Die Denkershäuser Kopfsteuerbeschreibung von 1689

Der nachfolgende Artikel ist aus der Feder vom Heimatfoscher Karl Nolte, Hammenstedt, wurde aber auf Denkershäuser Erkenntnisse umgeschrieben.
Diese auszugsweise Veröffentlichung findet mit freundlicher Genehmigung des Northeimer Stadtarchivars Ekkehard Just statt.


Historie der Kopfsteuerbeschreibung von 1689 


In den Jahren 1664, 1675, 1678, 1686 und 1689 wurde in den Fürstentümern Calenberg-Göttingen und Grubenhagen für die Beschaffung von Geldmitteln für die Rüstung gegen die Türken oder allgemein für die Truppen der Landesherren eine Kopfsteuer erhoben. Zu diesem Zweck wurden sogen. Kopfsteuerbeschreibungen erstellt, in denen alle Einwohner eines Ortes unter Angabe der zu zahlenden Steuer aufgeführt waren. Außerdem finden sich Angaben zur Bevölkerungs- und Altersstruktur und zu der Größe der vorhandenen Hofstellen.
Die Originale der Kopfsteuerbeschreibung 1689 sind überliefert und stellen die wichtigste bevölkerungspolitische Quelle aus dem 17. Jahrhundert dar. Die Originallisten sind ab den 1940er Jahren nach und nach bearbeitet worden und in insgesamt 13 Druckbänden erschienen.

Zur Geschichte der Fürstentümer

Die angesprochenen Fürstentümer waren ursprünglich Teil des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg und sind im 13. bis 15. Jahrhundert durch Erbteilung als Teilfürstentümer entstanden. 

Das Fürstentum Grubenhagen entstand im 13. Jahrhundert. Das in zwei von¬einander getrennte Teile gegliederte Herrschaftsgebiet lag einerseits zwischen dem Nordwestrand des Sollings und der Leine bei Salzderhelden sowie andererseits im südlichen Oberharz und dem südwestlichen Harzvorland nördlich des Eichsfeldes, wobei zeitweilig auch das Untere Eichsfeld dazugehörte. Es umfasste Einbeck mit dem Stift Sankt Alexandri, die Heldenburg, die Burg Grubenhaben, Osterode, Clausthal, Duderstadt (1366 an Mainz) und Herzberg mit dem Schloss Herzberg.

Das Fürstentum Calenberg entstand im 15. Jahrhundert. Es galt als Kernland des späteren Kurfürstentums Hannover und wurde deshalb auch als „Kernlande Hannover“ bezeichnet. Das Fürstentum erstreckte sich  westlich der Leine von Schulenburg bis nach Neustadt am Rübenberge, im Norden und nach Südwesten bis nach Hameln. Die Stadt Hannover war, auch wenn formell keine Freie Reichsstadt, im Spätmittelalter weitgehend unabhängig von der welfischen Landesherrschaft. Erst als der im Dreißigjährigen Krieg als Feldherr erfolgreiche Georg von Calenberg die Stadt 1636 zu seiner Residenz wählte, konnte auch Hannover als Teil des Fürstentums Calenberg angesehen werden. Durch die seit 1463 bestehende Verbindung der Fürstentümer Calenberg und Göttingen wurde auch das Fürstentum Göttingen manchmal als Calenberg bezeichnet.

Das Fürstentum Göttingen entstand bei einer Teilung des Braunschweiger Fürstentums 1345 und wurde 1495 mit dem Fürstentum Calenberg vereinigt. Das Fürstentum erstreckte sich im Süden Niedersachsens von Münden weserabwärts bis Lauenförde. Im Norden reichte das Gebiet über Göttingen leineabwärts über Northeim bis nahe an Einbeck.

Die Teilfürstentümer existierten bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1806. Auf dem Wiener Kongress entstanden als Nachfolgestaaten das Königreich Hannover und das Herzogtum Braunschweig.

