10. Sept. 1834 - Vor dem Amt Brunstein

Das Thema Viehdurchtrift wird in Denkershausen öfters behandelt. (Siehe "Hute + Weide 1835 und 1849) und im Jahr 1834 fühlte sich die Gemeinde wieder bereits seit Jahren übervorteilt. Da half nur der Gang zum Amt Brunstein am 10. September.

In diesem Fall ging es am Ende sehr schnell zu Ende. Es kam zu einem Vergleich gegenüber des Pächters Ernst des Klosteramtes Wiebrechtshausen.

Zugleich wird auch deutlich, mal zahlte der Pächter die Naturalie, mal nicht. Man stritt sich um Bezeichnungen. Handelte es sich jetzt um eine geforderte Quittung über Trift- oder Koppel-Schafskäse.
Wobei die "Trift" für die Durchleitung und "Koppel" für die Beweidung einer Fläche steht.

Angesichts der schnellen und gütlichen Einigung verzichteten am Ende sogar das Amt Brunstein auf Erstattung seiner Kosten. Hatte es bereits am 23. May 1826 ein entsprechendes Urteil gegeben. Das wiederum ist hier nicht bekannt.

Ob danach der Schafskäse auch ordentlich, mit mündlicher Voranzeige, geliefert wurde ist nicht überliefert.
 


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 No. 1  
  
Geschehen vor dem Königlichen Stifts-Amte Nort- 
heim den 10ten September 1834. 
    
In Sachen 
der Differenz zwischen dem Amtshaushaltspächter 
Ernst zu Wiebrechtshausen und der Gemeinde 
Denkershausen wegen jährlich zu liefernder 6 Pfund
Koppel- oder Trift Käse betreffend. 
 
Praeviacitatione erschien der laut des vom
Amte Brunstein anhiro übersandten Protokolles
de 12ten vorigen Monats legitimirte Syndicus der
Gemeinde Denkershausen, Holzaufseher Friedrich
Wahshausen daselbst; der Amtshaushaltspächter
Ernst hatte sich nicht eingefunden.
Subsperati Königlicher Kloster-Cammer wurde
folgender Vergleichs-Vorschlag proponirt:
1, die Gemeinde Denkershausen erhält von dem
Klosteramte Wiebrechtshausen jährlich im Frühjahr
6 Pfund Schaafskäse und hat diese Käse, so lange pp
Ernst Pächter der Domaine Wiebrechtshausen
ist, von diesem in Empfang zu nehmen,
2, der Pächter Ernst ist verpflichtet, dem Bauermei-
ster der Gemeinde Denkershausen anzuzeigen,
daß diese Käse zur Empfangnahme bereit liegen
 und 
 

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und einen Tag zur Abholung zu bestimmen,
3, bei der Empfangnahme dieser Käse hat der
Bauermeister eine Quitung mit dem schriftlichen
Bemerken dem pp Ernst einzuhändigen, daß aus  
dieser Quitung weder für die Art der Abgabe,
als Koppel- oder als Trift-Käse, ein Präjudiz gefol-
gert werden solle, indem nach der Behauptung des
Klosteramts Wiebrechtshausen diese Abgabe
für die demselben auf der Denkershäuser Feld-
mark zustehende Koppelhude zu entrichten ist, dage-
gen nach der Behauptung der Gemeinde Denkershau-
sen als Triftkäse für den Durchzug der Schaafe
des Klosteramts Wiebrechtshausen nach Man-
delbeck.
4,  wegen der an die Gemeinde Denkershausen
vom Klosteramte Wiebrechtshausen annoch jähr-
lich für den Durchzug der Schaafe nach Mandelbeck
wie solches ihr, von dem Klosteramte Wiebrechts-
hausen nicht anerkannte, Lagerbuch besage, jähr-
lich zu bezahlenden 12 mg, behält sich die Gemeinde
Denkershausen alle Zuständigkeiten bevor und
wird diese Abgabe hiemit von Seiten des Kloster-
Amts Wiebrechtshausen richtig keines wegen
eingeräumt.
5,  es beginnt dieser Vergleich für die pro 1834 zu
Entrichtenden 6 Pfund Schaafskäse und besteht derselbe
 so 
  

