1859 - 20. August - Post vom Domainenpächter Creydt

Mit der Teichabsenkung waren scheinbar die ersten neuen "Geländegewinne" verteilt. Da sah der Domainenpächter Creydt erhebliche Probleme durch die Denkershäuser Weidewirtschaft auf sich zu kommen.
In diesem Fall die Gänse! Diese würden sich auf seinen angrenzenden Maisfeldern gütlich tun und die Gemeinde müsse dafür haften.

Um diesem Problem im Vorfeld entgegen zu treten, schlug er statt eines Grenzgrabens einen Zaun vor.

Hier hat er sich mit einem mathematischem Zahlenspiel daran gemacht seine angebotene Option besser verkaufen zu können, gleichzeitg mit der Drohung etwaige Schäden sofort taxieren zu lassen.

Wer sich an diesem Rechenspiel beteiligen möchte, eine Rute =12 Fuß ≈ 3,717 m!

 


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Bei der großen Schwierigkeit, welche es in
Zukunft haben wird das Denkershäuser Vieh, nament-
lich die Gänse, von der Brunsteiner Abfindung fern
zu halten, halte ich es für das entsprechendste
Mittel dieses zu erreichen, wenn auf der Grenze
zwischen der Brunsteiner Abfindung und dem Denkers-
häuser Pfingstanger, so weit die Denkershäuser Grenze
geht, statt des proquitirten Grenzgrabens ein
Zaun gemacht wird.
Der Zaun kann in gleicher Weise gemacht
werden als der, an der Denkershäuser Wiese
vorhandene, kann mithin pro Ruthe höchstens 9 – 10 Rgr
kosten. Fällt nun der Graben weg: so liegt es in der
Billigkeit, daß uns die Kosten für denselben zu gute
kommen. Der Graben wird ungefähr 5 Rgr pro Ruthe kosten,
es würde der Zaun mithin noch 5 Rgr die Ruthe kosten.
Rechnet man nun, daß durch das Wegfallen des 4 Fuß Bruch-
graben pro laufende Ruthe ¼ Quadrat-Ruthe Fläche ge-
wonnen wird, und daß der Morgen an jener Stelle min-
destens 150 rth werth ist: so beträgt der pro lauf.
Ruthe 9 Rgr 3 pf, es würde sich also ein reiner Ge-
winn von 4 Rgr 3 pf pro lauf. Ruthe Graben heraus-
stellen.
  

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Da es nun aber mehr im Interesse der
Denkershäuser Gemeinde, als in meinem
Interesse liegt, daß der Schaden, welchen das Den-
kershäuser Vieh mir dort verursacht, vermindern
werde; indem die Gemeinde ebensowohl für
ihre Hirten haften muß, wie jeder andere
Dienstherr, und mir mithin für den verur-
sachten Schaden verantwortlich bleibt: so frage
ich hiermit an, ob die Denkershäuser Ge-
meinde geneigt ist zur Herstellung des Zaunes
die Hälfte der Kosten beizutragen, die fernere
Instandhaltung aber allein zu übernehmen?
Der letzte Punkt möchte in der Billigkeit liegen,
da, wie schon bemerkt der Zaun das einzige Mittel
ist die Denkershäuser Gemeinde vor Kosten zu
bewahren.
Ist die Gemeinde dazu geneigt: so werde ich bei
der Commission den Antrag stellen, daß uns die
Kosten für den zu sparenden Graben zu gute
kommen, ist die Gemeinde aber dagegen: so
  

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mag es bei dem Graben sein Bewenden haben,
die Gemeinde mag es sich dann aber später selbst
zu schreiben, wenn Unannehmlichkeiten & Kosten
daraus für sie entstehen, was nicht ausbleiben
kann.
Ich kann nur zu rathen, daß die Gemeinde auf
meinen Vorschlag eingehen möge und gebe
nochmals zu erwägen, daß die Anlage des Zauns
auf die obige Weise gerechnet im aller ungün-
stigsten Falle nichts kostet, daß aber, wenn ich den
Schaden taxiren lasse, den mir die Gänse in die
Jahre an meinem Mais verursacht haben, der ?später?
Ersatz nebst Kosten etc. ebenso viel betragen
möchte als die Kosten für den halben Zaun. –
Ich bitte Sie nun diesen meinen Vorschlag
der Gemeinde zur Berathung vorlegen und
mir das Ergebniß thunlichst bald mittheilen zu
wollen, damit ich dann die weitern Schritte dazu
thun kann.
 
Brunstein den 20.August 1859
 
            An                                        ??Creydt
                  den Herrn Bauermeister Bode
                                      zu
                           Denkershausen
  

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                              An
            den Herrn Bauermeister Bode
                              zu
                    Denkershausen