Korrektur der Zeitzeugenberichte zum Kriegsende im Ort

Was hatten wir bisher über den Einmarsch der US-Truppen in Denkershasen:

  • Aus 1999 ein Bericht von Marlies Bröser geb. Bode - Öffnet internen Link im aktuellen Fenster>siehe hier
  • Aus 2014 ein Bericht von Friedrich Asmus - siehe unten


Beide Zeitzeugen lassen Ungereimtheiten erkennen, die sicher mit Blick auf die zurück liegende Zeit und einem verblassendem Erinnerungsvermögen einher gehen und damit absolut entschuldbar sind und keinen Mangel darstellen dürfen.

Zeitzeugin Marlies Bröser spricht in ihrem Artikel von der Vorwoche zu Ostern. Ostern war 1945 allerdings am 1./2. April und steht damit nicht im Einklang mit dem Einmarsch am 10. April 1945.

Zeitzeuge Friedrich Asmus beschreibt den Einmarsch mit dem 11. April 1945 ca. 16 Uhr durch die 104th US-Division. Die marschierte aber, ohne links abzubiegen, Richtung Katlenburg.

Nach der letzten Recherche - siehe unten stehenden Artikel von Jürgen Möller - ist jetzt zu berichtigen:

Die 1st US InfDiv war zwar in Northeim, aber Truppenteile davon nie hier im Ort. Es war das 18th Infantry Regiment der 1st US InfDiv und zwar am 10. April 1945.

Weiter, unser geschätzter Friedrich Asmus, hat sich entweder um einen Tag geirrt, oder die Ereignisse am 11. April 1945 haben sich anders zugetragen.

Wenn am 10. April bereits ein Vorkommando der US-Truppen im Ort waren, wird am 11. April kaum ein erneuter Beschuss stattgefunden haben.
Wohl aber die Gemengelage mit dem gefangenen Soldaten und der Handgranatenzündung.

Wir lassen alles so einmal stehen und die Richtigstellung der Ereignisse bitte unten weiter lesen.


Wie ich das Kriegsende erlebte!

Die schrecklichen Ereignisse des Krieges, seiner Wirren und Katastrophen waren zu Ende. Mehr oder weniger wurden die Dinge im Verlauf der Jahrzehnte zurück gedrängt und es wurde nicht mehr darüber gesprochen. Ein letzter Zeitzeuge aus dieser Zeit, unser Friedrich Asmus, 86jährig, hat uns seine damaligen Eindrücke geschildert:

"Die Besetzung durch die Amerikaner am 11.04.1945(*) um ca. 16 Uhr. Mein Vater und ich waren zufällig auf unserem Feld Richtung Brunstein beschäftigt. Wir waren dabei ein Futterrübenlager abzutragen.

Plötzlich kamen Panzer und Infanterie aus Brunstein um Denkershausen anzugreifen. Es waren Teile der 104.US-Division. Das Dorf wurde stark beschossen.

Wir konnten gut beobachten wie die Einwohner von Denkershausen als Zeichen der Kapitulation weiße Tücher aus den Fenstern hängen ließen.

Der Beschuss galt vor allen Dingen den fliehenden PKW`s der deutschen Wehrmacht. Nach der Schießerei besetzte die US-Infanterie Denkershausen.

Ein Teil der deutschen Soldaten hat sich in die angrenzenden Wälder zurück gezogen - andere gerieten in Gefangenschaft. Unter den Gefangenen befanden sich viele Offiziere, die einem ehemaligen Generalstab angehörten.

Mein Vater war eigentlich sehr ruhig - er hatte ja den I. Weltkrieg in voller Härte miterlebt - aber seine Sorge galt meiner Mutter und Schwester zu Hause.

Nach der Schießerei gingen wir an den US Posten vorbei, die uns auch anstandslos vorbei gehen ließen und so kamen wir glücklich zu Hause an. So habe ich die Besetzung durch die US Truppen erlebt.

 

 (*) Gemeint ist wohl der 10. April 1945 - Sollte es der 11. April 1945 gewesen sein, wäre es uhrzeitmäßig aber auch schlüssig.

10. +- 11. April 1945 - Einmarsch der US-Truppen

Wie genau sich unser Zeitzeuge an die Ereignisse damals erinnern konnte findet hier jetzt eine nachträgliche Bestätigung.

