Verkauf einer Köthnerey

Am 17. September 1842 erschienen vor dem hiesigen Königlichen Amte: 
der Schneider Carl Schlote aus Brunstein nebst dessen
Ehefrau Justine geborene Huch, als Verkäufer
und baten um die gerichtliche Aufnahme und Bestätigung
des nachfolgenden untereinander abgeschlossenen Kaufcontracts.

Der Bauermeister Friedrich Wallhausen und die Vorsteher Heinrich Wedekind und Daniel Schatte aus Denkershausen sind die Käufer.

Als Stichtag des Inkrafttretens des Vertrages war der Michaelistag (ist immer der 29.ö September d.J.)
und damit war eigentlich auch das Landwirtschaftsjahr zu Ende. Die Äcker und Felder soweit geräumt, die Ernte eingebracht.

Wie das vorsich ging und was und wie ausgehandelt wurde, hier die Niederschrift:

Pünktlich zum 1. Dec. 1842 wurde der Betrag bezahlt und quittiert. Siehe re. Spalte.

Anmerkung 1: Das Ehepaar Schlote findet sich hier machfach. Gehe über die Suchfunktion und lass nach "schlote" suchen.

Anmerkung 2: 1840 wurde der Amtssitz im Zuge der Vereinigung des Amtsgerichts Brunstein mit dem Stadtgericht Northeim nach Northeim verlegt. Daher ab sofort die neu formulierten Institutionen der Gerichtsbarkeit.

 


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(Stempel)
Actum Northeim vor
Königlichem Amte, am 17. September 1842.
 
Es erschienen vor dem hiesigen König-
           lichen Amte:
           1,  der Schneider Carl Schlote
aus Brunstein nebst dessen Ehefrau Ju-
stine geborene Huch, als Verkäufer,
2,  der Bauermeister Friedrich Wallhausen
und die Vorsteher Heinrich Wedekind und
Daniel Schatte aus Denkershausen, Na-
mens der Gemeinde Denkershausen, als
Käufer,
und baten um die gerichtliche Aufnahme
und Bestätigung des nachfolgenden unter
einander abgeschlossenen Kaufcontracts:
                         §1
Es verkauft nämlich der ad. 1 zuvor ge-
dachte Schneider Carl Schlote im ausdrück-
lichen Einverständniß seiner miterschie-
nenen Ehefrau Justine geborenen Huch
eine von der letztern mit in die Ehe ge-
 
brach-
 

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      brachte, der allergnädig-
sten Herrschaft dienstpflichtige Kötherey zwi-
schen August Dralle und dem Kirchhofe
belegen, mit allem, was band-  mauer-
nied- und nagelfest ist, drei dazu gehö-
rigen Morgen Rottland, nebst Baum- und
Grabegarten bei dem Hause, den Weiden-
bäumen auf der Gemeinde, der Gemeinde-
hölzung und Gräferey, und überhaupt
der sämmtlichen Gemeinde-Gerechtigkeiten,
für die Summe von 1700 rth Courant,
schreibe eintausend siebenhundert Thaler
Courant, dergestalt, daß
                        §2
die verkaufte Kötherey nebst Zubehör
als freies Eigenthum an die Käuferin
übergehen und dieselbe von Michaelis
1842 angerechnet alle darauf haftenden 
und noch darauf gelegt werdenden öffent-
lichen Abgaben und sonstige Lasten davon
übernehmen und abtragen solle.
                         §3
Die Kaufgelder werden am 1. Decem-
ber 1842 baar und in ungetrennter 
Sum-
 