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solange, bis daß durch ein Rechtskräftiges Erkennt-
niß ein Anderes entschieden seyn sollte.
   Comparent Wahshausen acceptirte diesen
Vergleich in allen Puncten, bat aber, daß dem p Ernst
aufgegeben werde:
1,  jährlich 6 Pfund Schaafkäse pro 1825/33 incl. ent-  
weder in natura zu entrichten, oder mit Gelde zu
reluiren.
2,  die 12 mg, welche obbemerkt worden, und von
dem Pächter Ernst noch nie entrichtet worden, von
dem Auftritte der Pacht an bis jetzt jährlich nach-
zubezahlen und beziehe er sich deshalb auf das La-
gerbuch der Gemeinde Denkershausen.
   Uebrigens bemerke er annoch, daß pp Ernst pro
1821 bis 1824 jährlich 6 Pfund Schaafkäse gegen eine
Quitung über Triftkäse geliefert habe, daß der-
selbe 1825 die Entrichtung dieser Käse geweigert
habe, weil er eine Quitung über Koppel-Käse und
nicht über Trift-Käse verlangt habe. Seit dieser
Zeit habe pp Ernst der Gemeinde Denkershausen
das Abholen der Käse nie angezeigt.
   Stiftsamtsseitig wurde dem Comparenten Wahs-
hausen bemerkt, daß das Lagerbuch der Ge-
meinde Denkershausen gegen das Klosteramt
Wiebrechtshausen nichts beweisen könne, da das-
selbe nicht anerkannt worden, worauf Comparent
 be- 
   

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bemerkte, daß er dazu nichts sagen könne.
   Schließlich wurde demselben eine Resolution
über die verlangte Nachbezahlung der 6 Pfund Schaaf-
käse pro 1825 bis 1833 so wie der qu. 12 mg zu-
gesichert.
   Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben.
 Syndicus Waßhausen 
So geschehen wie oben
 in fidem
 Grote
 
Geschehen vor dem Königlichen Stiftsamte Northeim den 18ten
     October 1834
 Ad acta 
Die Differenz zwischen dem Amtshaushaltspächter Ernst zu
Wiebrechtshausen und der Gemeinde Denkershausen wegen
jährlich von Ersterem an Letztere zu liefernder 6 Pfund Koppel- oder
Triftkäse betreffend.
 
      Dem in rubricirter Angelegenheit von der Gemeinde Den-
kershausen bestellten Syndicus, Holzaufseher Friedrich Wahshau-
sen daselbst, wurde auf Vorschlag des Amtshaushaltspächter
Ernst zu Wiebrechtshausen de 4ten d.M. wegen der von dem-
selben bis zum Jahre 1833 incl. An die Gemeinde Denkers-
hausen jährlich zu liefernden 6 Pfund Schaafkäse folgender
Vergleichs-Vorschlag proponirt:
1, der Amtshaushaltspächter Ernst und die Königliche
Kloster-Cammer verzichten auf die Schäden und Kosten, zu
deren Bezahlung die Gemeinde Denkershausen durch das
 
 Er- 
   

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Erkenntniß des Amts Brunstein de 23sten
May 1826 schuldig verurtheilt worden ist.
2, die Gemeinde Denkershausen verzichtet dagegen
auf sämmtliche rückständige, von dem Klosteramte
Wiebrechtshausen oder dessen Pächter an die
Gemeinde Denkershausen jährlich zu prästirenden
6 Pfund Schaafkäse.
Comparent nahm diesen Vergleichs-Vorschlag
an und entsagt auf alle Einreden gegen diesen
Vergleich.
Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben.
        Friedrich Waßhausen, Syndikus  
 
So geschehen wie oben 
 in fidem
       Grote
  
 (Siegel)pro copia  
     
  Grote