Eilige Sache zur Zeugenvernehmung

Der Königliche Anwlt der Domainen Cammer beantragt zügig die Vernehmung von Zeugen im bevorstehenden Verfahren.

 


 

Abschrift                 Eilige Sache

               pr. 29. August 1849

                            An h.h.

Bitte um Vernehmung eini-
ger Zeugen zum ewigen Gedächtnisse,
    von Seiten
Anwalts Königl. Domainen-Cammer zu wegen
           des Amts Northeim, Klägers,
           wider
die Gemeinde Denkershausen, Verklagte,
                          wegen Hute und Weide auf
                          dem Tonniescamp, Hakenrott
           und Kalkenäckern

    -----------------------------

Anwalt findet sich in die Nothwendig-
keit gesetzt, um die eidliche Vernehmung
mehrer Personen, welche über das bisherige
exercitium der hier fragl. Hute und Weide
Aussage thun können, zum ewigen Gedächt-
nisse zu bitten, denn dieselben haben bereits
ein hohes Alter erreicht, sind zum Theil auch
kränklich, hinfolglich aus einem doppelten
Grunde der Gefahr des baldigen Aussterbens
ausgesetzt.

    Solche Personen sind:

S.2.    1. der Conducter Engel zu Langenholten-
    sen, Amts Northeim,
    2. der Tagelöhner Heinrich Wolf aus Den-
    kershausen gebürtig und in diesem Augenblick
    zu Brunstein wohnhaft,
    3. der Tagelöhner Wilhelm Nesemann zu
    Brunstein
 


4. der Untervoigt Heinrich
Schlote zu Brunstein,
5. der Brinksitzer Friederich Brand zu
     Höckelheim
6. der Schäfer Wilhelm Hartmann
      zu Sülbeck, Amts Einbeck.

Aus der sub (unleserlich)

                             A.      

beigefügten Bescheinigung geht hervor, daß die
zum Zeugnisse vorgeschlagenen vier zu erst
genannten Personen bereits allesammt das
50 Jahr ihres Alters überschritten haben. Sollte
inzwischen das angeschlossene Zeugniß nicht
genügen können, so wird der sofortigen
Vornahme der Vorladung und der Verneh-
mung dennoch nichts im Wege können, indem
Anwalt hiemit erklären will, daß, wenn der
eine oder andere Zeuge zu der betreffenden
Generalfrage sein Alter unter 50 Jhren an-
geben sollte, er alsdann hiemit von der wei-
teren sofortigen Vernehmung und deren
Beantragung abstrahirt haben wolle.

    Wegen der sub nro 5 u. 6 genannten
Personen kann ein Zeugniß ihres Alters nicht
beigebracht werden, weil man nicht weiß,
wo dieselben getauft sind, auch ein son-
stiges Zeugniß augenblicklich nicht einzuziehen
gewesen ist. Anwalt muß sich daher auf
die eigne Angabe des Zeugen über sein
Alter bei Gelegenheit seiner Vernehmung
beziehen, in Verbindung mit derselben



                                                                     Er-
 



     
     Erklärung des eventuel-
           len  Abstandes. Die Thatsa-
     chen, über welche die vorgeschlagenen
Zeugen zu vernehmen sein werden, sind
folgen:   

A. für sämmtliche Zeugen gemeinschaftlich.   
1. daß Zeuge die hier streitigen Ackerbrei-
ten, der Tonniescamp, das Hakenrott u die
Kaltenäcker sehr wohl kenne, und es mehre Jah-
re hiedurch wahrgenommen habe, dass die-
selben Seitens des Domainialhaushalts zu Brun-
stein bestellt und cultivirt worden.

2. daß Zeuge wiße, dass dieselbe dicht
an der übrigen, den Zeugen sehr wohl
bekannten Länderei belegen seyen, welche
S.4. nach Zeugen Wissenschaft zu der Domaine
Brunstein gehören;

3. daß Zeuge wiße und in mehren Jahren, die
Zeuge besonders zu benennen weis hat, selbst
es gesehen habe, daß die streitigen obgenann-  
ten drei Ackerbreiten Seitens des Domani-
haushalts zu Brunstein mit dem Schaafviehe
und insbesondere auch mit dem Hammel-
haufen behütet werden.

