die einzelnen Gemeinde-Mitglieder
vertheilt und von diesen erhoben werden müssen
hat der Bauermeister nach dem üblichen Grund-
sätzen mittelst besonderer, von den Vorsteh-
ern jedesmal als richtig zu unterschreibenden
Uebersichten gewissenhaft zu repartieren so-
dann zeitig zu erheben und dafür zu sorgen,
daß durch längere Rückstände keine Ver-
dunkelungen eintreten.

                             5


Anmerkung:  repartieren:  zuteilen, zuweisen, aufteilen

                             5
Der Bauermeister muß alle ihm bekannt-werdende
Criminal- und Wrogenartige Vergehen jeder Art
ungesäumt durch den Amts-Schulzen oder, bey des-
sen Abwesenheit oder sonstigen Behinderung, unmit-
telbar dem Amte zur Kenntniß bringen, auch ne-
ben dem Amts-Schulzen der polizeylichen Mitauf-
sicht im Dorfe namentlich wegen feuergefährlichen
Anstalten, ansteckenden Krankheiten, öffentlicher
Zusammenkünfte, Krugwirthschaften, Maaß
und Gewicht, Vagabonden, Hausiren und der-
gleichen mehr sich thätig unterziehen.

                              6

Sämmtliche Gebäude und Bauwerke der Gemeinde
und insbesondere die Dorf- und Communalwege
müssen vom Bauermeister in Gemeinschaft mit
den Vorstehern sowie unter Zuziehung von Sachver-
ständigen alljährlich im Monath April genau
in Augenschein genommen und dabey sorgfältig
untersucht werden, welche Bauten Reparatu-
ren und Besserungen für das laufende Jahr
erforderlich sind, damit solche ohne wei-
teren Anstand zur Ausführung gebracht
werden können.
Die Bestellung und Beaufsichtigung der solcher-

                                                                    halb

 

 

Anmerkung:  Wrogenartig:

Quelle:  Annalen der preußischen innern Staats-Verwaltung

http://books.google.de/books?id=uGpDAAAAcAAJ&pg=PA572&lpg=PA572&dq=wrogenartig&source=bl&ots=ddgYElYns0&sig=47xFbgc4aZ-cEzcGhkkkvUomKmI&hl=de&sa=X&ei=JEnMUPWhG4T5sgargYHoDg&sqi=2&ved=0CDEQ6AEwAA#v=onepage&q=wrogenartig&f=false

 


halb sowie aller sonstigen Naturaldienstleistungen
liegt dem Bauermeister ob, welcher jedoch dabey von
den Vorstehern unterstützt werden soll.

                              7

In Vereinigung mit dem Amts-Schulzen und den
Vorstehern hat der Bauermeister dahin zu wir-
ken, daß alles Betteln im Dorfe abgestellt und da-
gegen für die Unterstützung der Dorfs-Armen
auf irgend eine Art zweckmäßig gesorgt werde
und in letzterer ganz vorzüglich der Leitung
des Predigers sich anzuvertrauen.

                               8

Bey der Verwaltung des Gemeinde Vermögens
muß der Bauermeister sein hauptsächlichstes Au-
genmerk auf dessen möglichste Conservation und
Verbesserung richten, auf die Erhaltung aller Ge-
meinde-Gerechtigkeiten sorgfältig achten und für
ordnungsmäßige Bestimmung oder Festhaltung des
Theilnahme Verhältnisses der Gemeinde-Mitglie-
der sorgen, in allen zweifelhaften und wichtigen
Fällen aber die Entscheidung des Amts nachsuchen.
Zu eigenen Angelegenheiten kann er mit der
Gemeinde nur unter ausdrücklicher Zuziehung
der Gemeinde-Vorsteher gültig contrahiren.