Leitet Herunterladen der Datei ein  Der Autor Jürgen Möller, Gotha hat über den Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza ein Buch heraus gegeben "Der Kampf um den Harz - April 1945 - " und listet nahezu minitiös die Kampfhandlungen auch für Denkershausen auf.

Wir danken dem Autor für seine freundliche Genemigung zur Veröffentlichung an dieser Stelle  und zitieren daraus:

 

Seite 85 – 9. April 1945

Nachdem dem AOK 11 (Armeeoberkommando) bereits am Vormittag klar wird, dass die Leine-Verteidigung zusammengebrochen ist, ohne richtig zur Geltung gekommen zu sein, befiehlt Lucht auf Befehl Kesselrings die Neugliederung der Verteidigungsabschnitte und das Absetzen aller Truppen auf das Harz-Vorland. Das Stellv. VI. AK(1) übernimmt am rechten Flügel den Abschnitt mit der linken Grenze zum LXVI. AK(1) auf der Linie Bad Grund - Northeim. Der Korpsgefechtsstand geht nach Denkershausen, fünf Kilometer nordöstlich von Northeim. Das LXVI. AK(1) übernimmt den Abschnitt bis zur Linie Hörden - Nörten und erhält den Auftrag, die Linie Willershausen — Elvershausen — Wulften zu verteidigen. Der Gefechtsstand erreicht in der Nacht Osterode-Freiheit.

 

Seite 101 – 10. April 1945

Die IstUS InfDiv folgt, verstärkt durch die 4thCavGp(2), den Panzern im nördlichen Angriffsstreifen des VII. US Corps. Beim RCT 18(3) (Regional Combat Team =Regimentskampfgruppe) erreicht das 1./18 Sudheim und Hillerse, das 2./18 Northeim und das 3./18 Fredelsloh, Wiebrechtshausen, Langenholtensen, Denkerhausen und Lagershausen und die verstärkte Co. G, 2./18 nähert sich Katlenburg-Duhn/ In Denkershausen überrascht um 13.00 Uhr (B) Infanterie des 3./18 aufgesessen auf Panzern des 3rd Plat. Co. B, 745thTk Bn die Ia- Staffel des Stellv. VI. AK. (1) Dabei werden drei leichte deutsche Fahrzeuge zerstört

 

Seite 131 - 11. April 1945

Im Abschnitt Osterode operieren am Morgen des 11. April 1945 auf engstem Raum die TF Kane der 3rdUS AD aus. dem Raum Elvershausen-Marke und Wulften-Schwiegershausen, das 2./18 aus dem Raum Katlenburg, das 3./18 der IstUS InfDiv aus dem Raum Lagershausen - Denkershausen, das 2./26 aus dem Raum Willershausen und die, der IstUS InfDiv unterstellte, 24th(4)CavRcnSq der 4thCavGp(2) aus dem Raum Katlenburg

 

 

Seite 144  - 11. April 1945

Beim RCT 16 erreicht das 2./16 mit dem unterstützenden 5th FA Bn gegen 16.00 Uhr (B) Imbshausen, das 3./16 versammelt sich in Lagershausen und die unterstellte Co. C, 87thCml Mort Bn geht nach Denkershausen. Dort kommt es bei der Gefangennahme deutscher Soldaten zu einem schweren Zwischenfall. Ein deutscher Soldat zündet eine Handgranate und verwundet drei amerikanische Soldaten. Er wird sofort erschossen. Die Co. A, 745thTk Bn geht nach Denkershausen - Imbshausen. Das 1./16 fährt am Nachmittag mit dem 1st Plat. Co. C, 634thTD Bn nach Herzberg, wo die Panzerjäger deutsche Widerstandsnester nördlich der Stadt unter Beschuss nehmen. Der Div.CP erreicht Northeim.

 

Abkürzungen:
(1) AK=(Armeekorps)
(2) CavGp= (Cavalary Group=motorisierte Aufklärungseinheit)
(3) RTC= (Regional Combat Team =Regimentskampfgruppe)
(4) CavRcnSq = Cavalry Reconnaissance Squadron(engl./amerik.)
     – Aufklärungsbataillon
Co A - bezeichnet die jeweilige Companie B, C usw.


