Rechnungsbuch für das Jahr 1838 bis 1839

 

Mit Blick auf das Rechnungsbuch 1835-36 - Bauermeister und Verantwortlicher war Heinrich Wehrmann. Hier gab es erste Rügen in Sachen Rechnungsführung durch das Amt Brunstein und es wurden Korrekturen angeordnet. Im Folgejahr 1837 bis hierher war Friedrich Wallhausen der Bauermeister. Hätte er vielleicht geahnt was auf ihn zukommen würde, er hätte das Amt vermutlich nicht übernommen und wäre noch früher ausgwandert. (>siehe hier) Im vorliegenden Kassenbuch hagelte es Monitas, sprich Rügen, über die Rechnungsführung und dessen notwendiger Korrekturen. Ja es gab sogar eine Strafandrohung gegen Wallhausen. Alles für 6 Pfund Schafskäse pro Jahr seit....?

Es ist zu unterscheiden, einmal die Korrekturen zum Rechnungsbuch 1836-37 und anschließend zum Rechnungsbuch 1837-38. Jetzt kam es aber noch schlimmer! Wie sich alles nun entwickelte, das kann man hier jetzt nachlesen. Viel Spaß!

Darüber hinaus haben wir gefunden:

  •  Die Kosten "für die Armen" sollten beigetrieben werden. Aber leider waren die Armen so arm, es gab nichts einzutreiben und so schlug man diese Forderungen nieder.

  • Selbst 10 Pf. zu wenig in der Ausgabe waren Kritikpunkt. Aber eine Buchführung muss nun einmal stimmen. Auf Heller Thaler & Pfennig.

  • In einem Fall wurde zur Ausgabe kein Beleg beigegbracht. Strafe: 1 rth!!

  • Der Rechnungsführer hat Ausgabe mit Einnahme verwechselt und schadet sich selbst!

  • Unter Strafandrohung wird dem Bauermeister auferlegt, das es niemals wieder zu rückständigen Beiträgen in der Gemeindekasse kommen darf.
    Der Bauermeister gelobt Besserung!

Aus dieser wohl betrüblichen Erfahrung wurde man klug und stellte jetzt ein Rechnungsbuch sehr detailliert auf.

 Erst im Teil 1 wird dann das eigentliche Rechnungsbuch dargestellt. 

 


DSCN5510
Rechnung 
der
Gemeinde Denkershausen
für das Jahr
vom 1 ten May 1838 bis dahin 1839
Hat BelegeGeführt von Bauermeister
zur EinnahmeFriedrich Walhause
von Litt. A bis
zur Ausgabe
von No. 1 bis


DSCN5511
Monita
über die Rechnung der Gemeinde Denkershausen
vom 1 ten Mai 1836 bis dahin 1837
Mon. 1Ad mon 1
ad mon 1   Die aus einem
Versehen neben dem vorig-
jährigen mon. 1 nicht zu-
rückgegangenen Vergleichs-
verhandlungen über die Wie-
brechtshäuser Schaafkäse erfol-
gen nachträglich hierneben in
Original sub Nris. I & II
Hat  Rechnungsführer  richtig erhalten
Mon. 2Ad mon 2
ad mon 5   Dem Bauermeister wird hiermit ernstlich verwie-
sen, daß derselbe die seit 1834 für die Gemeinde fällig
gewesenen 6 Pfund Schaafkäse von Wiebrechtshausen noch
immer nicht geholt hat, und wird ihm nunmehr bey 5 rth
Strafe befohlen, den Rückstand innerhalb 14 Tagen zu erledigen.
Dieser gegebenen hohen Aufgabe ist die schuldige Folge geleistet.
Mon. 3Ad mon 3
ad mon. 4  Wenn es dem                                 
Bauermeister nicht möglich
war die Angelegenheit wegen
der Rückstände nach Anleitung
des mon. 9 zu besorgen, so
hätte er solches anzeigen müssen                               an
Bescheinigung des Herrn Obervoigt Franz ist es bis jetzt noch nicht möglich gewesen die Angelegen-heit wegen der Rückstän                                     de

