Was noch alles an Zehntabgaben abgelöst werden konnte!

Ja man kann sich wundern auf was in den vergangenen Jahrhunderten noch alles für Steuern oder besser Zehntabgaben zu entrichten waren.

 


 


       Acta
       über
     Ablösung

I.   des Frucht und Brachzehntens

II.    „   Gänsezehntens

III. der Zehnthüner

von Nro. 1. bis 8.
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Ueber die Ablösung des, von den
Grundstücken in der Denkershäuser Feld-
mark dem Königlichen Klosteramte Wie-
brechtshausen zu prästirenden Frucht-
und Braach-Zehntens ist zwischen König-
licher Hannoverscher Kloster-Cammer mit
Genehmigung des Königlich-Hannover-
schen Ministerii der geistlichen und Un-
terrichts-Angelegenheiten und den
Zehntpflichtigen folgender Receß im
Wege gütlicher Uebereinkunft abge-
schlossen worden.

                    §1

Der bisher von den Grundstücken in der
Denkershäuser Feldmark, Königlichen Amts
Brunstein, dem Königlichen Klosteramte
Wiebrechtshausen entrichtete Frucht- und
Braach-Zehnten, wird vom 1. Januar 1840
angerechnet, abgelöset dergestalt und
also, daß alle Rechte des zehntberechtig-
ten Klosterfonds, welche auf irgend eine
Weise aus dem abgelöseten Zehntrechte
hervorgehen, mit demselben in Verbin-
dung stehen, oder auf dessen Ausübung
Bezug haben, vom 1. Januar 1840 an

                                               ge-




prästieren: entrichten, leisten
Quelle: http://www.duden.de/
rechtschreibung/praestieren


Receß: Auseinandersetzung, Vergleich
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Rezess



 


gerechnet, auf die Zehntpflichtigen über-
gehen.

                  §2

Als Object dieser Zehntablösung wird
diejenige Zehntberechtigung angenom-
men, welche dem Klosteramte Wiebrechts-
hausen in der Denkershäuser Feld-
mark zusteht und zwar zufolge der
anerkannten, vom Lieutenant Kolbe   
aufgenommenen Vermessungs-Be-
schreibung, nebst den angehefteten Pro-
tocollen, jedoch wird eine Eriction we-
gen der Größe, so wie wegen der et-
waigen Behauptung der Zehntpflichtigen,
- daß der Braachzehnten, mit Ausnah-
me der Schootenfrüchte, mit einem stän-
digen Reluitiens-Geldbetrage zu prä-
stiren – nicht geleistet.

                   §3

So wie der Zehnten vom 1. Januar 1840
an, abgelöset ist, so hören auch von die-
sem Zeitpunct an alle dem zehntbe-
rechtigten Klosteramte Wiebrechts-
hausen abgelegenen Gegenleistungen
auf, namentlich die Verpflichtung zur
Vergütung des nach den §.§. 35 und

                                                   36

Eriction: Vermutlich ist hier eine Vergrößerung gemeint :-)  
Reluitiens: vermutlich Entschädigungszahlungen

 



 


36 der Königlichen Verordnung de 9. Au-
gust 1822 zu entrichtenden Grundsteu-
er Zehnttheils und verzichten die Zehnt-
pflichtigen auf dasselbe auch für die Ver-
gangenheit.

                      §4

Das von den Zehntpflichtigen in Courant
und zwar in nicht unter 1/6 Stücken zu
bezahlende Ablösungs-Capital ist zu
Zweytausend Siebenhundert und
acht Rthlr. 8 ggl – Pf festgesetzt, wo-
von
a.,  am 1 sten May dieses Jahres die eine
Hälfte ad = 1354 rth 4 ggl nebst den
Zinsen vom ganzen Ablösungs-Capitale
ad = 2708 rth 8 ggl zu 4 pro Cent jährlich
de 1 mo  Januar bis ulto April
dieses Jahres ad = 36 rth 2 ggl 8 Pf und
b.,  am 1. Januar 1841 die andere Hälf-
te ad = 1354 rth 4 ggl nebst den Zinsen
davon zu 4 pro Cent jährlich de 1 mo 
May bis ulto December dieses Jahres
ad = 36 rth 2 ggl 8 Pf Porto- und Kosten-
frei an Königliche Haupt-Kloster-Casse
zu entrichten ist.