 

Warum starb Wilhelm S.?

Wir wissen es leider nicht! Ein Suizid liegt aber beim vorliegendem Gerichtsurteil nahe. Zwei Frontkämpfer unterhalten sich, ob schön oder unschön lassen wir so stehen. Einer zeigt den anderen an und zerbricht am Urteil vermutlich vor dem Haftantritt.
 



Zu diesem Artikel berichtet uns im Februar 2012 Friedrich Asmus aus eigener Erinnerung die damalige Situation. Er war damals 9 od. 10 Jahre alt.


 

 

 

Es muss im Kriegsjahr 1942 oder Anfang 1943 gewesen sein als der Gefreite Heinrich W. von der Ostfront auf Heimaturlaub in Denkershausen war.
Als er dann auf dem väterlichen Hof Feldarbeit verrichtete traf er
unterwegs auf Wilhelm S. Sie kamen ins Gespräch, wobei es auch
um den erst kürzlich verstorbenen Hermann K. ging, der den
Folgen einer schweren Verwundung erlegen war. In diesem Gespräch
soll Wilhelm S. in unschöner Weise über die Familie K. bzw. über dessen
Sohn Hermann gesprochen haben.
Die Familie K. soll mit allen Mitteln (Speck und Schinken ) versucht haben ihren
Sohn Hermann beim Kompaniechef bzw. Spieß in der Garnison Göttingen vor dem Fronteinsatz zu bewahren.
Dies stimmt meines Wissens nicht.
Es müssen noch weitere unschöne Worte gefallen sein, so dass der Urlauber
Heinrich W. empört war ( Heinrich W. war ein Schulfreund von Hermann K.)
Heinrich W. brachte die Aussagen von Wilhelm S. zur Anzeige. Damals wurden
solche Äußerungen schwer bestraft. Soweit ich weiß, ist der VerurteilteWilhelm S. plötzlich gestorben. Er hat die einjährige Gefängnisstrafe nicht angetreten.

Zitatende


 

 

 

 

Die Dorfchronik hilft weiter!

Unter Chronisten eine selbstverständliche Pflicht gewonnene Erkenntnisse, gleich welcher Qualität,  auch Dritten mitzuteilen.

Im vorliegendem Fall von überregionaler Bedeutung. Was ist voraus gegangen?
<lesen

Hier meldet sich die Dorfchronik und vermittelt die gewonnen Recherchen an das örtliche Stadtarchiv und der Presse. Der beschriebene Heimatforscher Jürgen Schmidt hatte bereits seit 09/2016 von diesem Video Kenntnis, ohne aber auch nur zu ahnen, welche Brisanz die gezeigten Bilder nach  02/2017 in sich trugen.

Die Presse, hier "DER PRIGNITZER" schreibt >lesen

Eine bizarre Geschichte ohne tödlichem Ausgang, aber mit der Gewissheit hier etwas beigetragen zu haben.

Den Original-Pressebericht vom 13. Mai 2017 hier >lesen

 

Bomben auf Northeim

..haben uns damals nicht getroffen, aber der historische Werdegang aus den gewonnenen Erkenntnissen ist auch für die Dorfchronik wieder ein kleiner Meilenstein überregionaler Zusammenarbeit.

Wir erinnern Opens internal link in current window<lesen

Parallel dazu ein Video vom 22. Febr. 1945 eines Luftangriffes auf den Bahnhof Northeim.
Ziel war es die Infrastruktur des Feindes zu stören bzw. zu zerstören.
Das Video, leider nur in englisch, zeigt den Angriff auf Northeim. Gott sei Dank trafen die Bomber nicht wie gewünscht das Ziel, sondern gingen rd. 3km südlich in Sudheim in der Feldmark nieder. Glück gehabt! Eine andere Formation hat den Bahnhof aber dennoch getroffen.

Was wissen wir noch? Die Bomber hatten das eigentliche Ziel Nordhausen Bahnhof etc. Infolge dichter Wolkendecke konnten sie aber die Ziele nicht richtig ausmachen und bekamen Order nach Northeim zu fliegen um dort ihre totbringende Fracht abzuladen.

Video Opens external link in new window<sehen

Anmerkung: Die Filmsequenz Northeim kommt bei 4:17 min.