DSCN5512
anstatt die Sache ruhen zu
lassen, und bleibt derselbe we-
gen dieser seiner Vernachläs
sigung verantwortlich.
de des vorigen Rechnungsführers
in Ordnung zu bringen und bittet daher der zeitige Rechnungsführer ihn wegen von dieser
Sache gänzlich zu entbinden.
Dagegen soll der Amts-
obervoigt Franz nun-
mehr mit Erledigung
dieser Rückstands-Angele-
genheit beauftragt werden.
Mon. 4Ad mon 4
ad pag 2  Auf dieser Seite sind 8 ?gg? zu wenig aufgerechnet, welche Kraft dieses in Einnahme gebracht werden müssen.Diese zu wenig aufgerechneten
8 gg sind in vorliegender Rechnung Pag. 1 einnahmlich berechnet
Mon. 5Ad mon 5
ad pag 3  An Weide-
geld sind 10 ?gg? zu viel in
Einnahme gebracht, welche
ausgablich zu berechnen sind.
Diese 10 gg sind Pag. 15 dieser Rechnung zur Ausgabe gekommen.
Mon. 6Ad mon 6
?eod?  Die Einnahme von
6 Pfund Schaafkäse, welche im Früh-
jahr jeden Jahres zu Wiebrechts-
hausen in Empfang genommen
werden müssen, fehlt und wird
dieserhalb auf obiges mon. 2
Beziehung genommen.
Auch in dieser Rücksicht ist Rechnungs-
führer seiner Pflicht nachge-
kommen.
Mon. 7Ad mon 7
ad pag 4  Die hier eingetragene
Einnahme muß nicht 4 rth
8 gg sondern 8 rth 12 gg betragen
und sind daher die zu wenig be-
<s>Vide ad mon. 5</s>
rech

DSCN5513
rechneten 4 rth 4 gg noch in
Einnahme zu bringen.

Mon.8Ad mon 8
?eod?   Die erhobenen Herbst-
beedegelder ad 17 gg 9 pf fin-
den sich hier nicht in Einnah-
nahme gestellt, worüber hier-
neben Rechtfertigung er-
wartet wird.
Da der Schulze Wehrmann die Herbst-
beedegelder von jedem einzelnen
Einwohner erhält und ablief an
die Rentey abliefert, so kann Rech-
nungsführer sie weder einnahmlich
noch ausgablich berechnen.
Mon.9Ad mon 9
ad pag. 9  Mittelst des Be-
legs M sind 1 gg 10 pf zu-
viel in Einnahme gebracht,
welche ausgablich berechnet
werden können.
Auch dieser Vorschrift ist Pag.
15 die schuldige Folge geleistet.
Mon.10Ad mon 10
ad pag. 11   Die in der Rech-
nung de 1835/36 pag. 30 in
Ausgabe gebrachten Rückstän-
de betragen 26 rth 16 gg 6 pf
Conv. Mze. und 55 rth 20 gg
3 pf Courant, daher die zu we-
nig berechneten 26 rth 16 gg 6 pf Conv.
Mze. und 6 rth 10 gg 3 pf Courant
demnach in Einnahme gebracht
werden müssen. 
Die zu wenig -------  berechneten
26 rth 16 gg 6 pf Conventions Münze
sind infr. Pag. 11 unter der
Rubrik VII an Restanten in
Einnahme gebracht.
Die 6 rth 10 gg 3 pf Courant sind
bei versammelter Gemeinde
laut der Anlage II Theils zum
Theil der großen Armuth wegen,
Theils und weil die Schuldner ausge-
storben und nichts hinterlassen
haben  -----  niedergeschlagen.
Mon.11Ad mon 11
ad pag. 14   Die Einnahme
Rubrik V ad 4 rth 13 gg 6 pf
Courant ist hier nicht aufge-
führt und dieser Betrag daher
kraft dieses in Einnahme zu brin-
gen.
Sind pag. 1 einnahmlich berechnet.
Mon.12Ad mon 12
ad pag. 16   Auf dieser Sei-
te sind 2 gg zu wenig aufge-
rechnet, welche annoch
Sind unter pag. 15 zur Ausgabe
gekommen.
…in