                                                §5.
 



 


                      §5.

Sollte das Ablösungs-Capital nebst
den Zinsen nicht zur festgesetzten Zeit
berichtigt werden, so haben die Zehntpflich-
tigen unter Vorbehalt der in den Ablö-
sungs-Gesetzen enthaltenen, den Zehnt-
herrn zugebilligten Rechte an Verzugs-
zinsen jährlich fünf Procent zu bezah-
len welche gleichfalls auf Kosten der Zehnt-
pflichtigen Porto- und Kostenfrei an Kö-
nigliche Haupt-Kloster-Casse einzusenden
sind.

                       §6

Die dem Klosteramte Wiebrechtshausen
etwa zustehende Berechtigung zum Rott-
zehnten in der Denkershäuser Feld-
mark wird zu Gunsten der Zehntpflichti-
gen damit aufgehoben.

                       §7

Der Klosterfond verlangt keine weitere
Nachweisung über die Ausmittelung
des Beitrags jedes Zehntpflichtigen zum
Ablösungs-Capitale und wird sich in
die desfallsigen Verhandlungen der
Zehntpflichtigen durchaus nicht mischen.

                                                     §8
 




 


                       §8

Wenn die Königlich-Hannoversche Klo-
ster-Cammer nur mit der Gesammt-
heit der Zehntpflichtigen unterhandelt; so
ist das Ablösungs-Capital nebst den
fälligen Zinsen davon durch die Bevoll-
mächtigten der Zehntpflichtigen in einer
Summe zu zahlen und geschieht die
Repartition, Erhebung pp dieser Gelder auf
ausschließliche Gefahr und Kosten der Zehnt-
pflichtigen, so daß der Klosterfond mit
den einzelnen Zehntpflichtigen in keine
Verbindung kommt, und werden demge-
mäß den Bevollmächtigten der Zehntpflich-
tigen die dem zehntberechtigten Kloster-
amte Wiebrechtshausen zustehenden Rech-
te cedirt.

                       §9

Der Königlich-Hannoverschen Kloster-Cam-
mer ist auf Kosten der Zehntpflichtigen
der Ablösungs-Receß in duplo einzu-
händigen.

                      §10

Die bei der Königlichen Ablösungs-Com-
mission entstehenden Kosten, nament-
lich die durch die Vollziehung, Bestä-
tigung und Ausfertigung des Ablö-

                                           sungs
               


Repartition: Verteilung im Verhältnis der Beteiligten
Quelle: http://www.duden.de/rechtschreibung/Repartition

zedieren: eine Forderung an einen Dritten abtreten
Quelle:  http://www.duden.de/rechtschreibung/zedieren

in duplo: in zweifacher Ausfertigung, doppelt
Quelle:  http://www.duden.de/rechtschreibung/in_duplo
 






 


sungs-Recesses entstehenden Kosten,
mit alleiniger Ausnahme derjenigen,
welche durch die Vertretung Königlich-
Hannoverscher Kloster-Cammer entstehen,
bezahlen die Zehntpflichtigen.

                        §11

Der über diesen Zehnten, mit den Zehntpflich-
tigen bis 1844 inclusive abgeschlosse-
ne Pacht-Contract ist mit der Ernte
vorigen Jahrs aufgehoben.

                        §12

Beide Theile entsagen allen und jeden
in Ansehung dieses Rechtsgeschäfts den
Rechten nach etwa zustehenden Einre-
den und Ausflüchten überhaupt, in-
sonderheit aber der Einrede des Be-
trugs, Zwangs, der Arglist, des Schein-
handels, der Verletzung unter oder über
die Hälfte und der, daß ein allgemei-
ner Verzicht nicht gelte, wenn auch nicht
ein besonderer vorhergegangen.
  Urkundlich alles dessen ist dieser Ab-
lösungs-Receß.
1.,  Namens Königlich-Hannoverscher
Kloster-Cammer, von dem, beim
Stifts-Amte Northeim angestellten