  B. für die einzelnen Zeugen insbesondere
              1. für den Zeugen Engel
a. daß Zeuge zur Zeit des weiland Amtmann
Meier zu Brunstein mehre Jahre, die Zeu-
ge näher anzugeben hat, Verwalter in

                                                  dem                    
 


 


    dem Domanialhaushalte
    zu Brunstein gewesen u.
a.  daß Zeuge während solcher Zeit die
Seitens des Domanialhaushalts geschehene
u. von ihm bezeugte Behütung der hier
fragl. drei Ackerbreiten alljährlich wahr-
genommen habe.

              2.    für den Zeugen Wolf

          a. daß Zeuge von seiner frühesten Jugend
          an theils als Knecht, theils als Tagelöhner bei
          dem Domanialhaushalte zu Brunstein be-
S.5.   häftigt gewesen sey und sich in Brunstein
          aufgehalten habe, und
          b. daß derselbe während solcher Zeit die
          Seitens des Domanialhaushalts geschehene
          und von ihm bezeugte Behütung der hier
          fragl. drei Ackerbreiten alljährlich wahr-
          genommen habe.

               3.     für den Zeugen Nesemann:

            a. daß Zeuge von seiner Kindheit an und bis jetzt
            in Brunstein gewesen sey, und in dem
            Domanialhaushalte daselbst seit seiner Con-
            firmation theils als Hirte, theils als Tage-
            löhner in Domanialhaushalte zu Brunstein
            gedient habe, und
             b. daß derselbe während solcher Zeit die Sei-
             tens des Domanialhaushalts geschehene und
             von ihm bezeugte Behütung der hier frag-
             lichen drei Ackerbreiten alljährlich wahr-
             genommen habe

             4.    für den Zeugen Schlote

            a.    daß er schon über 30 Jahre in Brun-




                                                                                 stein

 


           stein gelebt habe und vorher in Den-
           kershausen sich aufgehalten habe, und
           b.  dass derselbe sowohl während seines
           Aufenthalts in Brunstein als während
           des in Denkershausen, also von sei-
           ner ersten Jugendheit her bis jetzt die
           von ihm bezeugte Behütung der hier frag.
           drei Ackerbreiten alljährlich wahrgenom-
            men habe.

S.6.     5.    für den Zeugen Brand.

              a.    daß er früherhin mehre Jahre, die Zeuge
              näher anzugeben hat, Schäfer auf dem Do-
              manialhaushalte zu Brunstein gewesen,
              und
               b.    daß derselbe während solcher Jahre die
              von ihm bezeugte Behütung der hier frag-
              lichen drei Ackerbreiten alljährlich wahr-
              genommen habe.

               6.   für den Zeugen Hartmann:

               a.  daß er früherhin mehre Jahre, die Zeuge
              näher anzugeben hat, Schäfer auf dem Doma-
              nialhaushalte zu Brunstein gewesen und
               b.    daß derselbe während  solcher Jahre die
              von ihm bezeugte Behütung der hier frag-
              lichen drei Ackerbreiten alljährlich wahr-
              genommen habe

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Anwalt bittet demnach gehorsamst,




                                                                                       zur

 

       
      zur Vernehmung der Zeugen
              baldgewogentlichst einen Termin
              anzusetzen und hiezu die
              Zeugen vorladen zu wollen.

    Conc. Göttingen, den 27. August 1849




Schrift ----------------------------------  2 rth   7 gg   6p
Stp. Cop. -------------------------------  -  “    17 “     - “
Anl. A  Stp.
Cop.  ------------------------------------  -  “      8 “     -  “
Porto  -----------------------------------  -  “      3  “     -  “
                                              ----------------------------------
                                                            2  “     11 “    6  “
                                              ----------------------------------
 

Wie auch das Verfahren ausging blieb mangels weiterer Erkenntnisse offen.

Das Amt

       des Bauermeisters
       wird gefordert
       und hier beschrieben!
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