                                                                                                                                               9
 

                               9

Alle Rechtsgeschäfte wodurch in irgend einer Hin-
sicht über die Substanz der unbeweglichen Gemeinde
Güter disponirt werden soll, namentlich Veräu-
ßerungen und Verpfändungen haben nicht eher
Gültigkeit als bis die Gemeinde selbst ihre Einwil-
ligung ertheilt hat und die Genehmigung der Kö-
niglichen Landdrostey ausdrücklich erfolgt ist.
Die Anordnungen in Beziehung auf die Ge-
meinde Forsten wie ins besondere Holz-Anweisun-
gen, Hauungen und Culturen müssen zur vor-
gängigen Prüfung und Genehmigung dem
Amte angezeigt werden.

                              10

Die Verpachtungen und Vermiethungen der
Gemeinde-Grundstücke, sowie auch genehmigte
Holzverkäufe geschehen durch den Bauermeister
mit Zuziehung der Vorsteher und zwar in der
Regel meistbiethend, wobei für besondere Fälle
die anzuordnende Zuziehung des Amtsobervoigts
vorbehalten bleibt. Die über diese von der obrig-
keitlichen Genehmigung abhängige, Besorgun-
gen, aufzunehmende Verhandlung muß bey
2 rth Strafe innerhalb 3 Tagen dem Amte zu wei-
terer Verfügung überliefert werden.

                                                               11
 

   
                              11

Alle vom Bauermeister zu besorgende Geld-Erhe-
bungen müssen regelmäßig, zur bestimmten Ver-
fallzeit, beschafft, die bleibenden Rückstände aber
bey eigener Verantwortlichkeit innerhalb 14 Ta-
gen nach der Fälligkeit auf gerichtlichen Wege
eingezogen werden.
Gleichmäßig sind alle Gemeinde-Ausgaben sowie
insbesondere die Besoldungen der im Dienst der Ge-
meinde stehenden Personen zur gehörigen Zeit
auszuzahlen.
Gemeinde-Ausgaben, welche den Betrag von 2 rth
übersteigen, und weder als ständig noch gesetzlich
nothwendig anzusehn sind, müssen von den Vorsteh-
ern ausdrücklich genehmiget werden.

                                 12

Für die Gemeinde-Casse hat der Bauermeister einen
eigenen, sicher zu verschließenden Kasten anzu-
schaffen, dagegen die vorfallenden Einnahmen
und Ausgaben in eigends dazu einzurichtende
Bücher sorgfältig einzutragen und diese am 1 sten
August, 1. November, 1. Februar und 1. May
jeden Jahrs vom alsdann abgelaufenden Quartal
genau abzuschließen sowie in Gegenwart der bey-
den Gemeinde Vorsteher mit dem Cassen-Vorräthe

                                                                   zu
 


zu vergleichen, welche letztere, die Uebereinstim-
mung der Einnahme- und Ausgabe-Bücher mit der
Casse zu bescheinigen oder aber die etwaige Diffe-
renz zu notiren haben.
Ueber das Geschäft selbst ist sodann innerhalb 8 Ta-
gen eine Anzeige beym Amte einzugeben.
Wegen der besonderen nicht zur Gemeinde-Casse
gehörenden Einnahmen und Ausgaben müssen
eigene Bücher geführt werden.

                                13

Diejenigen Gemeinde-Gelder und Aufkünfte, wel-
che nicht in Gemäßheit des bestehenden Herkom-
mens an die einzelnen Gemeinde-Mitglieder
zur Vertheilung gelangen, müssen zu gemein-
nützigen Zwecken von namentlich zu Anschaffung
von Feuersprützen, Organisation einer Armen-
Casse und dergleichen mehr verwendet, oder aber
zinsbar belegt werden, in welchen Fällen jedoch
jedesmal die Einwilligung der Gemeinde sowie
die Genehmigung des Amts erfordert wird.

                                 14

Ueber alle Gemeinde Einnahmen und Ausgaben
muß vom Bauermeister unter Zugrundelegung
des Inventarie über die Gemeinde-Güter nach
dem besonders mitgetheilten Formular eine voll-

                stän-

 


ständige Rechnung geführt und solche mit dem
30. April eines jeden Jahrs geschlossen werden.
Die im Rechnungsjahre vorkommenden Ab und Zu-
gänge des Gemeinde Inventarie sind sorgfältig zu
verzeichnen und am Schluß eines jeden Rechnungs-
jahrs zur Berichtigung des Inventarie beym
Amte anzuzeigen.