DSCN5514
Mon.13Ad mon 13
ad pag. 17   Warum das
jährliche Pachtgeld für den
Gänsezehnten ad 1 rth – gg 8 pf
nicht in Ausgabe gebracht ist,
darüber wird Erläuterung
erwartet.  
Der Gänse-Zehnten ist immer auf
die Stückzahl der Gänse repartirt,
gehoben und damit bezahlt, und hat
Rechnungsführer geglaubt es sey
überflüssig diesen einnahmlich und
ausgablich zu berechnen. Nachdem
der Gänsezehnten abgelößt ist, wird
derselbe einnahmlich berechnet.
Mon.14Ad mon 14
ad pag. 18   Mittelst des
Belegs No. 9 sind 10 pf zu we-
nig verausgabt, welche
kraft dieses in Aus-
gabe gebracht werden
können.
Auch diese zu wenig verausgabten
10 pf sind pag. 15 annoch ausgablich
berechnet.
Mon.15Ad mon 15
ad pag. 28   Ueber die ein-
getragene Ausgabe an
Proceßkosten ad 9 rth
11 gg 8 pf ist kein Beleg bei-
gebracht und wird solcher daher
bey 1 rth Strafe hieneben gewärtiget.
diese Acte hohen Königlichen Amt
Die Quitung über diese 9 rth 11 gg 8 pf
stand unter einer Proceß Acte die
Rechnungsführer zu den übrigen
Acten an den Anwald liefern
mußte. Doch hat Rechnungsführer
schon vorgezeigt.
Mon.16Ad mon 16
ad pag. 31   Die Ausgabe
für eine eiserne Schute
beträgt richtiger 2 rth 10 gg
und sind daher die zu viel in
Ausgabe gebrachten 1 rth 3 gg zu
erstatten.
Es hat diese zu viel berechneten 1 gg
3 pf der Empfänger zwar erhalten
jedoch sind dieselben wieder in Ein-
nahme gebracht.
Brunstein den 19ten Nov. 1838
Königliches Hannov. AmtDenkershausen den 2ten October 1839
Damit war zunächst die "Monita" aus 1836-37 bereinigt. Es ging weiter…

DSCN5515
Monita
über die Rechnung der Gemeinde Denkershausen
vom 1 ten Mai 1837 bis dahin 1838
Mon. 1Ad mon 1
ad pag. 3   Die ständige
jährliche Einnahme an Schaaf-
käsen von Wiebrechtshau-
sen ist unter dieser Rubrik
zu berechnen und dabey zu
bemerken, daß die 6 Pfund Schaaf-
käse laut Vergleichs vom
10 ten Septbr. 1834 jährlich im
Frühjahr von Wiebrechts-
hausen abgeholt werden müs-
sen.
Dieser gegebenen hohen Vorschrift
ist die schuldige Folge geleistet.
Mon. 2Ad mon 2
ad pag. 4   Mittelst des Be-
legs E sind 10 gg zu we-
nig in Einnahme gestellt,
welche kraft dieses zu verein-
nahmen sind.
Auch fehlt unter dieser Ruh-
brik die Einnahme von Herbst-
beede, worüber Erläuterung
zu geben ist.
Die zu wenig berechneten 10 gg
sind wieder in Einnahme gekom-
men.


Wegen der Herbstbeede vide ad
mon. 8 zu Rechnung de 1836/37
Mon. 3Ad mon 3
ad pag. 5   Mittelst des Be-
legs F sind hier 10 rth
7 gg 4 pf an Pachtgeldern
berechnet, pro 1836/37 dagegen
nur 9 rth 23 gg 4 pf zur
Einnahme gekom-
Es sind an August Washause und
Wilhelm Düvel noch zwei kleine
Flecke verpachtet, jeder zu 4 gg
woraus der Mehrbetrag ent-
standen ist
men

DSCN5516
men, über welche Ver-
schiedenheit Erläuterung
zu ertheilen ist.
Mon. 4Ad mon 4
ad pag. 9   Mittelst des
Beleges K sind 10 gg zuwe-
nig berechnet, welche kraft die-
ses in Einnahme gebracht
werden müssen.
Ist Pag.1 dieser Rechnung gehörig
befolgt
Mon. 5Ad mon 5
ad pag. 11   Laut pag. 30
der Rechnung de 1836/37 sind
an Rückständen überhaupt
49 rth 10 gg ausgablich berech-
net und kann daher nur die-
ser Betrag wieder in Einnah-
me kommen. Die zu viel
berechneten 6 rth 2 gg 1 pf kön-
nen daher kraft dieses in
Ausgabe gebracht werden.
Die ganz irriger Weise und
zum Schaden des Rechnungsführers
in Einnahme gebrachten Reste
ad 6 rth 2 gg 1 pf sind Pag. 15 wie
der in Ausgabe gebracht -
Mon. 6Ad mon 6
ad pag. 12   Bey der Ein-
nahme von Brinksitzern
wegen des vermehrten Got-
tesdienstes hätte bemerkt wer-
den müßen, daß solche für
die Zeit bis 1 ten May 1838
gilt. Da aber die Ausgabe
von 6 rth an den Prediger
für das Calenderjahr berech-
net wird, so ist zu erläutern
warum diese Berechnungs-
zeit nicht auch bei dem Bei-
trage von den Brinksitzern
zum Grunde gelegt ist. In
der Folge muß dieser
Beitrag jährlich aufge-
führt werden.
Da die Brinksitzer als ersten
Beitrag, wenn das Rechnungsjahr
von May zu May zum Grunde ge-
legt wurde gerade für ½ Jahr
bezahlen mußten, so glaubte
Rechnungsführer, um Irrungen
zu vermeiden, dieses beibe-
halten zu müssen.


