25. Oct. 1842 - Niederlassungsfreiheit auf Denkershäusisch

Alles was heute zu unserer freiheitlichen Grundordnung gehört war vor rd. 150 Jahren absolut nicht gegeben.

Hier lesen wir von einem amtlichen Vorgang über die Niederlassung eines Mannes aus einer fremden Ortschaft (Wulften) der nach seiner Heirat mit einer Witwe aus Denkershausen selbst hier Wohnung nehmen wollte. Also wie es sich normalerweise für Ehepaare gehört.

Die standesamtliche Ehe war bereits durch königliches Amt bestätigt, nur der Zuzug nicht. Dagegen hatte sich die Gemeinde verwahrt und ein diesbezüglicher Widerspruch wurde ablehnt. Die Niederlassung  mußte örtlicherseits gewährt werden, aber nur bis zum Ende bereits geschlossener Pachtverträge durch die frühere Witwe. Danach hieß es wieder zurück nach Wulften. Dort besaß der Ehemann bereits ein verbrieftes Wohnrecht.

Maßnahmen die heute bei jedem Leser eigentlich nur Kopfschütteln hervor rufen können.

Wir lesen:

 

DSCN4604(Stempel)
     Nachdem die von dem Einwohner Wilhelm
Rusteberg zu Wulften und der Wittwe Friede-
rike Hasper geb. Lüdeke zu Denkershausen, we-
gen Ertheilung des Trauscheines an Königliche
Landdrostei zu Hildesheim unterm 20ten d.M.
gerichtete Vorstellung unterm 21. ????
von obengedachter Oberbehörde zur weitern
Verfügung ?anher? abgegeben worden, so
wird dieserhalb und hinsichtlich der am
28ten v.M. wegen der einstweiligen Nie-
derlaßung der genannten Supplicanten
zu Denkershausen hier stattgefundenen 
Verhandlungen, hiermit zum Bescheide erkannt:
daß, --
dadurch die Bescheinigung des Königl. Amts
Catlenburg – Lindau vom 30ten v.M. der Wohn-
sitz der sich zu verehlichen beabsichtigenden 
p Rusteberg und Wittwe Hasper, zu Wulften
anerkannt worden, und da durch die ab-
seiten der letztern geschehenen Erpachtung
des Wohnhauses ihres weil. Ehemanns zu Den-
kershausen die erforderliche Erlangung einer
Wohnung und Unterkommens an diesen
Ort beschafft ist, –
des Widerspruches der Gemeinde Denkers-
 

DSCN4605
hausen ohnerechtes den genannten Braut-
leuten die einstweilige Niederlaßung
und das Wohnen zu Denkershausen bis
zum Ablauf der von der Wittwe Hasper
eingegangenen Pachtzeit  ---  wiewohl vorbe-
hältlich einer etwaigen früheren im Wege
Rechtens verfügten Beendigung derselben,  –
zu gestatten sey.
    Wie es sich nun von selbst versteht, und
nochmals hierdurch ausdrücklich erklärt wird,
daß der dem, zu Wulften angeführter-
maaßen mit Wohnrecht versehenen p
Rusteberg, und der, denselben folgenden
Wittwe Hasper vorstehend gestattete einst-
weilige Aufenthalt zu Denkershausen
ihnen überall kein Domicil allda verleihe,
vielmehr dieselben, sammt denen von ihnen
erzeugten oder noch zu erzeugenden Kin-
dern, nach Ablauf der bemeldeten Pachtzeit
unweigerlich Denkershausen, sofern sie nicht
früher von diesem Orte auf gesetzlich zuläs-
sige Art ein Domicil erlangt haben sollten,
zu verlassen und an den ihnen ange-
wiesenen Wohnort Wulften zurück zu kehren
haben, –  so wird dagegen die von der Gemeinde
 
Den-
 

DSCN4606
Denkershausen geforderte Bedingung:
   daß der p Rusteberg und die Wittwe
Hasper sich verbindlich machen sollen, wäh-
rend ihres Aufenthaltes allda durch eigen-
thümlichen Erwerb eines Wohnhauses kein
Wohnrecht zu adquiriren, –
    als unzulässig und der Bestimmung
des Gesetzes vom 6. Juli 1827 §3 zuwie-
derlaufend verworfen.
     Es soll daher, wenn nicht wider gegen-
wärtige Verfügung in einer hiermit
gesetzten peremetirischen vierwöchent-
lichen Frist der Recess angewendet und
solches gebührend hier bescheinigt werden
sollte, mit Ausfertigung des Trauscheines
an die mehrgenannten Brautleute
und Gestattung der einstweiligen Nie-
derlassung derselben zu Denkershausen
unter den vorstehenden Bestimmun-
gen, verfahren werden.
 
Resolutum Northeim den 25. October 1842
    Königlich Hannoversches Amt.
 
(Unterschrift)
(?Heyne?)
  

DSCN4607
Eine gleichlautende Original-Verfügung habe 
ich der Wittwe Hasper
in Denkershausen am 3ten Novbr. 1842 zugestellt.
 
A. Franz
 
Für
               die Gemeinde Den-
kershausen
ad manus
des
              Bauermeisters Wall-   
hausen
 
 
Insinuirt am 3ten Novbr.
1842
A. Franz