                                15

Im Laufe des Monaths May jeden Jahrs hat der
Bauermeister die Gemeinde Rechnung vom abgelau-
fenen Rechnungsjahre aufzustellen und in duplo
mit Anlagen bey 5 rth Strafe bis zum 15. Juni
beym Amte einliefern.
In einer sodann erfolgenden allgemeinen Ge-
meinde-Versammlung soll in Gegenwart eines
deshalb beauftragten Amts-Unterbedienten
die Rechnung nebst Anlagen vorgelegt werden,
damit jedes Gemeinde-Mitglied zweckmäßi-
ge Bemerkungen dazu vorzutragen im
Stande ist.
Der anwesende Amts-Unterbediente wird
diese Bemerkungen den Erläuterungen des
Bauermeisters und der Vorsteher zu erledi-

                                                         gen
 

 

gen suchen, das über die ganze Verhandlung auf zu-
nehmende Protocoll aber mit der von ihm selbst,
dem Bauermeister, den Vorstehern und einigen
älteren Gemeinde-Mitgliedern zu unterschrei-
benden Rechnung sammt Anlagen dem Amte über-
liefern; von welchem die ferneren Rechnungs-Re-
vision besorgt und zur Beantwortung der ergehen-
den moneta sowie zur definitiven Abnahme
der Rechnung Termin angesetzt werden soll.

                                16

Für die gesammte Geschäftsführung des Bauer-
meisters und Rechnungsführers hat derselbe dies
ihm ausgesetzte, feststehende jährliche Dienstein-
kommen zu beziehen, außerdem aber überall nicht
zu erwarten auch nach Beendigung seines Dien-
keine Ansprüche auf Pensions-Bewilli-
gungen zu machen.
Uebrigens muß der Bauermeister wegen siche-
rer und pünctlicher Erfüllung aller seiner Dienst-
Obliegenheiten eine Real-Caution bestel-
len und zwar in

Elvershausen auf die Summe von            500 rth
Denkershausen “   “        “        “             300 rth

                                                                Hol-
 


Holtensen  auf die Summe von                 500 rth
Edesheim     “    “         “       “                 500 rth
Hohnstedt     “    “         “       “                 500 rth
Vogelbek       “    “         “       “                300 rth

und auf die Aufnahme des Cautions-Do-
cuments innerhalb 4 Wochen nach dem
Dienstantritt veranlassen.

                                                -----------------------------------------------

In Gegenwart der zugezogenen Amts-Un-
terbedienten leisteten hierauf die ernannten Bau-
ermeister, unter Beobachtung der gesetzlichen
Förmlichkeiten, einzeln folgenden Eid, als:

„ich gelobe und schwöre, den mir anvertrau-
ten Dienst eines Bauermeisters der Gemein-
de Denkershausen, in allen seinen Thei-
len mit Treue und Gewissenhaftigkeit
zu erfüllen, sowie insbesondere die mir
jetzt vorgelesene Dienst-Instruction voll-
ständig und pünctlich zu befolgen so wahr …

actu corpokuli (unsicher) ab, und wurden sodann schließ-
lich die anwesenden Amts Schulzen sowie für
Denkershausen der Amtsobervoigt Franz be-

                                                         auf-
 


auftragt, die mit heute in Dienst tretenden
Bauermeister bey versammelten Gemeinden
sofort gehörig vorzustellen und einzuführen.
Vorgelesen und genehmiget und von den
Bauermeistern unterschrieben.

                August Germelmann
                Heinrich Wehrmann
                Ernst Arnemann
                Andreas Lohrberg
                Jacob Christoph Wolper
                Conrad Keine

                Actum ut supra

                    in fidem

                     Grimsehl

                  Amts-Assessor

Die vorstehende Abschrift wird dem Bauermeister zu
Denkershausen zur Legitimation mitgetheilt.

              Brunstein, den 10. May 1828

Königliches Großbritannisch – Hannoversches Amt

    (Stempel)                              (Unterschrift)
             Amt Brunstein                              Grimsehl
 

 

1849 - Hute + Weide

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