Es wird von nun an der Beitrag
der Brinksitzer jährlich berechnet.
mon.


DSCN5517
Mon. 7Ad mon 7
ad pag. 16   An Nebenan-
lagegeldern ist in der Rechnung
de 1836/37 nur die 1 te Hälf-
te in Ausgabe gebracht; hier
aber pro 1837/38 richtig der
ganzjärige Betrag von 2 rth
- gg 8 pf. Da nun die zweite
Hälfte de 1836/37 ad 1 rth 5 gg
11 pf noch nicht verausgabt wor-
den, so kann dieser Betrag
annoch kraft dieses in Aus-
gabe gebracht werden.
Diese aus Versehen nicht berech-
nete Hälfte der Nebenanlage-
gelder ist Pag. 15 ausgablich be-
rechnet.
Mon. 8Ad mon 8
?e ad?   Bei den ständigen
Forstanweisungs-Gebühren
hätte bemerkt sein müssen,
daß solche pro 1 July 1836/37
bezahlt werden
Dient zur Direction
Mon. 9Ad mon 9
ad pag. 17   Die Herbstbee-
de und das Pachtgeld vom
Gänsezehnten findet sich
hier nicht in Ausgabe,
worüber Erläuterung er-
wartet wird.
Rechnungsführer muß hier aber-
mals auf die gegebene Beant-
wortung der Mon.8 et 13 der
Rechnung de 1836/37 sich gehorsamst
beziehen.
Mon. 10Ad mon 10
ad pag. 18   Da Famme nur
über 1 rth 2 gg 8 pf quitirt
so ist ihm das Fehlende
nachzuzahlen.
Ist gehorsamst befolgt
Mon. 11Ad mon 11
ad pag. 24   Die Müller-
sche Quitung sub No. 20
fehlt und ist nachzuliefern.
Auch beträgt die Ausgabe
nur 3 rth 7 gg 8 pf

                                                 und  

DSCN5518
sind daher die zu viel
berechneten 3 gg 8 pf
zu erstatten.
Mon. 12
ad pag. 28   Ueber die
Proceßkosten-Ausgabe
ad 1 rth 9 gg fehlt die alle-
girte Quitung und ist daher
nachzuliefern.
Mon. 13
ad pag. 30   Wenn wegen
Erledigung der älteren Rück-
stände nunmehr dem Amts-
obervoigt Auftrag ertheilt
worden, so wird dagegen dem
Bauermeister zur Pflicht
gemacht keine neue Rück-
stände entstehen zu lassen.
Jede desfallsige Vernach-
lässigung wird sofort be-
straft werden, und sind dem-
nach die jetzigen neuen Rück-
stände sofort einzuziehen.
Rechnungsführer wird der gege-
benen hohen Vorschrift nachzu-
kommen suchen, und zeitigst da-   
für sorgen, daß die in Ausga
be gestellten Restanten
zu ihrer Schuldigkeit angehalten
werden.
Mon. 14Ad mon 14
ad pag. 32   Der Receß
über die Ablösung des
Gänsezehntens ist zur
Einsicht hieneben vor-
zulegen.
Auch dieser Vorschrift hat Rech-
nungsführer die schuldige Fol-
ge geleistet.
Mon. 15Ad mon 15
ad pag. 35   Der verblie-
bene Rechnungsüber-
schuß beträgt richtiger
41 rth 21 gg 6 pf Courant.
Der Rechnungsüberschuß ist
richtig übertragen.
Brunstein den 19. Nov. 1838Denkershausen den 2ten Oct. 1839
Königliches Hannover Amt

                            Weiter mit Teil I

                              >lesen Teil I