Die Kopfsteuer

Unter Kopfsteuer versteht man eine Steuer, bei der jeder Steuerpflichtige den gleichen absoluten Steuerbetrag zahlt - ohne Berücksichtigung persönlicher Verhältnisse wie Einkommen, Vermögen, Familienstand, Leistungsfähigkeit usw. Zu den größten Vorteilen der Kopfsteuer zählt neben der Einfachheit in der Ermittlung die ökonomische Effizienz. Befürworter einer solchen Steuer sind auch der Meinung, sie würde die Wirtschaft begünstigen, da nur mit einem fixen Steuerbetrag wirtschaftliche Aktivität nicht steuerlich bestraft würde. Andererseits ermöglicht die Kopfsteuer keine Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit, weswegen sie als sozial ungerecht kritisiert wird. Bei einem auf der Kopfsteuer beruhenden Steuersystem unterliegen die Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen relativ zu ihrem Einkommen einer höheren Steuerbelastung als die Bezieher hoher Einkommen. Beträgt die Kopfsteuer zum Beispiel 1000 €, beträgt der Steuersatz bei einem Jahreseinkommen von 50.000 €  2%. Dagegen muss eine Person mit einem Jahreseinkommen von 500.000 € lediglich nur 0,2 % des Einkommens abliefern. Wegen des größeren Anteils von kleinen und mittleren Einkommen an der Gesamtzahl der Steuerpflichtigen würde die Hauptlast des Steueraufkommens von diesen Schichten getragen werden. Aus diesem Grund gilt die Kopfsteuer in Demokratien als kaum durchsetzbar und findet in modernen Steuersystemen kaum noch Anwendung.

Bereits im Mittelalter stieß diese Form der Steuererhebung in der Bevölkerung auf erheblichen Widerspruch. Es regte sich großer Unmut, und in allem Krügen und Schänken wurde von der Abschaffung des Kopfgeldes und dem Entschluss, nicht weiter zahlen zu wollen, gesprochen. Die Regierenden traten dieser Situation u. a. durch Veröffentlichungen entgegen. Im Jahre 1790  veröffentlichte der Göttinger Professor Ludwig Spittler einen Aufsatz über die Geschichte des Kopfgeldes im Fürstentum Calenberg, mit dem er die Notwendigkeit der Erhebung dieser bei der Bevölkerung so verhassten Steuer aufzeigte und damit um Verständnis warb. In dieser Schrift wird u. a. die desolate Lage der Staatskasse offengelegt, die durch aufgezwungene Kriege entstanden war.  U. a. wird ausgeführt:

„Die Hannoverschen Staaten haben im Siebenjährigen Krieg schrecklich gelitten; das Unglück traf, wie schon die geographische Lage vermuten lässt unser Fürstentum Calenberg am stärksten, und gerade im Göttingenschen Quartier desselben, wohin immer der Feind notwendig zuerst kam, da hausete der Krieg recht. So man auch bald nach geschlossenen Frieden die große Revision vornahm, wie hoch verschuldet das ganze Fürstentum geworden und viele dieser Schulden namentlich das Göttingensche Quartier drückten, so zeigte sich auf den ersten Blick eine Entdeckung die nicht wenig für die fortdauernde bisherige Konsistenz dieses Fürstentums fürchten ließ“.

Meierland

Der Begriff „Meierland“ hat seinen Ursprung im sogen. „Meierrecht“. Nach diesem Recht wurden Hofstellen von den Grundherren zunächst nur mit einem Verwaltungs- und Nutzungs¬recht an die Bauern übertragen, das meist zu einem vererblichen und veräußerlichen Nutzungsrecht und dann infolge historischer Agrargesetzgebung in Eigentum verwandelt wurde. 

Brinksitzer und Häuslinge

Als Brinksitzer bezeichnete man früher Kleinstbauern mit eigenem Haus, aber nur wenig Grundbesitz. Zweite und dritte Söhne, die als Knechte auf elterlichen und fremden Höfen nicht unterkamen, gingen zwangsläufig dazu über, eigene Wohnmöglichkeiten zu schaffen. Damit entwickelte sich eine neue Bevölkerungsschicht, die Brinksitzer. Den Lebensunterhalt bestritten die Brinksitzer vorwiegend aus handwerklicher Tätigkeit, Tagelohn und einer kleinen Landwirtschaft. 

„Häuslinge“ wurden Personen ohne eigenen Grund- bzw. Hausbesitz - also Mieter im heutigen Sinne - genannt.  