                                          Amts-



Receß:  Auseinandersetzung, Vergleich,
[schriftlich fixiertes] Verhandlungsergebnis
Quelle:  http://www.duden.de/rechtschreibung/Rezess



 


Amts-Assessor Grote zu Northeim, le-
gitimiert durch die, diesem Recesse sub
Litt. A anliegende Vollmacht und
2.,  Namens der Zehntpflichtigen von dem
Bauermeister Friedrich Wallhausen
und dem Tischler Wilhelm Washausen,
beide zu Denkershausen, bevollmäch-
tigt durch die, diesem Recesse sub lit:
B.  anliegende, vor dem Königlichen
Amte Brunstein am 27. May 1838 auf-
genommene Vollmacht, heute allhier
vollzogen.
   So geschehen vor der Königlichen Ab-
lösungs-Commission des Districts
    Northeim am 21. Februar 1840.

    Grote  Amts-Assessor

    Friedrich Wallhausen

    Wilhelm Washausen

Der vorstehende Zehnten-Ablösungs-
Receß welcher von den Provocantischen, durch
die Vollmacht vom 27. May 1838 gehörig
legitimirten Bevollmächtigten Friedrich
Wallhausen und Wilhelm Wahshau-
 



 


sen aus Denkershausen, sowie von
dem durch die Vollmacht vom 1. d.M.
legitimirten Bevollmächtigten der
Königlichen Kloster-Cammer Amts-As-
sessor Dr. Grote von hier am heutigen
Tage eigenhändig vollzogen worden,
wird, nachdem dabei etwas zu erin-
nern nicht vorgefunden ist, nach Vor-
schrift des § 314 der Ablösungs-Ord-
nung vom 23. Juli 1833 und des
darin allegirten § 41 der Königlichen
Verordnung vom 10. November 1831
Commissionsseitig kraft dieser be-
stätigt.

   Northeim, den 21. Februar 1840.

Königliche Ablösungs-Commission
     des Districts Northeim

(Siegel)           Grimsehl





allegieren:  (eine Schriftstelle) anführen
(besonders in theologischen und juristischen
Texten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit)
Quelle:  www.duden.de/rechtschreibung/allegieren
 



 


No. 5331                A

Nachdem unter ausdrücklicher Zustim-
mung des Königlich Hannoverschen Mini-
sterii der geistlichen und Unterrichts-An-
gelegenheiten der von Grundstücken in der
Denkershäuser Feldmark an das Klosteramt
Wiebrechtshausen zu prästirende Zehnten gegen
Bezahlung eines Ablösungs-Capitals von
Zweitausend, Siebenhundert und Acht rth 8 ggr
Courant abzulösen ist; so wird hiemit von
Uns der Herr Amts-Assessor Grote zu Northeim
als Unser Bevollmächtigter bestellt und au-
torisirt, die wegen dieser Zehnt-Ablösungs-Sache
erforderlichen Geschäfte, Erklärungen, Zustimmun-
gen, Vergleiche, Delation und Acceptation
von Eiden, Ernennung von Substituten, Em-
pfangnahme von Geldern und alle erforder-
liche Handlungen, wie sie auch Namen
haben mögen, Namens Unserer vorzunehmen;
namentlich auch den Ablösungs-Receß Na-
mens Unserer zu vollziehen und auf die Be-
stätigung der betreffenden Ablösungs-Com-
mission anzutragen, dergestalt und also, daß
diese von dem genannten Commissario vor-

                    zu

Dilation: Aufschub, Aufschubfrist
Quelle:  http://www.duden.de/rechtschreibung/Dilation
 



 


zunehmenden Handlungen so angesehen wer-
den sollen, als wenn dieselben von Uns vor-
genommen sind.

So geschehen, Hannover den 1. Februar 1840




        (Siegel)


Königlich Hannoversche Kloster-Cammer.


         (Unterschrift)





   Vollmacht.

 

  

 

 

Die Ablösung des "Zehnten"

Begann bei uns in den dreißiger und vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Im Regelfall war die Ablösung durch den 25fachen Wert des Jahreswertes möglich. Also z.B. 1 Huhn = Geldwert mal 25.