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(Stempel)
     Summe an den Verkäufer
bezahlt, und reservirt sich Verkäufer bis
dahin das Eigenthum, woneben die Käufe-
rin die Kaufsumme aber schon von Mi-
chaelis 1842 zu 4 Procent verzinset.
                          §4
Die verkaufte Kötherey nebst Zubehörun-
gen wird verkauft wie sie liegt und es der
Augenschein ergiebt und wird für die Quan-
tität und Qualität nicht eingestanden,
gleichwohl haftet der Verkäufer für die
Hypothekenfreiheit wegen der verkauften
Realitäten und wegen etwaiger An-
sprüche Dritter an dasselbe, und leistet
dafür ausdrücklich Gewähr.
                         §5
Daneben behält sich Verkäufer vor die
auf dem Garten stehenden 36 Stück Stämme
zu roden, so wie demselben auch das
Klafterholz wegen dieser Stelle noch
in diesem Herbste zukommen soll, wel-
ches der Häusling nach dem bestehenden 
Contracte frei zu hauen hat. Ferner
behält sich der Verkäufer die Miethe
bis
  

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     bis Michaelis 1842, die
Landpacht bis Ostern 1843 und die Pacht
für Gemeinde-Gräferey und Grabeland
bis Ostern 1843 vor und bevorwortet
endlich ausdrücklich, daß die in der Köthe-
rey wohnenden Häuslinge das in derselben
Angenagelte wieder abreißen dürfen,
wohingegen die Polaine mit dem Stricke
so wie die Krippe der Käuferin zu-
fällt.
                         §6
Contrahenten entsagen allen diesem
Contracte zuwiderlaufenden Einreden und
Rechtswohlthaten, namentlich und nach vor-
gängiger Erklärung, der Einrede der
Verletzung unter oder über die Hälfte
des wahren Werths und der Rechtswohl-
that der Wiedereinsetzung in den vori-
gen Stand,auch der Einrede, daß ein
allgemeiner Verzicht nicht gelte, dem
nicht ein besonderer vorhergegangen.
                         §7
Die Kosten der Aufnahme und der
einmaligen Ausfertigung dieses Con-
tracts
 

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tracts für die Käuferin trägt diese
Letztere.
                         §8
Die miterschienene Schlotesche Ehefrau
erklärte ausdrücklich, daß sie mit dem
Verkaufe dieses ihres Dotal(1)-Grundstückes
einverstanden sey, zumal derselbe zu
ihrem wahren Nutzen deshalb gereiche,
weil mit dieser Kaufsumme dieser
hier verkauften Kötherey der für ihre
und ihres Ehemannes Verhältnisse vortheil-
hafte Ankauf der Sanderschen Kötherey
bewerkstelligt werden solle.
       Vorgelesen und genehmigt, auch
Carl Schlote
Justine Huch
Fr. Walhause Bauermeister
Heinr. Wedekind Vorsteher
Schatte Vorsteher
        eigenhändig unterschrieben.
in fidem
 
Münch
Amtsassessor
Kirchhoff                                                  Zu
Amts-Richter
 

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Zu dem in vorstehendem Protocolle
beschriebenen Verkauf-und Kauf-
Contracte wird, jedoch vorbehältlich
der Rechte eines jeden Dritten, die er-
betene gerichtliche Bestätigung sowohl im
Allgemeinen, als namentlich in Beziehung
auf die hier grade vorgelegene Veräu-
ßerung eines Dotal-Grundstückes der
Schloteschen Ehefrau Kraft dieses ertheilt,
und ist diese Verhandlung dem diesseiti-
gen Amtshandelsbuche Vol. de 1842 pag.
611 inserirt worden.
 
      Northeim, den 17. September 1842.
          Königlich Hannoversches Amt.
 
(Unterschrift)                       (Unterschrift)
 

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Kaufcontract
über
eine Kötherey
für
die Gemeinde Den-
kershausen.
 
No. 136
pro Aufnahme ….. 2 rth 12 gg
„  Confirmat.   ….  3  „   -----
„  Stempel  …....   2  „   20  „
„  Cop. u. Besch. ---       4  „
                         8 rth 12 gg
Ins. 6. Oct. 1842  –-----   4
                         8 rth 16 gg
 
Empfangen      A. Franz
  
  




(1) Dotal-Recht: Wem gehören die Bäume, wem die Früchte? Hier eine Abhandlung was gemeint ist Öffnet externen Link in neuem Fenster>lesen