Das Gesinde

Die Hofstellen waren früher reine Familienbetriebe. In der Regel benötigte der Bauer in seiner Haus- und Feldwirtschaft Knechte und Mägde. Wenn möglich wurden diese Stellen mit den eigenen Kindern besetzt. War dieses nicht möglich oder waren wegen der Größe des Hofes mehr Arbeitskräfte erforderlich, wurden fremde Arbeitskräfte eingestellt,  die unterschiedliche Funktionsbezeichnungen hatten. Die Abstufungen bei den Männern waren der Großknecht, Mittelknecht, Kleinknecht und Junge. Der Großknecht kümmerte sich um die Pferde, der Mittelknecht um die Ochsen, der Kleinknecht war für tägliche Haus- und Hofarbeiten und das Kleinvieh zuständig. Der Junge hütet z.B. die Gänse. Die Abstufungen bei den Frauen waren Großmagd, Mittelmagd, Kleinmagd und Mädchen. Die Großmagd arbeitete im Haus und auf dem Feld, die Mittelmagd kümmerte sich um das Melken der Kühe und das Füttern der Schweine, die Kleinmagd ging der Bäuerin bei der Hausarbeit zur Hand. Das Mädchen war für das Hüten des Kleinviehs oder andere kleinere Arbeiten zuständig. Für gelegentlich anfallende Arbeiten wurden Tagelöhner beschäftigt.

Der Lohn betrug für einen Großknecht (1793) 20 Taler, für einen Kleinknecht 12 Taler. Eine Großmagd erhielt 9 Taler, 20 Ellen Hanf, 3 Ellen Flachs, 3 Ellen Leinen und einen Rock, die Kleinmagd erhielt 7 Taler und sonst etwa dasselbe wie die Großmagd. Ein Tagelöhner erhielt pro Tag 60-70 Pfennig. Das war sicherlich nicht viel, denn ein Himpten Roggen kostete 1 Taler, 1 Pfund Butter 50 Pfennig, 1 Pfund Schweinefleisch 27 Pf, 1 Kuh 20 Taler, 1 Paar Schuhe 20 gute Groschen, 1 Tuchrock 8-10 Taler. Das Gesinde erhielt allerdings freies Essen und Trinken, kostenlose Unterkunft und Kleidung. Es bestand im Gegensatz zu den Tagelöhnern, Dreschern oder Häckern, ein ständiges Lohnverhältnis 

Ermittlung der Steuerlast

In der Kopfsteuerbeschreibung wird der zu zahlende Betrag für den Hofinhaber einschließlich der auf den Besitz entfallenden Steuer in einer Summe angegeben. Bei den Einzelpersonen ohne Landbesitz und Ehegatten, Kinder und sonstigen im Haushalt lebenden Personen erfolgt jeweils eine Einzelangabe.

Eine gewisse Systematik bei der Bemessung der Steuer ist recht gut bei den Kindern festzustellen. Die Steuer war nach Altersklassen, unterschiedlich für Söhne und Töchter gestaffelt, wobei bei den Töchtern sich Überschneidungen in der Altersstaffelung zeigen. 

Söhne

Bis 10 Jahre Steuerfrei

11 bis 18 Jahre 9 Groschen

19 bis 20 Jahre 27 Groschen

21 Jahre u. älter 1 Taler

Töchter

Bis 10 Jahre Steuerfrei

11 bis 13 Jahre 6 Groschen 

14 bis 16 Jahre 8 Groschen

15 bis 16 Jahre 9 Groschen 

17 Jahre u. älter 12 Groschen 

Bei den Ehefrauen ergibt sich folgende Staffelung, wobei die Staffelung nicht eindeutig ist:

  9 Groschen 

12 Groschen 

18 Groschen    

24 Groschen 

27 Groschen   

  1 Taler       

Die Ehefrau des Pastors und des Lehrers waren, wie ihre Ehemänner, steuerfrei. Eine weitere Ehefrau war ebenfalls steuerfrei. Der Hinweis „bettelt“ weist darauf hin, dass die Familie offensichtlich über keine laufenden Einkünfte verfügte. Eindeutige Kriterien für die Staffelung lassen sich nicht ausmachen. Die Größe des Landbesitzes des Ehemannes scheint aber einen Einfluss zu haben.

Für das Gesinde wurde folgende Staffelung ermittelt:

Großknecht  1 Taler

Mittelknecht 27 Groschen

Ackerjunge 9 Groschen (1 frei Vermerk „lahm“)

Großmägde 12 Groschen

Kleinmägde  8 Groschen

Kuh- u. Schweinehirt 18 Groschen

Häuslinge ohne Grundbesitz zahlten 12 Groschen

Bei den jeweiligen „Haushaltsvorständen“ wurde die Steuer unter Einbeziehung des Besitzes festgesetzt. Eine Ableitung auf den Grundbesitz, z.B. Steuer pro Morgen, ist nicht erkennbar. 

Die s. Zt. zu entrichtende Kopfsteuer betrug insgesamt 35 Taler, 19 gute Groschen, ein auf den ersten Blick kleiner Betrag. Rechnet man diesen Betrag unter Berücksichtigung der damaligen Kaufkraft des Talers auf die heutige Zeit um, ergibt sich eine andere Sicht. Die zu entrichtende Kopfsteuer entspricht einem auf der Basis des damaligen Kaufkraftwertes umgerechneten einen Betrag von 772 €. Diese Umrechnung erfolgte auf der Basis einer Angabe aus dem Jahre 1795, nach der für 25 Pfund Brot 1Taler zu bezahlen war. Hierbei handelt es sich allerdings nur um einen Annäherungswert, da die Angaben aus früherer Zeit ungenau und oft auch widersprechend sind. Insofern sind alle Vergleiche irgendwie hinkend und stellen kaum Vergleichswerte dar.

Die Klassifizierung der Höfe

Im 16. Jahrhundert wurden die Hofstätten entsprechend ihrer Größe bestimmten Gruppen zugeordnet. Anlass hierfür war die verstärkte Einführung von Diensten, die in jener Zeit von den Hofstellen für den Grundherrn erbracht werden mussten. Hierzu war es notwendig, die Höfe entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zu klassifizieren. Die Klasseneinteilung wurde bei späteren Besitzveränderungen selten angepasst, so dass die in der Erhebung von 1689 angegebenen Hofgrößen nicht mehr der ursprünglichen Klassifizierung entsprechen.

Ursprünglich wurden in dieser Klasse Höfe mit 2-3 Hufen als Vollmeier und Höfe mit 1 Hufe als Halbmeier eingruppiert. Die Hofklasse „Vollmeier“ findet sich in Denkershausen nicht. Es wird eine sogen. „Halbmeier“ Hofstelle aufgeführt.

Groß- Mittel- und Kleinkötner

In die Gruppe der Kötner wurden ursprünglich Höfe mit 2 bis 30 Morgen bewirtschaftetem Land gezählt.

Großkötner

Dieser Klasse sind Höfe mit recht unterschiedlicher Betriebsgröße von einem Morgen bis 68 Morgen zugeordnet.

Mittel- und Kleinkötner

Der Gruppe „Mittelkötner“ sind keine Höfe zugeordnet. Es finden sich aber 14 „Kleinkötner“ mit sehr unterschiedlichen Hofgrößen.  

Für Denkershausen ergibt sich daraus folgendes Bild

 

Voll- u. Halbmeier

Landbesitz/-
Morgen

Pachtland

Hans Görtler

13½

 Ist in 

Kleinkötner

 

 keinem

Jakob Deneken

 Fall

Goslär, Berthold

1

 dokumentiert

Körver, Henning

13

 

Mohnkopf, Jakob

4

 

Wulf, Balzer

 

Geilhoffs, Jochen

16

 

Eichmeyer, Christoph

20½

 

Deneken, Hans

4

 

Wallhausen, Thilo

11½

 

Wolter, Andreas

 

Sander, Johann Martin

 

Hasper, Hans, Förster

 

Langbein, Hans

4

 

Sander, Cord

5

 

Wüst gefallen waren:

 

 

Leifheit, Andreas

 

 

Becker Erben

 

 

Schlüters, Karsten

 

 

Anzahl der Einwohner: 118 aus 1689

Haushaltsvorstand 18

Ehefrau                 18

Tochter <10          21

Töchter <11-13>    5

Töchter <14-15>    1

Töchter >17            5

Sohn <10             15

Söhne >11-18        9

Söhne >19-20        3

Söhne >21             2

Häusling                 4

Brinksitzer              0

Knechte                  3

Magd                       1

Mädchen                 3

Junge                      1

Hirte                        1

 

1778 werden erstmals aufgezählt:

26 Häuser

8 Häusling

4 Brinksitzer